Arzneimitteltherapie der Psoriasis-Arthritis


Matthias Augustin und Marc Alexander Radtke, Hamburg

Die Behandlung der Psoriasis-Arthritis (PsA) orientiert sich an den Empfehlungen der Fachgesellschaften „Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis“ (GRAPPA) und „European League Against Rheumatism“ (EULAR). Radiologische Progression und Entzündung sollen möglichst reduziert werden, damit eine Remission erreicht werden kann. Für die Auswahl der Therapie muss die Lebensqualität und Komorbidität der Patienten berücksichtigt werden. Initial werden NSAR und Glucocorticoide eingesetzt. Eine starke Beteiligung der Gelenke spricht für den frühen Einsatz von DMARD (z.B. Methotrexat), auch wenn die meisten Daten aus Untersuchungen zur rheumatoiden Arthritis stammen. Je nach prädominierender Beteiligung (peripher, axial, Daktylitis, Enthesitis, Haut, Nägel) unterscheidet sich die Therapie. Für TNF-α-Hemmer liegt insgesamt die höchste Evidenz vor.
Arzneimitteltherapie 2017;35:244–57.

Unter Psoriasis-Arthritis (PsA) versteht man chronisch-entzündliche, zumeist schubweise verlaufende, seronegative Oligo- bzw. Polyarthritiden, die in die Gruppe der Spondyloarthropathien subsummiert werden [52]. Neben der Haut- (Psoriasis) und Gelenkmanifestation können die entzündlichen Veränderungen den gelenknahen Ansatz von Sehnen, Bändern und Gelenkkapseln betreffen; ebenso den Knochen und periostale Strukturen [61]. Entzündungszellen und die von diesen sezernierten Mediatoren spielen auf pathogenetischer sowie immunologischer Ebene eine bedeutende Rolle in der Induktion und Unterhaltung des Entzündungsprozesses und sind Zielstruktur innovativer therapeutischer Strategien [37].

Durch die zunehmende Interdisziplinarität zwischen Dermatologen und Rheumatologen konnte für die Versorgungsnotwendigkeit dieser Erkrankung ein zunehmendes Bewusstsein generiert werden [38]. Eine um Jahre, in Einzelfällen sogar schon um wenige Monate protrahierte Diagnostik kann bedeutende Auswirkungen auf den weiteren klinischen Verlauf der Erkrankung und eine fakultative radiologische Progression zur Folge haben [25, 62]. Medikamentöse Therapiestrategien, basierend auf konkreten Behandlungsempfehlungen und -pfaden, können sowohl klinischen Symptomen als auch der radiologischen Progression wirksam begegnen und den Funktionserhalt der Gelenke fördern, auch wenn die Evidenz durch eine fundierte Studienlage für zahlreiche eingesetzte Systemtherapeutika in der PsA noch unvollständig ist.

Pathologie und Diagnose

Zur Diagnose einer PsA ist das Vorliegen von Hautsymptomen nicht zwingend erforderlich. Die Erkrankung kann einen sehr heterogenen Verlauf nehmen und bei einem Teil der Betroffenen schubweise verlaufen.

Sehr häufig zeigen PsA-Patienten zunächst Symptome einer Hautmanifestation (Psoriasis). Bei 20 bis 30% der Psoriasis-Patienten entwickelt sich im weiteren Krankheitsverlauf eine Entzündung der Gelenke oder gelenknaher Strukturen, wodurch die Erkrankung als PsA klassifiziert wird [50, 52]. Bei 10 bis 15% dieser PsA-Patienten zeigen sich zunächst Symptome an den Gelenken und die Hautmanifestation tritt erst im weiteren Krankheitsverlauf auf. Bei jeweils 10% der Patienten treten Haut- und Gelenksymptome zeitgleich auf oder geht die Gelenkmanifestation dem Auftreten von Hautveränderungen voraus [27]. Gerade letztere Fälle sind eine diagnostische Herausforderung und erfordern eine interdisziplinäre Herangehensweise in Diagnostik und Therapie [49].

Häufig, jedoch nicht regelhaft, sind der Befall von Weichgeweben sowie der Befall im Strahl (Daktylitis) [46] und die Entzündung von Sehnenansätzen (Enthesitis). Nicht selten führt die PsA im Rahmen eines chronisch destruierenden Verlaufes zu ossären Umbauvorgängen, was bei Fortschreiten auch als radiologische Progression bezeichnet wird [59]. Bei ihrer Entstehung spielen sowohl genetische als auch Umwelt- bzw. Realisationsfaktoren eine bedeutende Rolle. In der Zusammenschau aller Studien zeigen bis zu 40% der Patienten mit leichter Psoriasis und 50 bis 70% mit schweren Formen Nagelveränderungen (Onychodystrophien, Ölflecken, Tüpfelnägel, Onycholysen) [8, 35, 48]. Bei Patienten mit einer gleichzeitig bestehenden PsA wurde in bis zu 80% der Fälle eine Nagelbeteiligung beobachtet, die sich nicht zuletzt in einer anatomisch funktionellen Einheit von Nagel und Sehnenapparat begründet [20, 54].

Der Beginn einer PsA kann grundsätzlich in jedem Alter erfolgen. Die Erkrankung manifestiert sich häufig zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Die Veränderungen der Gelenke werden vom Patienten häufig in Form von Schwellung, Druckempfindlichkeit, Schmerzen oder Morgensteifigkeit wahrgenommen [63]. Die Symptome können sowohl bei Belastung als auch in Ruhe auftreten. Die PsA manifestiert sich in der Anfangsphase der Entzündung häufig zunächst als milde oligoartikuläre Entzündung, wobei die Zahl der betroffenen Gelenke mit der Zeit zunimmt. Bei etwa 20% besteht eine schwerwiegende Erkrankung mit polyartikulärer Gelenkbeteiligung. Folgen einer chronischen Entzündung sind bei fehlender Therapie die Zerstörung der Gelenke und eine damit einhergehende Funktionseinschränkung sowie Bewegungsschmerzen [51]. Prospektive Querschnittsstudien konnten zeigen, dass Patienten mit PsA insbesondere bei schweren Verlaufsformen ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung signifikant erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und eine gesteigerte kardiovaskuläre Mortalität aufweisen [5, 26]. Der multisymptomatische Charakter der Erkrankung mit den unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomen erschwert eine eindeutige Klassifikation nach Schweregraden [44]. Die derzeitigen Empfehlungen der GRAPPA [16] schlagen zunächst eine Einteilung der Krankheitsstadien in mild, mittelschwer und schwer vor (Tab. 1). Diese Einteilung bezieht sich auf den Schweregrad der einzelnen Symptome und nicht auf die Erkrankung im Gesamtkontext.

Tab. 1. Einteilung der Schweregrade bei PsA (modifiziert nach der GRAPPA-Empfehlung) [16]

Symptom

Leicht

Mittelschwer

Schwer

Periphere Arthritis

  • <5 betroffene Gelenke
  • Gelenkerosion röntgenologisch nicht sichtbar
  • Kein Verlust der körperlichen Funktionen
  • Minimaler Einfluss auf die Lebensqualität
  • Patienteneinschätzung: leichte Erkrankung
  • ≥5 betroffene Gelenke (geschwollen oder druckempfindlich)
  • Gelenkerosion röntgenologisch sichtbar
  • Mittelschwerer Verlust der körperlichen Funktionen
  • Mittelschwerer Einfluss auf die Lebensqualität
  • Patienteneinschätzung: mittelschwere Erkrankung
  • ≥5 betroffene Gelenke (geschwollen oder druckempfindlich)
  • Schwere Gelenkerosion röntgenologisch sichtbar
  • Schwerer Verlust der körperlichen Funktionen
  • Starker Einfluss auf die Lebensqualität
  • Patienteneinschätzung: schwere Erkrankung

Hautbeteiligung

  • BSA <5%, PASI <5, asymptomatisch
  • DLQI, PASI >10, kein Ansprechen auf topische Therapie
  • BSA >10%, DLQI >10, PASI >10

Axiale Beteiligung

  • Leichter Schmerz
  • Kein Verlust der Funktionen
  • Verlust der körperlichen Funktion oder BASDAI >4
  • Unzureichendes Therapie-Ansprechen

Enthesitis

  • 1 bis 2 betroffene Stellen
  • Kein Verlust der Funktionen
  • 1 bis 2 betroffene Stellen oder
    Verlust der Funktionen
  • >2 betroffene Stellen oder Verlust der Funktionen oder unzureichendes Therapie-Ansprechen bei der Behandlung einer leichten bis mittelschweren Enthesitis

Daktylitis

  • Keine oder nur leichte Schmerzen
  • Normale Funktion
  • Erosive Erkrankung oder Verlust der Funktionen
  • Unzureichendes Therapie-Ansprechen

BSA: Body surface area; BASDAI: Bath ankylosing spondylitis disease activity index; DLQI: Dermatology life quality index; GRAPPA: Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis; PASI: Psoriasis area and severity index

Die Schweregradeinteilung dient dem Behandler als Orientierung und ist kein Prädiktor für die Durchführung einer bestimmten Therapiemaßnahme. Diese werden patientenindividuell auf den Schweregrad der jeweiligen Symptome vom behandelnden Arzt abgestimmt [53]. Eine aktive PsA wird nach den EULAR-Empfehlungen definiert durch Vorhandensein eines oder mehrerer druckempfindlicher und entzündeter Gelenke und/oder druckempfindlicher Enthesitis und/oder daktylitischer Finger und/oder entzündlichem Rückenschmerz [23].

Therapie der Psoriasis-Arthritis

Die Therapieplanung der PsA, die im Idealfall eine interdisziplinäre Aufgabe zwischen Rheumatologen und Dermatologen darstellt, erfordert zunächst die präzise Untersuchung und Diagnosestellung, da unterschiedliche PsA-Formen in eine differenzierte Therapieplanung Eingang finden und der Therapieverlauf sowohl vom klinischen Bild als auch vom radiologischen Verlauf (radiologische Progression) abhängen [18]. Von Bedeutung sind hier ein fakultativer axialer Befall (Wirbelsäule) oder aber das Vorliegen einer Daktylitis oder Enthesitis, die in den Behandlungsempfehlungen der internationalen Arbeitsgruppen und Fachgesellschaften einen unterschiedlichen Therapiealgorithmus zur Folge haben. In Deutschland existieren derzeit keine Leitlinien oder Empfehlungen zur Therapie der PsA. Die Therapie wird in besonderer Weise durch die Empfehlungen der GRAPPA [16] und der EULAR [24] geprägt und umfasst ein heterogenes Spektrum antientzündlicher und immunmodulierender Arzneistoffe, die je nach Schweregrad sowie Manifestationsform der PsA zum Einsatz kommen [15]. Die Linderung der entzündlichen Aktivität, eine Verminderung der radiologischen Progression und der Erhalt der langfristigen Gelenkfunktion sind Therapieziele [22]. Ferner gilt es zu jedem Zeitpunkt die Lebensqualität der Patienten, die kumulative Belastung sowie das Vorhandensein weiterer Komorbidität zu berücksichtigen [21]. Das medikamentöse Spektrum weist Wirkstoffe aus unterschiedlichen Gruppen auf (Tab. 2) und beinhaltet NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), Arzneimittel aus der Gruppe der DMARD (Disease modifying antirheumatic drugs), Glucocorticoide, Phosphodiesterase-4-Inhibitoren, TNF-α-Antagonisten (TNF=Tumornekosefaktor), Interleukin-(IL-)12/23-Antagonisten und die Gruppe der IL-17-Antagonisten.

Tab. 2. Wirkstoffe, empfohlene Dosierung und Applikationsart

Wirkstoffe nach Therapieformen

Empfohlene Dosierung und Applikationsart

Anwendung in der PsA

NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika)

Acetylsalicylsäure [10]

  • 1–2 Tbl. pro Dosis (500 mg pro Tbl.)
  • Mindestabstand zwischen Dosen: 4 h
  • Maximale Tagesdosis 6 Tbl.
  • Orale Einnahme

Symptomatische Behandlung bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und/oder Fieber

Arylpropionsäurederivate (z.B. Ibuprofen) [2]

  • 1200–2400 mg/Tag
  • Maximale Einzeldosis 800 mg
  • Orale Einnahme

Symptomatische Behandlung von Schmerz und Entzündung bei:

  • Akuten Arthritiden (einschließlich Gichtanfall)
  • Chronischen Arthritiden, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis)
  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen
  • Reizzuständen bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (Arthrosen und Spondylarthrosen)
  • Entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen
  • Schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen

Arylessigsäurederivate
(z.B. Diclofenac) [28]

  • 50–150 mg/Tag verteilt auf 1–3 Einzelgaben
  • Orale Einnahme

Symptomatische Behandlung von Schmerz und Entzündung bei:

  • Akuten Arthritiden (einschließlich Gichtanfall)
  • Chronischen Arthritiden, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis)
  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen
  • Reizzuständen bei Arthrosen und Spondyloarthrosen
  • Entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen
  • Schmerzhaften Schwellungen oder Entzündungen nach Verletzungen

Indolessigsäurederivate
(z.B. Indometacin) [3]

  • 50–150 mg/Tag verteilt auf 1–3 Einzelgaben
  • Orale Einnahme

Symptomatische Behandlung von Schmerz und Entzündung bei:

  • Akuten Arthritiden (einschließlich Gichtanfall)
  • Chronischen Arthritiden, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis)
  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen
  • Reizzuständen bei Arthrosen und Spondyloarthrosen
  • Entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen
  • Schmerzhaften Schwellungen oder Entzündungen nach Verletzungen

Anthranilsäurederivate (z.B. Etofenamat) [40]

  • 1 Ampulle à 2 ml (entspricht 1000 mg) einmalig
  • Tief intramuskulär

Symptomatische Behandlung von starken Schmerzen bei:

  • Chronischen Arthritiden, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (chronischer Polyathritis)
  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und bei anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen
  • Reizzuständen degenerativer Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (Arthrosen und Spondyloarthrosen)
  • Tendovaginitis, Bursitis
  • Schmerzhaften Schwellungen oder Entzündungen nach Verletzungen

Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD)

Methotrexat (MTX) [29]

  • Induktionstherapie: einmalig 7,5 mg/Woche, danach schrittweise Erhöhung um 5–7,5 mg/Woche, maximal mögliche Dosis 30 mg/Woche
  • Langzeittherapie: 7,5–30 mg/Woche in Abhängigkeit von der Wirkung
  • Orale oder subkutane Einnahme

Schwere Formen der Psoriasis vulgaris, insbesondere vom Plaque-Typ, und der Psoriasis arthropathica, die mit einer konventionellen Therapie nicht ausreichend behandelbar sind

Sulfasalazin [41]

  • Initiale Titration: tägliche Einnahme mit wöchentlicher Erhöhung der Dosis bis zur optimalen Dosis: 1. Woche: 1×500 mg/Tag (abends), 2. Woche: 2×500 mg/Tag (morgens und abends), 3. Woche: morgens 1×500 mg/ Tag, abends 2×500 mg/Tag, 4. Woche: 2×500 mg/Tag morgens und 2×500 mg/Tag abends
  • Danach: max. 2×500 mg/Tag morgens und 2×500 mg/Tag abends oder individuell optimale Dosis
  • Orale Einnahme

Behandlung der aktiven juvenilen idiopathischen Polyarthritis und Spondyloarthropathie mit peripherer Arthritis bei Patienten ab sechs Jahren, die nicht ausreichend auf NSAR angesprochen haben

Leflunomid [55]

  • Aufsättigungsdosis von 100 mg/ Tag über 3 Tage
  • Erhaltungsdosis: 20 mg/ Tag
  • Orale Einnahme

Leflunomid ist ein antirheumatisches Basistherapeutikum (DMARD) zur Behandlung von Erwachsenen mit:

  • aktiver rheumatoider Arthritis
  • aktiver PsA (Arthritis psoriatica)

Goldverbindungen
(z.B. Natrium-aurothiomalat) [60]

  • Zu Beginn 2 Injektionen/Woche:

1.–3. Injektion je 10 mg

4.–6. Injektion je 20 mg

Ab 7. Injektion entweder 2×50 mg/Woche oder 1×100 mg/Woche, diese Dosierung bis Besserung des Befunds, aber höchstens bis zu einer kumulativen Gesamtdosis von 1600 mg beibehalten.

  • Erhaltungsdosis: beginnend nach Wirkungseintritt 100 mg/Monat (2 Ampullen à 50 mg) oder 50 mg alle 2 Wochen
  • Intramuskulär

Chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis), Arthritis psoriatica

Glucocorticosteroide

Glucocorticoide
(z.B. Prednison) [4]

  • Niedrige oder sehr niedrige Dosis von 10–40 mg/Tag (0,25–0,5 mg/kg KG/Tag) bzw. 1,5–7,5 (10) mg/Tag (für die sehr niedrige Dosis gibt es keine gewichtsabhängige Angabe)
  • Orale Einnahme

Angezeigt zur Behandlung von Erkrankungen, die einer systemischen Therapie mit Glucocorticoiden bedürfen. Hierzu gehören je nach Erscheinungsform und Schweregrad andere entzündlich-rheumatische Arthritiden, sofern die Schwere des Krankheitsbildes es erfordert und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nicht angewandt werden können: Spondarthritiden (Spondylitis ankylosans mit Beteiligung peripherer Gelenke, Arthritis psoriatica, enteropathische Arthropathie mit hoher Entzündungsaktivität

Phosphodiesterase-4-Inhibitoren

Apremilast [14]

  • Initiale Titration: 1. Tag: 1×10 mg (morgens) 2. Tag: 2×10 mg (morgens und abends) 3. Tag: morgens 1×10 mg, abends 20 mg, 4. Tag: 2×20 mg (morgens und abends), 5. Tag: morgens 1×20 mg, abends 1×30 mg, 6. Tag: 2×30 mg (morgens und abends)
  • Danach: 30 mg 2×/Tag (morgens und abends)
  • Orale Einnahme

Allein oder in Kombination mit krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Arzneimitteln (DMARD) indiziert zur Behandlung der aktiven PsA bei erwachsenen Patienten, die auf eine vorangegangene DMARD-Therapie unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben

Biologika: TNF-α-Antagonisten

Etanercept [47]

  • 2×25 mg/Woche oder 1×50 mg/Woche
  • Subkutan

Behandlung der aktiven und progressiven PsA bei Erwachsenen, wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Basistherapie unzureichend ist

Infliximab [42]

  • Induktions- und Erhaltungstherapie: 5 mg/kg KG (Initial: Infusion in Woche 0, 2 und 6, Erhaltungstherapie: alle 8 Wochen)
  • Intranvenös

Indiziert zur Behandlung der aktiven und fortschreitenden PsA bei erwachsenen Patienten, wenn deren Ansprechen auf eine vorhergehende krankheitsmodifizierende, antirheumatische Arzneimitteltherapie (DMARD-Therapie) unzureichend gewesen ist.

Infliximab sollte verabreicht werden

  • in Kombination mit MTX
  • oder als Monotherapie bei Patienten, die eine Unverträglichkeit gegenüber MTX zeigen oder bei denen MTX kontraindiziert ist [57]

Adalimumab [1]

  • 40 mg alle 2 Wochen
  • Subkutan

Indiziert zur Behandlung der aktiven und progressiven PsA bei Erwachsenen, die nur unzureichend auf eine vorherige Basistherapie angesprochen haben

Golimumab [43]

  • 50 mg einmal im Monat, jeweils am selben Tag des Monats
  • Für Patienten mit einem KG >100 kg, die nach 3 oder 4 Dosen kein ausreichendes Ansprechen erzielen, ist eine Erhöhung auf 100 mg einmal monatlich abzuwägen.
  • Subkutan

Zur Anwendung als Monotherapie oder in Kombination mit MTX zur Behandlung der aktiven und fortschreitenden PsA bei Erwachsenen indiziert, wenn das Ansprechen auf eine vorherige Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) unzureichend gewesen ist

Certolizumab pegol [64]

  • Initialdosis: 400 mg in Woche 0, 2 und 4
  • Erhaltungsdosis: 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen nach Bestätigung des klinischen Ansprechens
  • Subkutan

In Kombination mit MTX für die Behandlung der aktiven PsA bei Erwachsenen angezeigt, wenn das vorherige Ansprechen auf eine Therapie mit DMARD ungenügend war.

In Fällen von Unverträglichkeit gegenüber MTX oder wenn die Fortsetzung der Behandlung mit MTX ungeeignet ist, kann Certolizumab pegol als Monotherapie verabreicht werden

Biologika: IL-12/23-Inhibitoren

Ustekinumab [30]

  • Initialdosis: 45 mg (bei >100 kg KG: 90 mg) in Woche 0 und 4
  • Erhaltungsdosis: 45 mg (bei >100 kg KG: 90 mg) alle 12 Wochen
  • Subkutan

Allein oder in Kombination mit MTX für die Behandlung der aktiven PsA bei erwachsenen Patienten indiziert, wenn das Ansprechen auf eine vorherige nicht-biologische krankheitsmodifizierende antirheumatische (DMARD) Therapie unzureichend gewesen ist

Biologika: IL-17A-Inhibitoren

Secukinumab [45]

  • Patienten mit gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis oder unzureichendem Ansprechen auf TNF-α-Inhibitoren: 300 mg in Woche 0, 1, 2 und 3 gefolgt von einer monatlichen Erhaltungsdosis ab Woche 4.
  • Alle anderen Patienten: 150 mg in Woche 0, 1, 2 und 3 gefolgt von einer monatlichen Erhaltungsdosis ab Woche 4.
  • subkutan

Allein oder in Kombination mit MTX, angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver PsA, wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) unzureichend gewesen ist.

DMARD: Disease-modifying antirheumatic drugs; IL: Interleukin; MTX: Methotrexat; NSAR: nichtstereoidale Antirheumatika; SpA: Spndyloarthritis; TNF: Tumornekrosefaktor

Therapiealgorithmen und Empfehlungen

Die Evidenz zur Therapie der PsA aus randomisierten klinischen Studien ist insgesamt unzureichend und eine ganze Reihe an Erkenntnissen und Empfehlung basiert auf Daten und Erfahrungen in der Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA). Seit 2008 beschäftigt sich eine Gruppe europäischer Rheumatologen mit der „zielgenauen Behandlung“ (Treat to Target) der rheumatoiden Arthritis. Das Behandlungsziel ist eine klinische Remission oder zumindest eine niedrige Krankheitsaktivität [58]. Frühzeitiger Therapiebeginn und ein striktes Behandlungsprotokoll mit engmaschigem Monitoring („tight control“) und konsequenter Therapieanpassung, um schnellstmöglich eine Remission zu erreichen, stehen hierbei im Vordergrund. Im Jahr 2015 publizierten Coates et al. [17] eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) zur PsA, in der diese Behandlungsempfehlung systematisch umgesetzt wurde. An der offenen TICOPA-Studie (Trial comparing tight control of early psoriatic arthritis) wurden in acht rheumatologischen Zentren in England 206 Patienten mit neu diagnostizierter und therapienaiver Psoriasis-Arthritis und einer Krankheitsdauer von weniger als 24 Monaten in zwei Behandlungsarme randomisiert: Entweder sie erhielten eine intensivere Treat-to-Target-Strategie (engmaschige Kontrollen alle vier Wochen und Therapieeskalation bei Nicht-Erreichen der EULAR-Kriterien für eine minimale Krankheitsaktivität) oder eine konventionelle Standardtherapie (12-wöchentliche Kontrollen). Nach 48 Wochen wurde als primärer Studienendpunkt das Erreichen eines ACR20-Ansprechens (Intention-to-treat-Analyse) untersucht (=mind. 20%ige-Verbesserung der Symptome). Hierbei zeigte sich, dass in der Treat-to-Target-Gruppe die Patienten signifikant häufiger ein ACR20-Ansprechen erreichten als in der Standardtherapie-Gruppe (Odds-Ratio 1,91; p=0,039); bei günstigem Nebenwirkungsprofil. Behandlungsbedürftige unerwünschte Wirkungen traten mit 14% etwas häufiger in der Treat-to-Target-Gruppe als im Vergleichsarm (6%) auf.

Behandlungsempfehlung nach GRAPPA

Das therapeutische Vorgenen bei der PsA wird maßgeblich durch die Empfehlungen der „European League Against Rheumatism“ (EULAR) [24] und der „Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis“ (GRAPPA) [16] geprägt. Die GRAPPA-Empfehlungen unterscheiden sich von denen der EULAR durch eine weitere Unterteilung der prädominierenden Manifestation der PsA und wurden seit 2009 mehrmalig aktualisiert. Sie beinhalten in der aktuellen Fassung übergeordnete Therapiealgorithmen und evidenzbasierte Empfehlungen für die Behandlung der unterschiedlichen Manifestationsformen. Ein weiterer bedeutender Unterschied zu den Empfehlungen der EULAR ist, dass neben Rheumatologen auch Dermatologen und Patientenvertreter an der Entwicklung der Empfehlungen beteiligt waren. Im Detail werden alle Manifestationsformen (periphere Arthritis, Spondylitis, Enthesitis, Daktylitis, Haut- und Nagelbefall) berücksichtigt. Übergeordnetes Therapieziel ist das Erreichen einer geringen Krankheitsaktivität bzw. die Remission und damit ein Anhalten der radiologischen Progression. Weiterhin finden die Lebensqualität der Patienten, Schmerz, Funktion sowie die Früherkennung assoziierter Begleiterkrankungen (Komorbidität) Berücksichtigung. Ein weiteres übergeordnetes Behandlungsmerkmal ist die regelmäßige Re-Evaluation des Befundes mit dem Ziel eines „Treat-to-target(T2T)“-Ansatzes.

Die Reduktion der Langzeitbehandlung ist eine individuelle Entscheidung, die Arzt und Patienten im Konsens treffen sollten. Das Risiko von Schüben und das Aufflammen extraartikulärer Krankheitsmanifestationen muss gegenüber den Vorteilen der Medikamentenreduktion abgewogen werden [57]. Die anhaltende medikamentenfreie Krankheitsremission ist bei sorgfältig für eine Biologika-Behandlung selektierten SpA-(Spondyloarthritis-) und PsA-Patienten zu selten, als dass ein späterer freiwilliger Behandlungsstopp – zumindest nicht ohne vorherige vorsichtige Dosisreduktion – empfohlen werden kann.

Abbildung 1 erläutert die spezifische GRAPPA-Empfehlung [16] unter Berücksichtigung der Manifestationsform der PsA. Da bei einer bedeutenden Zahl von Patienten mehrere Manifestationsformen gleichzeitig vorliegen können, sollte die Wahl des Therapieprinzips sich im günstigsten Fall daran orientieren, ob nach Möglichkeit alle vorliegenden Manifestationsformen abgedeckt sind oder ob eine Manifestationsform vorliegt, die den alternativlosen direkten Einsatz von Biologika notwendig macht.

Abb. 1. Behandlungsempfehlungen nach GRAPPA [16] CSA: Ciclosporin; DMARDs: Disease-modifying antirheumatic drugs; IA: intraartikulär; IL-12/23i: Interleukin-12/23-Inhibitor; LEF: Leflunomid; MTX: Methotrexat; NSAIDs: nichtsteroidale Antiphlogistika; PDE4i: Phosphodiesterase-4-Inhibitor (Apremilast); SpA: Spndyloarthritis; SSZ: Sulfasalazin; TNFi: Tumornekrosefaktor-Inhibitor

Die höchste Evidenz liegt für die Wirkstoffgruppe der TNF-α-Antagonisten vor. Für die empfohlenen DMARD (als krankheitsmodifizierende Therapien) gibt es teilweise nur sehr wenige Studiendaten in der Indikation der PsA. Bedingt empfohlen werden NSAR, orale und i.a. Glucocorticoide. Hier ist insbesondere vor dem Hintergrund der zumeist gleichzeitig bestehenden Psoriasis die Indikation sehr eng zu stellen. Weder für den IL-12/23-Antagonisten Ustekinumab noch für den IL-17A-Antagonisten Secukinumab liegt eine ausreichende Evidenz vor.

Periphere Arthritis. Bei peripherer Arthritis und inadäquatem Ansprechen auf DMARD gibt es eine starke Empfehlung für TNF-α-Inhibitoren, Ustekinumab und Apremilast. Bedingt empfohlen werden NSAR, orale und i.a. Glucocorticoide sowie IL-17-Inhibitoren. Bei Patienten mit peripherer Arthritis und inadäquatem Ansprechen auf Biologika erhielt nur der Wechsel auf TNF-α-Inhibitoren eine starke Empfehlung; NSAR, orale und i.a. Glucocorticoide, IL-12/23- und IL-17-Inhibitoren sowie PDE-4-Inhibitoren erhielten eine bedingte Empfehlung.

Axiale Beteiligung. Liegt als Hauptmanifestation eine axiale Beteiligung vor, existiert für die initiale Therapie mit NSAR, Physiotherapie und TNF-α-Antagonisten eine starke Empfehlung. Eine bedingte Empfehlung erhielten IL-17A-Antagonisten, Injektionen mit Glucocorticoiden und Bisphosphonaten sowie IL-12/23-Inhibitoren. Bei einer vorwiegend axialen Erkrankung erhielten für die initiale Therapie NSAR, Physiotherapie, Analgetika und TNF-α-Inhibitoren eine starke Empfehlung; IL-17-Inhibitoren, SIG-Injektionen (SIG: Sacro-Iliacal-Gelenk) mit Glucocorticoiden und Bisphosphonate sowie – weniger stark – IL-12/23-Inhibitoren erhielten eine bedingte Empfehlung. Für DMARD liegt keine ausreichende Evidenz vor. Nach inadäquatem Ansprechen auf Biologika werden NSAR, Physiotherapie und Analgetika stark empfohlen; TNF-α-Inhibitoren, IL-12/23- und IL-17-Inhibitoren bedingt.

Enthesitis. Bei Vorliegen einer Enthesitis gibt es ebenfalls die stärkste Empfehlung für TNF-α-Antagonisten und IL-12/23-Inhibitoren; eine bedingte für NSAR, Physiotherapie, Glucocorticoid-Injektionen, PDE-4-Inhibitoren und Secukinumab. Für den Einsatz von DMARD liegt keine Evidenz vor. Für die Therapie der Daktylitis wird der frühe Einsatz von TNF-α-Antagonisten empfohlen. Eine bedingte Empfehlung liegt für Glucocorticoid-Injektionen, DMARD, IL-12/23-Inhibitoren sowie PDE-4-Inhibitoren vor.

Zwischenfazit

Zusammenfassend sollte der Einsatz von TNF-Blockern als First-Line-Therapie (also ohne vorangegangene DMARD-Therapie) erfolgen, wenn eine aktive Enthesitis oder Daktylitis vorliegt, die unzureichend auf NSAR oder lokale Glucocorticoid-Injektionen angesprochen hat. Der Einsatz von TNF-Blockern als First-Line-Therapie kann weiterhin erfolgen, wenn überwiegend eine axiale Beteiligung und ein unzureichendes Ansprechen auf NSAR vorliegen.

Für jede Therapieform sollten im Vorfeld Therapieziele formuliert werden. Im Hinblick auf die PsA sollten diese in einer Linderung der entzündlichen Aktivität, einer Verminderung der radiologischen Progression sowie dem Erhalt einer langfristigen Gelenkfunktion liegen. In die Therapieplanung sollten das Ausmaß der Gelenk- und Hautsymptome, die subjektive Beeinträchtigung des Patienten, durchgeführte Therapien, Begleiterkrankungen und Komedikationen Eingang finden. Die Therapie der PsA ist in erheblichem Maße geprägt von den Erkenntnissen aus der rheumatoiden Arthritis. Für die häufig eingesetzten Präparate (z.B. Methotrexat [MTX]) liegen kaum Studiendaten zum Einsatz bei der PsA vor. Für eine große Zahl an Therapieoptionen (z.B. Sulfasalazin) hat sich nur eine geringe Wirksamkeit gezeigt [31]. Für andere Präparate wie Ciclosporin ist eine Wirksamkeit beschrieben, jedoch liegt in Deutschland für die Indikation der PsA keine Zulassung vor.

Ein großer Teil der Patienten mit PsA hat unter einer ausgeprägten Hautbeteiligung im Rahmen der Psoriasis zu leiden. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Therapie, die sowohl den Hautbefund als auch die Gelenksymptome lindert. Begleiterkrankungen (Komorbidität) beeinflussen ebenfalls die Therapieentscheidung. Besonders gilt dies bei der Berücksichtigung des möglichen Nebenwirkungsprofils einzelner Medikamente, aber auch wenn die antientzündliche Potenz einiger Wirkstoffe für eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos genutzt werden kann.

Behandlungsempfehlungen nach EULAR [24]

Die GRAPPA- und EULAR-Empfehlungen weisen bedeutende Schnittmengen auf (allgemeine Behandlungsempfehlungen; Stellenwert von DMARD und Biologika). Bei den GRAPPA-Empfehlungen können Biologika und PDE4-Hemmer früher zum Einsatz kommen. Die GRAPPA-Empfehlungen [16] schließen die Behandlung von Haut- und Nagelmanifestationen ein, während die EULAR-Empfehlungen auf den Dermatologen verweisen [24].

Die EULAR-Empfehlungen (Infokästen) wurden 2015 letztmalig überarbeitet und die fünf übergeordneten Prinzipien sowie die zehn spezifischen Empfehlungen beibehalten.

Unter Berücksichtigung des Risiko-Nutzen-Profils können zur Linderung muskuloskelettaler Beschwerden zunächst NSAR eingesetzt werden. Liegen bei peripherer Arthritis eine konstante Anzahl schmerzhafter oder geschwollener Gelenke vor oder aber strukturelle oder extraartikuläre Manifestationen, ist der frühzeitige Einsatz konventioneller DMARD in Erwägung zu ziehen mit Präferenz für MTX bei gleichzeitig vorliegender Hautbeteiligung. Begleitend können lokale Glucocorticoid-Injektionen verabreicht werden. Der systemische Einsatz von Glucocorticoiden wird vor dem Hintergrund einer Exazerbation der Psoriasis nach Absetzen der Therapie und dem Nebenwirkungsprofil als kritisch gesehen und in der Dermatologie wenig favorisiert.

Bei Patienten mit peripherer Arthritis und unzureichendem Ansprechen auf ein oder mehrere systemische DMARD sollte eine Therapie mit einem biologischen DMARD (bDMARD) in Erwägung gezogen werden. Hier haben sich die TNF-α-Antagonisten aufgrund ihrer hohen Ansprechraten sowohl auf Gelenke als auch Haut bewährt und sollten daher bevorzugt gegeben werden. Ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit DMARD ist hinreichend belegt. Sollte der Einsatz eines TNF-α-Antagonisten kontraindiziert sein, können der IL-12/23-Inhibitor Ustekinumab oder der mittlerweile zugelassene IL-17-Inhibitor Secukinumab eingesetzt werden. Alternativ kann der Phosphodiesterase-4-Inhibitor Apremilast eingesetzt werden, der sowohl über eine Zulassung für die PsA als auch die Psoriasis verfügt. Liegen als Hauptmanifestation der PsA eine Daktylitis oder eine Enthesitis vor, kann nach erfolglosem Einsatz eines NSAR oder lokaler Glucocorticoid-Injektionen der direkte Einsatz eines Biologikums erfolgen. Insbesondere in der Gruppe der TNF-α-Antagonisten weisen alle Wirkstoffe ein vergleichbares Ansprechen bei vergleichbarem Verträglichkeitsprofil auf. Das gilt auch bei vornehmlich axialer Beteiligung der PsA. Wenn durch ein erstes Biologikum keine ausreichende Entzündungskontrolle zu erreichen ist, kann auch innerhalb der Gruppe auf ein anderes Biologikum gewechselt werden. Daher wurden keine konkreten Empfehlungen für die Reihenfolge der Wirkstoffe ausgesprochen. In dem von der EULAR vorgeschlagenen Therapiealgorithmus wird auch die Option eines Wechsels auf einen PDE-4-Inhibitor eingeräumt. In allen Fällen ist die Kombination mit einem konventionellem synthetischen DMARD möglich. Es ist nach wie vor zu erwarten, dass bei vornehmlicher Gelenkbeteiligung der Einsatz der IL-12/23-Antagonisten sowie des Secukinumab im Therapiealgorithmus zunächst weiter nachrangig erfolgen wird.

EULAR-Empfehlungen [24] Grundprinzipien

  • Psoriasis-Arthritis ist eine heterogene und potenziell schwere Erkrankung, die der multidisziplinären Behandlung bedarf.
  • Rheumatologe und Patient müssen Entscheidungen gemeinsam treffen.
  • Primär sollte sich ein Rheumatologe um die Behandlung der Beschwerden an Muskeln und Gelenken kümmern und bei gleichzeitigem Vorliegen von Hautsymptomen mit einem Dermatologen kooperieren.
  • Oberstes Behandlungsziel ist eine möglichst gute Lebensqualität. Dies lässt sich dadurch erreichen, die Symptome zu kontrollieren, Gelenkschäden zu verhindern, die Funktionalität der Gelenke zu erhalten und die Teilhabe der Patienten am sozialen Leben zu ermöglichen. Die entzündlichen Krankheitsprozesse sollten dabei möglichst vollständig zum Stillstand gebracht werden.
  • Bei regelmäßigen Kontrollen durch den Rheumatologen muss die Therapie den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden.

EULAR-Empfehlungen [24] Spezifische Empfehlungen

  • Zur Linderung der Symptome können (entzündungshemmende und zugleich schmerzlindernde) NSAR eingesetzt werden (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).
  • Vor allem wenn viele Gelenke geschwollen sind, sollte schon in frühen Krankheitsstadien der Einsatz eines (synthetischen) DMARD erwogen werden (z.B. Methotrexat, Sulfasalazin).
  • Bei gleichzeitig vorliegenden Hautsymptomen ist ein Medikament zu bevorzugen, das auch diese verbessert.
  • Bei Psoriasis-Arthritis können zusätzlich lokale Glucocorticoid-Injektionen in das Gelenk erwogen werden. Bei einer in möglichst niedriger Dosierung durchzuführenden oralen Glucocorticoid-Therapie ist Vorsicht geboten.
  • Patienten mit aktiver Erkrankung, die auf mindestens ein synthetisches DMARD wie Methotrexat nicht angesprochen haben, sollten mit einem TNF-α-Hemmer behandelt werden.
  • In Betracht gezogen werden kann die Behandlung mit einem TNF-α-Hemmer auch bei Patienten mit Daktylitis (Entzündung aller Strukturen des Fingers, „Wurstfinger“) und/oder Enthesitis (Entzündung an der Übergangsstelle zwischen Sehne und Knochen), wenn sie auf NSAR oder lokale Glucocorticoid-Injektionen nur unzureichend ansprechen.
  • In Betracht gezogen werden sollte ein TNF-α-Hemmer bei Patienten mit Beteiligung der Wirbelsäule und unzureichendem Ansprechen auf NSAR.
  • Bei Patienten mit sehr starker Krankheitsaktivität kann ein TNF-α-Hemmer in Ausnahmefällen auch sofort eingesetzt werden, ohne zuvor eines der anderen Medikamente auszuprobieren.
  • Spricht ein Patient auf einen bestimmten TNF-α-Hemmer nicht an, kann die Umstellung auf einen anderen TNF-α-Hemmer erwogen werden.
  • Bei jeder Anpassung der Therapie sollte der Arzt eventuell vorliegende Begleiterkrankungen sowie mögliche Nebenwirkungen der Medikamente berücksichtigen.

Arzneimitteltherapie unter Berücksichtigung besonderer Manifestationen der PsA

Periphere Arthritis

Wenn mehr als fünf Gelenke betroffen sind, liegt definitionsgemäß eine polyartikuläre Verlaufsform vor. Diese betrifft häufig die kleinen Gelenke an Händen und Füßen (DIP=distale Interphalangealgelenke). Es können auch größere Gelenke betroffen sein (Knie, Sprunggelenk). Ist nur ein Kniegelenk oder ein Sprunggelenk betroffen, wird von einer Oligoarthritis gesprochen. Initial wird therapeutisch die Gabe von NSAR oder die intraartikuläre Injektion von Glucocorticoiden empfohlen. Keine der beiden Optionen ist bei zusätzlichem Hautbefall ein umfassender Therapieansatz, aber sie können an den Gelenken zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führen. Bei Vorliegen einer Daktylitis oder Enthesitis, in der NSAR keine ausreichen Wirkung zeigen, wird der Einsatz von TNF-α-Antagonisten als First-Line-Therapie empfohlen; das gilt auch für die axiale Manifestationsform. Bei allen anderen PsA-Manifestationen sollte bei akutem Verlauf und fehlendem Ansprechen auf NSAR und fehlenden Kontraindikationen frühzeitig der Einsatz von DMARD (Methotrexat, Sulfasalazin und Leflunomid) erfolgen. Sulfasalazin (0,5–3 g/Tag) zeigt in mehreren Untersuchungen eine mäßige Wirksamkeit bei leichteren Formen der PsA, ohne einen wesentlichen Einfluss auf den Hautbefund. Die Wirksamkeit von MTX ist bei rheumatoider Arthritis gut untersucht und die Daten werden häufig von der RA auf die PsA extrapoliert. Allerdings existieren nur wenige Studien für die Behandlung der PsA [34, 56]. Nach Dekaden klinischer Erfahrung wird die Therapie mit MTX als First-Line-Systemtherapie angesehen und es ist von einer Wirksamkeit an der Haut auszugehen. Ein Teil der Evidenz resultiert aus Studien mit TNF-α-Antagonisten [9]. Mit dem Wirkeintritt ist nach 4 bis 12 Wochen zu rechnen mit einem Maximum bis Woche 16. Die Kombination mit Folsäure (5 mg am Folgetag der MTX-Gabe) hat sich etabliert und wurde beibehalten. Leflunomid ist ebenfalls zur Behandlung der PsA zugelassen und durch Evidenz belegt, zeigt aber ähnlich wie Sulfasalazin keine Wirkung an der Haut [11, 32]. Chloroquin, Gold, Azathioprin und Retinoide konnten sich in der Behandlung der PsA nicht etablieren und werden nicht empfohlen. Ciclosporin ist zur Therapie der schweren Psoriasis zugelassen, zeigt hier eine ausreichend gute Wirksamkeit in der Kurzzeitbehandlung, jedoch ist der Wirkstoff nicht ausdrücklich zur Therapie der PsA empfohlen. Zwei Faktoren limitieren den Einsatz der klassischen DMARD: Das relativ hohe Nebenwirkungspotenzial, das sowohl in der Kurz- als auch in der Langzeitbehandlung deutlich wird, und die zum Teil vorhandenen Endorgantoxizität, die den Einsatz insbesondere bei gleichzeitig bestehender Komorbidität entscheidend einschränkt.

Axiale Arthritis

Für die Behandlung der axialen Arthritis sind zum derzeitigen Stand keine Daten aus RCT verfügbar. Lediglich für die Gruppe der Biologika sind Subgruppenanalysen aus RCT verfügbar, insbesondere zur Behandlung der axialen Spondyloarthritis. Hier zeigte sich eine deutliche Verbesserung des klinischen Befundes unter Therapie mit TNF-α-Antagonisten mit einer signifikanten Reduktion der radiologischen Progression [7, 12, 33, 36]. Für die Biologika-naive axiale PsA erhielten NSAR, Physiotherapie, Analgetika und TNF-α-Inhibitoren eine starke Empfehlung; IL-17-Inhibitoren, SIG-Injektionen mit Glucocorticoiden, Bisphosphonate sowie – weniger stark – IL-12/23-Inhibitoren erhielten eine bedingte Empfehlung. Liegt ein inadäquates Ansprechen auf Biologika vor, werden NSAR, Physiotherapie und Analgetika stark empfohlen; der Wechsel auf ein anderes Biologikum nur bedingt [16, 24].

Daktylitis

Eines der charakteristischen klinischen Merkmale der PsA ist weiterhin der Axialbefall eines Grund-, Mittel- und Endgelenks eines Zehs oder eines Fingers, der sogenannte „Befall im Strahl“ [13]. Davon abzugrenzen ist die Daktylitis, bei der es zu einer als „Wurstfinger“ oder „Wurstzehe“ bezeichneten Schwellung kommt [46]. Pathophysiologisch liegt bei der Daktylitis neben einer Synovitis eine Weichteilentzündung der Sehnen und der Sehnenscheiden vor. Bis zu 50% der PsA-Patienten weisen im Krankheitsverlauf klinische Zeichen einer Daktylitis auf.

Zum Einsatz kommen therapeutisch zunächst NSAID oder lokale Injektionen, die auch in den GRAPPA-Empfehlungen (Tab. 3) Eingang gefunden haben, obwohl es hierzu keine Evidenz gibt. Auch DMARD werden ohne jede Evidenz regelhaft eingesetzt, wobei sowohl Sulfasalazin als auch Leflunomid nicht effektiv sind. Für TNF-α-Antagonisten hingegen zeigt sich eine signifikante Überlegenheit [39]. Ebenso galt Ustekinumab in Post-hoc-Analysen als wirksam [65].

Tab. 3. Therapeutische Wirksamkeit unter Berücksichtigung der Variablen PsA, Psoriasis und Empfehlungen zum Sreening vor Therapiebeginn

Spezifische Therapie der PsA: Wirksamkeit in Bezug auf Manifestation nach GRAPPA

Empfohlenes Screening

Arzneimittel/
Wirkstoff

Wirkansatz

Periphere Arthritis

Axialer Typ

Enthesitis

Daktylitis

Haut

Nägel

Hep.-Serol.

TBC

Rö-Tx

Ciclosporin

Calcineurin-Inhibitor

?

?

?

?

+

+

Nein

Nein

Nein

Leflunomid

Dihydroorotat-Dehydrogenase-Inhibitor

+

0

?

(+)

?

?

Ja

Nein

Nein

Methotrexat

Folsäure-Antagonist

+

0

0

(+)

+

?

Ja

Nein

Ja

Sulfasalazin

Salazosulfapyridin

+

0

?

?

0

0

Nein

Nein

Nein

Apremilast

Phosphodiesterase-4-Inhibitor

+

+

(+)

+

+

Nein

Nein

Nein

Adalimumab

TNF-α-Antagonist

+

+

+

+

+

+

Ja

Ja

Ja

Certolizumab

TNF-α-Antagonist

+

+

+

+

+

+

Ja

Ja

Ja

Etanercept

TNF-α-Antagonist

+

+

+

+

+

+

Ja

Ja

Ja

Infliximab

TNF-α-Antagonist

+

+

+

+

+

+

Ja

Ja

Ja

Ixekizumab

IL-17A-Inhibitor

?

?

?

?

+

+

Ja

Ja

Ja

Secukinumab

IL-17A-Inhibitor

+

+

+

+

+

+

Ja

Ja

Ja

Ustekinumab

IL-12/23 Inhibitor

+

(+)

+

+

+

+

Ja

Ja

Ja

IL: Interleukin; PsA: Psoriasis-Arthritis; TNF: Tumornekrosefaktor; Hep.-Serol.: Hepatitis-Serologie; TBC: Tuberkulose; Rö-Tx: Röntgenaufnahme des Thorax

Enthesitis

Eine Entzündung der Enthesen bezeichnet man als Enthesitis. Als Enthese wird im medizinischen Sprachgebrauch der Bereich bezeichnet, in dem Sehnen, Gelenkkapseln oder Bänder in den Knochen einstrahlen. Enthesen stellen somit eine Übergangszone von den Kollagenfasern der Sehnen und Bänder zum Knochengewebe dar. Insbesondere bei kräftigen Sehnen findet sich in dieser Zone zwischen den Kollagenfasern häufig Faserknorpel, der bei rein fibrösen Enthesen fehlt. Beispiele für faserknorpelhaltige Enthesen sind die Ansätze der Sehnen des Quadrizepsmuskels (Oberschenkelstreckseite) und der Achillessehne. Der Faserknorpel sowie auch zwischen die Kollagenfasern der Übergangszone eingelagerte zuckerreiche Eiweiße (sogenannte Proteoglykane) dienen der Abfederung und Verteilung von einwirkenden Kräften und schützen dadurch das Gelenk. Nach derzeitigem Verständnis gehört die Enthesitis zu den klinischen Varianten der Psoriasis-Arthritis. Daneben wird sie als frühe entzündliche Reaktion aufgefasst, die im Verlauf auch anderer Erkrankungen zu Knochenerosionen und Verknöcherungen im Bereich der Enthese führen kann. Enthesen sind mit propriozeptiven und Schmerzrezeptoren ausgestattet und durch C- und A-delta-Schmerzfasern innerviert. Eine Enthesitis kann sich als Spontanschmerz oder als Druckschmerz der Enthese äußern. Es kann eine gelenknahe Schwellung sichtbar sein und eine Bewegungseinschränkung vorliegen. Enthesitiden verlaufen häufig aber auch ohne Beschwerden und bleiben vom Patienten unbemerkt. Bei der Psoriasis-Arthritis sind der Ansatz der Achillessehne an der Ferse („entzündlicher Fersensporn“) sowie die am Fersenbein ansetzende Sehnenplatte der Fußsohle häufig befallen. Enthesitiden finden sich oft im Bereich der Wirbelsäule und der Gelenke zwischen oberen Rippen und Brustbein sowie Schlüsselbein und Brustbein. In diesem Bereich können bei entsprechendem Befall atemabhängige Schmerzen auftreten. Eine Entzündung einer einzigen Enthese kann alleiniger klinischer Ausdruck einer Psoriasis-Arthritis sein.

Für die Behandlung der Enthesitis stehen sowohl Daten aus randomisierten klinischen Studien wie auch Beobachtungsstudien zur Verfügung, dies jedoch nur für eine begrenzte Gruppe an Arzneimitteln. Die höchste Evidenz gibt es für die Therapie mit Biologika und Apremilast aus randomisierten klinischen Studien, die jedoch keinen Head-to-Head-Vergleich zulassen. Sowohl für die TNF-α-Antagonisten Adalimumab, Certolizumab pegol, Etanercept und Infliximab als auch für den IL-12/23-Inhibitor Ustekinumab, den IL-17A-Antagonisten Secukinumab und den PDE-4-Inhibitor ist eine Wirksamkeit belegt. Für die Gruppe der DMARD Methotrexat, Ciclosporin und Leflunomid ist die Wirksamkeit bei Enthesitis nicht untersucht. Aufgrund der zum Zeitpunkt der GRAPPA- und EULAR-Aktualisierung fehlenden Zulassung von Secukinumab fehlt dieses Arzneimittel in den Empfehlungen.

Ausblick

Daten einer Phase-Ib-Proof-of-Concept-Studie zu dem monoklonalen sowohl gegen IL-17A als auch IL-17F gerichteten Antikörper Bimekizumab machten auf dem EULAR-Kongress 2016 deutlich, dass die Forschung in der Entwicklung immer wirksamerer Therapien weiter voranschreitet [6].

Bei 52 Patienten mit aktiver PsA und zuvor unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein DMARD und/oder ein Biologikum wurde Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von vier i.v. Bimekizumab-Dosierungen (als initiale Aufladungsdosis 80 bis 560 mg in Woche 0, 40 bis 320 mg in Woche 3 und 6; n=38) versus Placebo (n=14) geprüft. Die eingeschlossenen Patienten wiesen zu Studienbeginn einen mittleren SJC66 (Swollen Joint Count) von 12,6 und TJC68 (Tender Joint Count) von 29,6 auf sowie einen CRP-Wert (C-reaktives Protein) von 12,5 mg/l. Der durchschnittliche PASI-Wert (Psoriasis area and severity index) betrug 15,9. Die drei höchsten Bimekizumab-Dosierungen zeigten im Vergleich zu Placebo bereits nach acht Wochen ein frühes und starkes Ansprechen auf Gelenke und Haut (ACR20-Ansprechen bei 80 vs. 17%; PASI-90 bei 87 vs. 0%). Auch weitere Parameter wie der ACR50 (40 vs. 8%), DAS28-CRP (disease activity score 28 – CRP: 3,1 vs. 3,9) und mittlerer PASI (0,2 vs. 14,1) belegten eine starke Wirksamkeit. Nach der letzten Infusion in Woche 6 blieb das Ansprechen bis Woche 20 auf fast gleichem Niveau bestehen bei allgemein guter Verträglichkeit. Auch wenn es noch zu früh ist, um weitergehende Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen, so scheint die kombinierte Blockade von IL-17 A/F die Effekte von Secukinumab sowie den derzeit verfügbaren TNF-α-Antagonisten zu übertreffen.

Fazit

Die Ziele der Behandlung einer aktiven PsA sind die Verbesserung der Symptomatik der Gelenkmanifestationen, der psoriatischen Hautsymptome sowie der Lebensqualität der Patienten. Von besonderer Bedeutung sind eine frühe Diagnose und ein früher Therapiebeginn, um irreversible Erosionen der Gelenke zu verhindern und die langfristige Funktionalität zu erhalten [19]. Daher sind die Symptomkontrolle in Gelenken und Haut, die Verhinderung struktureller Schäden und die Maximierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität durch Normalisierung der Funktion und der Teilhabe am sozialen Leben die wichtigsten Ziele. Erreicht wird dies durch eine erfolgreiche Entzündungskontrolle, im Idealfall mit Erreichen einer Remission. Hierfür ist ein engmaschige Befundkontrolle angezeigt und die Behandlung entsprechend der Symptome und dem Entzündungsstadium anzupassen. Unterstützend zur medikamentösen Therapie kann PsA-Patienten mit Physiotherapie und Patientenschulungen geholfen werden. Die neuen Erkenntnisse zu Epidemiologie, Pathogenese und Therapie der PsA erfordern die erneute intensive Auseinandersetzung von Ärzten unterschiedlichster Fachrichtungen – insbesondere aber der Haus- und Allgemeinärzte sowie der Dermatologen und Rheumatologen – mit diesem Krankheitsbild. Nur die Kenntnis der vielen Facetten dieser Erkrankung macht ihre Diagnose möglich. Dies ist umso wichtiger, als die frühzeitige suffiziente Therapie eine Zerstörung der betroffenen Gelenke verhindern kann.

Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Allergologie
Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Priv.-Dr. med. Marc Alexander Radtke, Facharzt für Dermatologie und Venerologie. 
Leitender Oberarzt am Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Interessenkonflikterklärung

Die Autoren geben die folgenden Firmen als potenzielle Interessenkonflikte an: Abbvie, Almirall, Amgen, Biogen (Biogen Idec), Boehringer Ingelheim, Celgene, Centocor, Eli Lilly, Janssen-Cilag, Leo, Medac, MSD (formerly Essex, Schering-Plough), Mundipharma, Novartis, Pfizer (formerly Wyeth), Pohl Boskamp, Sandoz, Xenoport

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Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Priv.-Doz. Dr. med. Marc Alexander Radtke, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen – IVDP, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg, E-Mail: m.augustin@uke.de

Pharmacotherapy of psoriatic arthritis (PsA)

Treatment of psoriatic arthritis is based on the recommendations of two medical societies: GRAPPA and EULAR. Radiologic progression and inflammation should be reduced to achieve remission. Practitioners have to consider quality of life and comorbidity when selecting therapy. Guidelines recommend NSAID and glucocorticoids for first-line treatment. DMARD (disease modifying antirheumatic drugs) must be considered early, if there many swollen joints; though most of the data was collected in trials with patients suffering from rheumatoid arthritis. Therapy varies by type of PsA (peripheral, axial, dactylitis, enthesitis, skin, nails). Overall TNF-α-inhibitors show the highest evidence.

Key words: Psoriatic arthritis, pharmacotherapy, GRAPPA, EULAR

Arzneimitteltherapie 2017; 35(07)