HIV/AIDS

Therapie perinatal infizierter Kinder


Veröffentlicht am: 28.11.2019

Dorothea Schulze, Stuttgart

Da die Erkrankung bei HIV-1-infizierten Kindern schneller fortschreitet als bei Erwachsenen, ist der Zeitpunkt des Beginns sowie die Art der antiretroviralen Therapie wichtig für den Erfolg. Bisher gab es keine durch Studien untermauerte Empfehlungen.

Bei perinatal mit HIV-1 infizierten Kindern sinkt die Zahl der CD4-T-Zellen schneller als bei Erwachsenen, die Zahl der HI-Viren nimmt rascher zu. Im ersten Lebensjahr gibt es keine verlässlichen klinischen Anzeichen oder Laborwerte für eine Progression.

In einer multizentrischen, offenen Phase-I/II-Studie erhielten 52 Kinder in den USA und Puerto Rico eine der drei folgenden Kombinationstherapien:

  • Zidovudin (Retrovir®), Lamivudin (z. B. Epivir®) und Nevirapin (Viramune®),
  • Zidovudin, Lamivudin, Nevirapin und Abacavir (Ziagen®) oder
  • Stavudin, Lamivudin, Nevirapin und Nelfinavir (Viracept®).

Zusätzlich wurden die Kinder nach dem Alter zwei Gruppen zugeteilt: der Gruppe, die zu Beginn der Therapie bis zu 3 Monate alt war (0,5–3 Monate), oder derjenigen, die älter als 3 Monate war (3,5–24 Monate).

24 Mütter (46 %) erhielten vor und/oder während der Schwangerschaft eine antiretrovirale Therapie, von den Kindern wurden 35 (67 %) vor Studienbeginn mit Zidovudin oder einer Kombinationstherapie zweier nukleosidischer Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (NRTI) behandelt.

Insgesamt fiel die Anzahl der HIV-Kopien nach 16 Wochen bei 62 % der Kinder von 5,3 log/ml (3,3–6,4 log/ml) auf weniger als 1 000/ml. Auf unter 400 Kopien/ml fiel die Anzahl nach 48 Wochen bei 50 % sowie nach 200 Wochen bei 44 %. Dabei zeigte sich, dass signifikant mehr Kinder, welche die Kombination mit dem Proteaseinhibitor Nelfinavir erhielten, nach 48 Wochen (83 %) und 200 Wochen (72 %) weniger als 400 Kopien/ml hatten (p = 0,001 und p = 0,01). Bei den älteren Kindern hatten nach 200 Wochen nur 30 % weniger als 400 Kopien/ml, bei der jüngeren Gruppe waren es 60 %. Bereits vorbehandelte Kinder schienen keinen Vorteil zu haben.

Um den optimalen Zeitpunkt für den Beginn der Therapie und die optimale Kombinationstherapie festzusetzen, sind weitere größere, randomisierte Studien vonnöten. Besonders in Entwicklungsländern sollte auch die mögliche Verhinderung einer perinatalen Infektion durch antiretrovirale Therapie ausgebaut werden.

Quelle

Luzuriaga K et al. A trial of three antiretroviral regimes in HIV-1-infected children. N Engl J Med 2004;350:2471-80. 

Arzneimitteltherapie 2004; 22(12)