Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten

Welche Indikationen bleiben übrig?


Alexandra Hennemann, Stuttgart

Zugelassen sind Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten für definierte Indikationen im koronaren Stromgebiet, zum Beispiel perkutane koronare Interventionen. Der Einsatz der Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten bei extrakardialen Indikationen wie Schlaganfall und peripheren Gefäßverschlüssen wird in Pilotstudien untersucht.

Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten beeinflussen die Thrombusgröße und -architektur, die Thrombozytenfreisetzung, die Apoptose und Angiogenese, wirken auf glatte Muskelzellen sowie antikoagulatorisch und antiinflammatorisch und haben agonistische Effekte. Die drei Vertreter Abciximab (ReoPro®), Eptifibatid (Integrilin®) und Tirofiban (Aggrastat®) haben unterschiedliche Eigenschaften, beispielsweise bei Halbwertszeit und Clearance. Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten sind bisher zum Einsatz im koronaren Gefäßgebiet zugelassen. Zu den geprüften und empfohlenen Indiaktionen gehören:

  • Eptifibatid und Tirofiban: Hochrisiko-Patienten mit instabiler Angina pectoris (NSTEMI, Troponin +, ST-Strecken-Depression, neu aufgetretene Angina < 72 Stunden nach Herzinfarkt) bis zur perkutanen koronaren Intervention (PCI) innerhalb von 48 Stunden.
  • Abciximab: Sofortige PCI ± Stent-Implantation bei Myokardinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung (NSTEMI)
  • Abciximab: Akute primäre PCI bei Myokardinfarkt mit ST-Strecken-Hebung (STEMI)
  • Abciximab: Geplante PCI ± Stent, PCI bei UA/STEMI, bei Diabetikern primäre PCI bei STEMI

Die Routinekombination mit Fibrinolytika ist wegen der erhöhten Blutungsrate bei nicht verbesserter Wirksamkeit nicht sinnvoll.

Vor allem zwei extrakardiale Indikationsgebiete für Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten werden in Pilotstudien untersucht:

  • Interventionen bei peripheren Gefäßverschlüssen
  • Zerebrale Indikationen wie Carotis-Stent-Intervention und ischämischer Schlaganfall

Die Datenbasis für den extrakardialen Einsatz ist noch relativ schmal. Das beste initiale Vorgehen bei peripheren Gefäßverschlüssen ist noch unklar, es kann weder Operation noch Fibrinolyse der Vorzug gegeben werden. Zur initialen Fibrinolyse bei peripheren Gefäßverschlüssen wurden mehrere Studien durchgeführt. Untersucht wurde unter anderem die Kombination aus 50 mg
Alteplase plus Abciximab im Vergleich zu 100 mg Alteplase allein. Damit konnte der TIMI-3-Fluss nach 60 min deutlich gesteigert und die Offenheit der Gefäße verbessert werden. Es liegen Pilotstudien vor, in denen Kombinationen von Abciximab mit Urokinase/Reteplase und Heparin sicher angewendet wurden. Durch den Einsatz von GP-IIb/IIIa-Antagonisten wird die Zeit bis zur Fibrinolyse reduziert und es gibt vermehrt Belege für den Nutzen einer Kombinationstherapie.

Die Anwendung von Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten bei Carotis-Stents soll während der Intervention Thromboembolien und zerebrale Ischämien vermindern. Außerdem soll bei einem thromboembolischen Schlaganfall die Auflösung von zerebralen Mikrothromben, die Reperfusion und die Reduktion von neurologischen Defiziten erreicht werden. In einer Studie traten während eines solchen Eingriffs mit Abciximab 1,6 % ischämische Ereignisse (1 kleinerer Schlaganfall, ein retinaler Infarkt) auf und in der Kontrollgruppe 8% (1 großer Schlaganfall, 1 neurologischer Tod). Innerhalb von 30 Tagen nach der Behandlung kam es in der Abciximab-Gruppe zu einer intrazerebralen Hämorrhagie, aber nicht zu größeren Blutungskomplikationen.

Für den Einsatz beim ischämischen Schlaganfall belegt eine Phase-II-Studie (AbEST) die Sicherheit einer Behandlung innerhalb von bis zu 3 bis 6 Stunden nach Eintreten des Schlaganfalls. Es ergaben sich ein Trend für vermehrte symptomatische intrazerebrale Hämorrhagien (+3 %), aber keine vermehrten symptomatischen Blutungen, keine exzessiven nicht intrakranialen Blutungen und kein Anstieg der Sterblichkeit. Bei der Wirksamkeit zeigte sich ein Trend zu Gunsten von Abciximab. Auf dieser Basis werden Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten mit oder ohne niedrig dosierte Alteplase in einer weiteren Studie geprüft.

Quellen

Prof. Dr. Johann Wojta, Wien, Prof. Dr. Stephan Duda, Tübingen, Dr. Christoph. Kopp, Wien, Prof. Dr. Erich Minar, Wien. Symposium „Grundlagen und extrakardiale Indikationen von GPIIB/IIIA-Antagonisten“, im Rahmen der 47. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung, Innsbruck, 17. Februar 2003.

Prof. Dr. Karsten Schrör, Düsseldorf, Prof. Dr. Hans-Jürgen Rupprecht, Mainz, Prof. Dr. Kurt Huber, Wien, Prof. Dr. Christoph Bode, Freiburg. Symposium „Können ADP-Rezeptorblocker die GPIIb/IIIa-Rezeptorblocker ersetzen“, im Rahmen der. 47. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung, Innsbruck, 18. Februar 2003.

Arzneimitteltherapie 2003; 21(08)