Schlaganfallprävention

Ximelagatran mindestens gleich wirksam wie Warfarin


Alexandra Hennemann, Stuttgart

Bei Patienten mit Vorhofflimmern, die ein hohes Risiko für Schlaganfall haben, ist der orale Thrombin-Inhibitor Ximelagatran vergleichbar wirksam wie Warfarin, wie die SPORTIF-III-Studie ergab. Größere unerwünschte Ereignisse traten mit Ximelagatran seltener auf. Blutungen waren insgesamt seltener, bei den größeren Blutungen war der Unterschied jedoch nicht signifikant. Ximelagatran kann ohne engmaschiges Monitoring in fester Dosierung gegeben werden.

Das jährliche Risiko für einen Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern liegt altersabhängig zwischen etwa 5 % bei Patienten unter 65 Jahren bis etwa 9 % bei Patienten über 75 Jahren. Eine Antikoagulation mit Warfarin wird bei etwa 55 % der Patienten eingesetzt, dabei seltener bei jüngeren Patienten unter 55 Jahren und bei sehr alten Patienten über 85 Jahren. Eingeschränkt wird die Therapie mit Warfarin durch die geringe therapeutische Breite, die ein regelmäßiges Monitoring und eine gute Compliance des Patienten erfordert. Der erste orale direkte Thrombin-Inhibitor Ximelagatran hat eine größere therapeutische Breite als Warfarin, erfordert weder eine Dosisanpassung noch ein Monitoring der Gerinnungsparameter und hat ein geringeres Potential für Interaktionen mit Arzneimitteln und Nahrung.

3 407 Patienten mit Vorhofflimmern ohne Herzklappenbeteiligung und weiteren Risikofaktoren für einen Schlaganfall erhielten in der SPORTIF-III-Studie (Stroke prevention using the oral direct thrombin inhibitor ximelagatran in patients with nonvalvular atrial fibrillation III) entweder Warfarin (Ziel-INR 2–3) oder zweimal täglich 36 mg Ximelagatran. In die offene Studie wurden Patienten mit Vorhofflimmern und mehr als einem weiteren Risikofaktor für einen Schlaganfall aufgenommen und randomisiert über etwa 1 bis 2 Jahre behandelt. Der verblindet ausgewertete primäre Endpunkt war die Verringerung ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfälle sowie von systemischen embolischen Ereignissen. Drei Viertel der Patienten waren älter als 65 Jahre, etwa ebenso viele Männer und Hypertoniker. Mit Ximelagatran traten nach 21 Monaten weniger primäre Endpunkte auf als mit Warfarin (Tab. 1). Die Nicht-Unterlegenheit von Ximelagatran konnte belegt werden, ein Nachweis der Überlegenheit wurde verfehlt.

Unerwünschte Ereignisse traten mit Warfarin häufiger auf: Blutungen insgesamt waren mit Warfarin signifikant häufiger (Tab. 1). Bei den größeren Blutungen, war der Unterschied jedoch nicht signifikant. Ein Trend zugunsten von Ximelagatran ergab sich auch bei den intrazerebralen Blutungen. Eine chronische Herzinsuffizienz war mit Warfarin tendenziell häufiger (3,9 % vs. 2,9 %), Herzinfarkte mit Ximelagatran (0,5 % vs. 1,0 %). Mit Ximelagatran trat auch signifikant häufiger eine asymptomatische Erhöhung der Leberenzyme auf (0,7 % vs. 6,5 %, p < 0,001). Insgesamt gab es mit der Warfarin-Therapie signifikant weniger schwere unerwünschte Ereignisse (Schlaganfälle, größere Blutungen, Tod). Die Gesamtsterblichkeit unterschied sich nicht.

Quelle

Halperin JL. SPORTIF III: A long-term randomized trial comparing ximelagatran with warfarin for prevention of stroke an dsystemic embolism in patients with nonvalvular atrial fibrillation. 52nd Annual Scientific Session des American College of Cardiology, Chicago, 2. April 2003.

Tab. 1. Ergebnisse der SPORTIF-III-Studie

Ximelagatran / Warfarin / p-Wert

(n = 1 703) (n = 1 704)

Primäre Endpunkte 1,6 %/Jahr 2,3 %/Jahr
Gesamtsterblichkeit 3,2 % 3,2 %
Alle Blutungen 29,5 % 25,5 % 0,007
Schwere Blutungen 1,8 % 1,3 %
Intrazerebral 0,5 % 0,2 %

Schwere unerwünschte 6,1 % 4,6 % 0,022
Ereignisse

Arzneimitteltherapie 2003; 21(08)