Forschungsfinanzierung

Medizinische Forschung zunehmend von Industrie finanziert


Dr. Birgit Schindler, Freiburg

Seit 1994 hat der Anteil der durch Biotechnologie- und Pharmafirmen finanzierten medizinischen Veröffentlichungen zugenommen. Dies ergab eine Datenbankanalyse der von 1994 bis 2004 am häufigsten zitierten Artikel.

Medizinische Forschung wird durch öffentliche Gelder, durch die pharmazeutische Industrie und über Stiftungen finanziert. Obwohl der Anteil der staatlich finanzierten Forschung nach wie vor hoch ist, werden immer mehr Studien von Pharmafirmen finanziert. Dies ergab die Auswertung der am häufigsten zitierten medizinischen Veröffentlichungen zwischen 1994 und 2004 aus der Datenbank des Institute for Scientific Information (Philadelphia, USA) (Abb. 1).

Die Gründe für diese Zunahme der Finanzierung durch die Pharmaindustrie liegen nicht alleine bei den Unternehmen, die ihre Produkte bewerben wollen, sondern sind auch durch Einschnitte in den staatlichen Forschungsbudgets und die Notwendigkeit, sich um neue Geldgeber zu kümmern, bedingt. Dadurch besteht allerdings die Gefahr, dass Daten, die zur Gewinnung Evidenz-basierter Leitlinien dienen, einseitig dargestellt sind. Häufig liegen beispielsweise mehr Daten über bestimmte, Patent-geschützte Substanzen vor als über ältere Wirkstoffe oder den Einfluss therapeutischer Lebensstilveränderungen. Die öffentliche Forschungsförderung sollte sich daher auf diese „Evidenz-Lücken“ konzentrieren: Neue Wirkstoffe sollten mit günstigen, älteren Substanzen verglichen werden und auch der Einfluss nicht-medikamentöser Maßnahmen sollte erforscht werden.

Quellen

Patsopoulos NA, et al. Origin and funding of the most frequently cited papers in medicine: database analysis. BMJ 2006;332:1061–63.

Delaney B. Commentary: Is society losing control of the medical research agenda? BMJ 2006;332:1063–64.

Abb. 1. Anteil der am häufigsten zitierten Artikel von 1994 bis 2004 entsprechend ihrer Finanzierungsquelle; Artikel von 2002 bis 2004 wurden zusammen analysiert, Studien mit verschiedenen Finanzierungsquellen sind in allen relevanten Kategorien aufgeführt [nach Patsopoulos NA, et al. 2006]

Arzneimitteltherapie 2007; 25(03)