Kombinationspräparate bei COPD und Asthma


Hält doppelt besser?

Stefan Fischer, Stuttgart

In den letzten Jahren wurden zahlreiche inhalative Kombinationspräparate zugelassen. Selbst für den Facharzt ist es schwer, den Überblick über die Studienlage zu behalten. Fixe Kombinationspräparate werden nur in wenigen Fällen gegen eine kombinierte, aber separate Verabreichung beider Einzelsubstanzen getestet. Oft liegen sogar nur begrenzte Studienergebnisse mit Vergleichen gegen andere etablierte Kombinationstherapien vor. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mehreren Präparaten einen Zusatznutzen attestiert. Aber gegenüber was eigentlich?
Arzneimitteltherapie 2018;36:68–74.

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In den GOLD-Empfehlungen von 2017 wurde die Bedeutung von lang wirkenden Muscarin-Antagonisten (LAMA) und Beta-2-Mimetika (LABA) als primäre Therapieoptionen bei der COPD (chronic obstructive pulmonary disease) gestärkt. Inhalative Glucocorticoide (ICS) sollten erst in schwereren Krankheitsstadien eingesetzt werden. Aber auch hier wird bevorzugt die Kombination aus LABA und LAMA genannt. Erst in späteren Eskalationsstufen wird LABA + ICS bzw. die Dreifachkombination LAMA + LABA + ICS empfohlen [16].

In den internationalen Leitlinien zur Asthmabehandlung [15] werden ebenfalls die Wirkstoffklassen zur Behandlung der einzelnen Krankheitsstufen genannt. Wirkstoffe werden nur bedingt explizit empfohlen.

Im November 2008 kam das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Bericht [17] zu dem Schluss, dass fixe Kombinationen aus Glucocorticoiden und lang wirksamen Beta-2-Mimetika zur inhalativen Anwendung bei Patienten mit Asthma bronchiale keinen nachgewiesenen Vorteil gegenüber den separat verabreichten Einzelkomponenten besitzen. Seitdem wurden allerdings – vor allem auch im Bereich der COPD – zahlreiche weitere Kombinationspräparate zugelassen (Tab. 1, Abb. 1) und Studien durchgeführt.

Abb. 1. In den letzten Jahren zugelassene Inhalationssysteme. Die Abbildungen wurden von den jeweiligen Firmen zur Verfügung gestellt. Urheberrecht: Chiesi (Trimbow®), Teva (Aerivio® Spiromax®), Boehringer Ingelheim (Spiolto® Respimat®), GSK (Anoro® Ellipta®, Relvar® Ellipta®), AstraZeneca (Duaklir® Genuair®), Novartis group of companies (Ultibro® Breezhaler®, 2018, all rights reserved)

Tab. 1. In Deutschland verfügbare Kombinationspräparate (Fortsetzung nächste Seite)

Präparat

Wirkstoffe

Indikationsgebiet

Device

Kosten des Präparats
(Packungsgröße)4

Aerivio® Spiromax®

(Teva)

50 µg Salmeterol (als Salmeterolxinafoat), 500 µg Fluticason-17-propionat2

Asthma/COPD

Pulverinhalator (Spiromax®)

49,10 € (1×60)

Anoro®

(Glaxo Group)

65 µg Umeclidiniumbromid, entsprechend 55 µg Umeclidinium, und 22 µg Vilanterol (als Trifenat)1

COPD

Pulverinhalator

(Ellipta®)

59,02 € (1×30)

Berodual® N

(Boehringer Ingelheim)

20 µg Ipratropiumbromid (als Ipratropiumbromid×1 H2O) und 50 µg Fenoterolhydrobromid2

Asthma/COPD

Dosieraerosol

33,44 € (10 ml)

Berodual® Respimat® (Boehringer Ingelheim)

20 µg Ipratropiumbromid×1 H2O und 50 µg Fenoterolhydrobromid1

Asthma/COPD

Respimat

41,66 € (4,5 ml)

Duaklir® Genuair®

(AstraZeneca)

340 µg Aclidinium (als Aclidiniumbromid) und 11,8 µg Formoterolfumarat-Dihydrat1

COPD

Pulverinhalator

(Genuair®)

75,47 € (1×60)

DuoResp® Spiromax®

(Teva)

Budesonid und Formoterolfumarat-Dihydrat1

160/4,5 µg; 320/9 µg

Asthma/COPD

Pulverinhalator

(Spiromax®)

69,50 € (1×120);
67,50 € (1×60)

Flutiform®

(Mundipharma)

Fluticason-17-propionat und Formoterolfumarat-Dihydrat3

50/5 µg; 125/5 µg; 250/10 µg

Asthma

Dosieraerosol

36,30 €; 45,59 €; 72,46 € (1×120)

Foster NEXThaler®

(Chiesi)

100/200 µg Beclometasondipropionat und 6 µg Formoterolfumarat-Dihydrat2

Asthma/COPD

(hohe Dosierung nur für Asthma)

Pulverinhalator

(NEXThaler®)

58,79 €, 79,90 € (1×120)

Foster®

(Chiesi)

100/200 µg Beclometasondipropionat

und 6 µg Formoterolfumarat-Dihydrat3

Asthma/COPD

Dosieraerosol

58,79 €; 79,90 € (1×120)

Pulmelia®

(Elpen)

Budesonid und Formoterolfumarat-

Dihydrat1

97/5,5; 194/5,5; 380/11 µg

Asthma/COPD

Pulverinhalator

(Elpenhaler®)

61,05 € (2×60)

43,10 € (1×60)

66,90 € (1×60)

Relvar® Ellipta®

(Glaxo Group)

Fluticasonfuroat (92 oder 184 µg), Vilanterol 22 µg (als Trifenat)1

Asthma/COPD

Pulverinhalator

(Ellipta®)

44,08 €; 55,30 € (1×30)

Rolenium®

(Elpen)

50 µg Salmeterol (als Salmeterolxinafoat)

und 250 oder 500 µg Fluticasonpropionat

Asthma/COPD

Pulverinhalator

(Elpenhaler®)

41,98 €; 53,35 € (1×60)

Spiolto® Respimat®

(Boehringer Ingelheim)

2,5 µg Tiotropium (als Tiotropiumbromid ×1 H2O) und 2,5 µg Olodaterol (als Olodaterolhydrochlorid)1

COPD

Respimat

75,47 € (4 ml)

Symbicort® Turbohaler®

(AstraZeneca)

Budesonid und Formoterolhemifumarat ×1H2O1

80/4,5 µg, 160/4,5 µg, 320/9 µg

Asthma/COPD

Pulverinhalator

(Turbohaler®)

61,57 € (1×120); 76,67 € (1×120); 70,58 € (1×60)

Trelegy® Ellipta®

(GlaxoSmithKline)

92 µg Fluticasonfuroat, 55 µg Umeclidinium (als Bromid) und 22 µg Vilanterol (als Trifenat)1

COPD

Pulverinhalator

(Ellipta®)

Noch kein Preis in der Lauer-Taxe5

Trimbow®

(Chiesi)

87 µg Beclometasondipropionat), 5 µg Formoterolfumarat-Dihydrat und 9 µg Glycopyrronium (als Glycopyrroniumbromid)1

COPD

Dosieraerosol

96,72 € (1×120)

Ultibro® Breezhaler®

(Novartis)

85 µg Indacaterol (als Indacaterolmaleat), und 43 µg Glycopyrronium (als Glycopyrroniumbromid)1

COPD

Pulverinhalator

(Breezhaler®)

36,00 € (10 Kapseln)

Viani® Diskus
(mite/normal/forte)
(GlaxoSmithKline)

50 µg Salmeterol

(als Salmeterolxinafoat) und 100, 250 oder

500 µg Fluticasonpropionat2

Asthma/COPD

Pulverinhalator (Diskus®)

34,82 €; 41,98 €; 53,35 € (1×60)

Viani® Dosier-Aerosol

(mite/normal/forte)
(GlaxoSmithKline)

25 µg Salmeterol (als Salmeterolxinafoat)

und 50, 125 oder 250 µg Fluticasonpropionat3

Asthma

Dosieraerosol

37,16 €; 45,59 €; 58,27 € (1×120)

1vom Inhalator abgegeben; 2als Dosis in den Inhalator abgemessen; 3vom Ventil abgegeben; 4Lauer-Taxe (Stand 01.12.17); 5Stand 15.02.18 Die Auflistung umfasst von der Europäischen Kommission zugelassene und in der Roten Liste für Deutschland geführte Präparate. Generika, Me-too-Präparate und Reimporte wurden zur Übersichtlichkeit teilweise gekürzt. COPD: chronic obstructive pulmonary disease

Mittlerweile liegen fünf Nutzenbewertungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu inhalativen Wirkstoffkombinationen vor.

Aerivio® Spiromax® (Salmeterol/Fluticason)

Die Zulassung des Präparats basiert auf den Studien GOAL, TORCH und SMART, in denen Patienten die Wirkstoffkombination aus Salmeterol und Fluticason erhielten, jedoch nicht über den Spiromax®-Inhalator. Die Ergebnisse von GOAL und TORCH basieren auf dem Präparat Viani® mit dem Diskus als Applikator [21].

Anoro® Ellipta® (Umeclidinium/Vilanterol)

Die klinische Wirksamkeit von einmal täglich angewendetem Umeclidinium/Vilanterol wurde in acht klinischen Phase-III-Studien bei 6835 erwachsenen Patienten mit der klinischen Diagnose COPD untersucht. Die Kombination wurde gegen ihre Einzelkomponenten, Placebo und Tiotropium getestet.

In einer 6-monatigen Phase-III-Studie führte Anoro® zu statistisch signifikanten Verbesserungen des FEV1-Talwerts (primärer Endpunkt) in Woche 24 im Vergleich zu Placebo und den Behandlungsarmen mit jeder Monotherapie.

Daneben führte Anoro® in zwei Tiotropium-kontrollierten 6-monatigen Studien zu klinisch bedeutsamen Verbesserungen des FEV1-Talwerts. In einer dritten Studie gegen Tiotropium war der Vorteil nicht signifikant. Im Lauf der Zeit trat keine Abschwächung der bronchodilatatorischen Wirkung ein [6].

In den drei Tiotropium-kontrollierten Studien wurde das Risiko für eine COPD-Exazerbation durch Anoro® in einer Studie um 50% (Hazard-Ratio [HR] 0,5; p=0,044) reduziert und in zwei Studien um 20% und 90% erhöht (HR 1,2; p=0,709 bzw. HR 1,9; p=0,062). Das Design dieser Studien war jedoch nicht spezifisch darauf ausgelegt, die Wirkung der Behandlungen auf COPD-Exazerbationen zu untersuchen.

G-BA-Entscheidung

In den von Anoro® beanspruchten Indikationen wurde kein Zusatznutzen attestiert.

  • Bei mittlerem Schweregrad ergab sich aus Sicht der Behörde für keinen patientenrelevanten Endpunkt (Mortalität, Morbidität, Lebensqualität Nebenwirkungen) ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Umeclidinium/Vilanterol gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Formoterol/Salmeterol und/oder Tiotropium).
  • Für einen höheren Schweregrad lagen keine geeigneten Studien vor [13].

Duaklir® Genuair® (Aclidinium/Formoterol)

Das klinische Entwicklungsprogramm der Phase III schloss etwa 4000 Patienten mit einer klinisch diagnostizierten COPD ein und umfasste zwei 6-monatige randomisierte, Placebo- und aktivkontrollierte Studien (ACLIFORM-COPD [19] und AUGMENT [4]), eine 6-monatige Verlängerungsstudie zur AUGMENT sowie eine weitere 12-monatige randomisierte, kontrollierte Studie. Die Fortsetzung einer Glucocorticoid-Therapie war gestattet.

In der ACLIFORM-COPD-Studie bewirkte Duaklir® Genuair® eine Verbesserung des FEV1 eine Stunde nach Anwendung von 299 ml bzw. 125 ml gegenüber Placebo bzw. Aclidinium (jeweils p<0,0001) sowie eine Verbesserung des Trough-FEV1 von 143 ml bzw. 85 ml gegenüber Placebo bzw. Formoterol (jeweils p<0,0001). In der AUGMENT-Studie waren diese Endpunkte ebenfalls gegenüber den Einzelsubstanzen bzw. Placebo verbessert.

Gepoolte Wirksamkeitsanalysen der zwei 6-monatigen Phase-III-Studien zeigten eine statistisch signifikante Reduzierung der Häufigkeit mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen von 29% für Duaklir® Genuair® im Vergleich zu Placebo (Häufigkeit pro Patient pro Jahr: 0,29 vs. 0,42; p=0,036) [7].

G-BA-Entscheidung

Aus der Reduktion der Exazerbationen und der COPD-Symptome leitete der G-BA für eine bestimmte Subgruppe (<2 Exazerbationen pro Jahr, 30% ≤FEV1<50% Soll) einen Hinweis für einen beträchtlichen Zusatznutzen (vs. Formoterol) ab [10].

Pulmelia® (Formoterol/Budesonid)

Die Zulassung basiert auf Studien zu Beclometason/Formoterol mit bereits zugelassenen Präparaten. Zusätzlich wurden pharmakokinetische Untersuchungen durchgeführt [5].

Relvar® Ellipta® (Fluticason/Vilanterol)

In drei randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studien (HZA106827, HZA106829 und HZA106837) unterschiedlicher Länge wurden die Sicherheit und Wirksamkeit von Fluticasonfuroat/Vilanterol bei erwachsenen und jugendlichen Patienten mit persistierendem Asthma bronchiale untersucht. Alle Patienten hatten vor Studienvisite 1 mindestens 12 Wochen lang ein ICS mit oder ohne LABA angewendet [14].

Die Behandlungsunterschiede beim FEV1-Talwert gegenüber dem Ausgangswert (vor Bronchodilatator-Gabe und vor Medikation) lagen in HZA106829 (184 µg Fluticasonfuroat/22 µg Vilanterol) bei 193 ml (vs. 184 µg Fluticasonfuroat) und 210 ml (vs. 500 µg Fluticasonpropionat 2-mal/Tag); in HZA106827 (92/22 µg) bei 36 ml (vs. 92 µg Fluticasonfuroat, nicht signifikant) und 172 ml (vs. Placebo).

Das klinische Entwicklungsprogramm für COPD umfasste eine 12-wöchige (HZC113107), zwei 6-monatige (HZC112206, HZC112207), zwei einjährige (HZC102970, HZC102871), sowie eine Studie mit einer Dauer über einem Jahr (SUMMIT) [14].

In einer gemeinsamen Analyse der Studien HZC102970 und HZC102871 (92/22 µg) wurde eine verringerte jährliche Rate moderater oder schwerer Exazerbationen gegenüber einer Vilanterol-Monotherapie dokumentiert (Verhältnis 0,73; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,63–0,84, p-Wert <0,001).

In der SUMMIT-Studie zeigte sich keine Verbesserung der Mortalität unter Fluticasonfuroat/Vilanterol gegenüber Placebo [22].

G-BA-Entscheidung

Der Hersteller hat verzichtet, ein Dossier beim G-BA einzureichen.

Spiolto® Respimat® (Tiotropium/Olodaterol)

Das klinische Phase-III-Entwicklungsprogramm für Spiolto® Respimat® umfasste drei randomisierte, doppelblinde Studien.

In zwei 52-wöchigen Studien [3] bewirkte Spiolto® Respimat® (1-mal/Tag morgens) innerhalb von 5 Minuten nach der ersten Dosis eine deutliche Verbesserung der Lungenfunktion im Vergleich zu Tiotropium 5 µg (mittlere Zunahme des FEV1 um 0,137 l; p<0,0001) und zu Olodaterol 5 µg (0,125 l; p=0,16). Der Anteil von Patienten, die mindestens eine mittelschwere/schwere COPD-Exazerbation erlitten, betrug 27,7% unter Spiolto® Respimat® und 28,8% unter Tiotropium 5 µg (p=0,39).

In einer 6-wöchigen Studie wurde unter Spiolto® Respimat® während des gesamten 24-stündigen Dosierungsintervalls eine signifikant größere FEV1-Antwort als bei Tiotropium 5 µg, Olodaterol 5 µg oder Placebo registriert (p<0,0001) [1].

In den 52-wöchigen klinischen Langzeitstudien mit Spiolto® Respimat® war die am häufigsten beobachtete anticholinerge Nebenwirkung Mundtrockenheit, die bei etwa 1,7% der Patienten unter Behandlung mit Spiolto® Respimat®, bei 2,7% der Patienten unter Tiotropium 5 µg und bei 1% der Patienten unter Olodaterol 5 µg auftrat. Insgesamt kam es unter dem Kombinationspräparat nicht häufiger zu unerwünschten Ereignissen als unter den Einzelsubstanzen [1, 3].

G-BA-Entscheidung

Bei einem mittleren COPD-Schweregrad wurde ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen festgestellt. Unerwünschte Ereignisse, die zum Therapieabbruch führten, und die Lebensqualität gegenüber der Vergleichstherapie mit Tiotropium allein waren hier relevant.

Bei höheren Schweregraden mit über zwei Exazerbationen pro Jahr gab es nur noch einen Anhaltspunkt für einen geringen Nutzen [12].

Trelegy® Ellipta® (Fluticason/Umeclidinium/Vilanterol)

Im November 2017 erhielt die Dreifachkombination die Marktzulassung für Europa. Die Wirksamkeit von Trelegy® Ellipta® bei einmal täglicher Anwendung wurde bei Patienten mit klinisch diagnostizierter COPD in einer 24-wöchigen, aktiv kontrollierten Studie untersucht [18].

Die Patienten mussten symptomatisch sein, einen COPD-Assessment-Test(CAT)-Score ≥10 aufweisen und für mindestens drei Monate vor Studieneintritt eine COPD-Erhaltungstherapie angewendet haben. Bei Studieneintritt waren die am häufigsten berichteten COPD-Arzneimittelkombinationen ICS+LABA+LAMA (28%), ICS+LABA (29%), LAMA+LABA (10%) und LAMA (9%).

Einmal täglich angewendetes Trelegy® Ellipta® zeigte im Vergleich zu zweimal täglich angewendetem Budesonid/Formoterol (400/12 µg mit Turbohaler®) eine statistisch signifikante Verbesserung der Lungenfunktion (definiert als die Änderung des FEV1-Talwerts gegenüber dem Ausgangswert in Woche 24; koprimärer Endpunkt). Trelegy® Ellipta® zeigte im Vergleich zu Budesonid/Formoterol eine Reduktion der jährlichen Rate moderater/schwerer Exazerbationen (–35%).

Außerdem stützt sich die Zulassung auf Studien mit separat appliziertem Umeclidinium (zusätzlich zu Fluticason/Vilanterol) und auf Untersuchungen mit Fluticason/Vilanterol [8]. Mittlerweile wurde die Nichtunterlegenheit von Trelegy® Ellipta® gegenüber der offenen Dreifachtherapie (Fluticason/Vilanterol+separates Umeclidinium) belegt [NCT02729051]. Die IMPACT-Studie wird auch den Vergleich versus Umeclidinium/Vilanterol führen [NCT02164513].

Trimbow® (Beclometason/Formoterol/Glycopyrronium

Das klinische Entwicklungsprogramm der Phase III zur COPD umfasste zwei 52-wöchige aktiv kontrollierte Studien.

  • In der Studie TRILOGY [20] wurde Trimbow® verglichen mit einer Fixkombination aus Beclometasondipropionat und Formoterol 100/6 µg (zwei Inhalationen zweimal täglich) (1368 randomisierte Patienten).
  • In der Studie TRINITY [23] wurde Trimbow® verglichen mit Tiotropium 18 µg (eine Inhalation einmal täglich). Zusätzlich wurden die Wirkungen verglichen mit einer freien Dreifachkombination, bestehend aus einer fixen Kombination Beclometasondipropionat und Formoterol 100/6 µg (zwei Inhalationen zweimal täglich) plus Tiotropium 18 µg (eine Inhalation einmal täglich) (2691 randomisierte Patienten).

Beide Studien wurden bei Patienten mit klinischer Diagnose einer COPD mit stark bis sehr stark eingeschränkter Lungenfunktion (FEV1 kleiner als 50% des Normwerts), Symptomen mit einem Score von 10 oder mehr im CAT und mindestens einer COPD-Exazerbation im vorangegangenen Jahr durchgeführt.

Zwischen den Auswirkungen von Trimbow® und denen der freien Dreifachkombination auf Exazerbationsrate und Lungenfunktion wurden keine Unterschiede festgestellt. Im Vergleich zu der Kombination aus Beclometasondipropionat/Formoterol und zur Monotherapie mit Tiotropium erzielte die Trimbow®-Dreifachtherapie bei diesen Parametern erwartungsgemäß bessere Ergebnisse.

Ultibro® Breezhaler® (Indacaterol/Glycopyrronium)

Das klinische Entwicklungsprogramm der Phase III für Ultibro® Breezhaler® umfasste sechs Studien, bei denen insgesamt mehr als 8000 Patienten eingeschlossen waren [9]. Darunter waren

  • eine 64-wöchige aktiv-kontrollierte Studie (vs. Glycopyrronium 1-mal/Tag, vs. nicht verblindetes Tiotropium 1-mal/Tag): Sie umfasste Patienten mit schwerer bis sehr schwerer COPD mit einer Vorgeschichte von ≥1 moderaten oder schweren COPD-Exazerbation im Vorjahr.
  • eine 52-wöchige aktiv-kontrollierte Studie (vs. Fluticason/Salmeterol 2-mal/Tag): Es beteiligten sich Patienten mit moderater bis sehr schwerer COPD mit einer Vorgeschichte von einer oder mehreren moderaten oder schweren COPD-Exazerbationen im Vorjahr (FLAME) [24].

In der 64-wöchigen Studie reduzierte Ultibro® Breezhaler® die Rate der mittelschweren oder schweren COPD-Exazerbationen im Vergleich zur Glycopyrronium-Monotherapie (12%). Beim Vergleich mit Tiotropium war der Unterschied (10%) allerdings bereits nicht mehr signifikant.

In der 52-wöchigen Studie zeigte sich eine signifikante Reduktion moderater oder schwerer Exazerbationen (17%) gegenüber der Kombination Fluticason/Salmeterol. Auch die Inzidenz von Pneumonien war verringert.

G-BA-Entscheidung

Der G-BA stuft das Ausmaß des Zusatznutzens von Indacaterol/Glycopyrronium für die Gesamtpopulation von Patienten mit COPD Stufe II (50% ≤FEV1<80%) und Patienten mit COPD Stufe III (30% ≤FEV1<50%) mit höchstens einer Exazerbation pro Jahr als gering ein. Gegenüber der Vergleichstherapie mit Formoterol plus Tiotropium (QUANTIFY [2]) wurde keine deutliche Verbesserung des therapierelevanten Nutzens, insbesondere keine Abschwächung schwerwiegender Symptome festgestellt [11].

Als Verbesserung wurden die Ergebnisse zu den Endpunkten TDI (transition dyspnea index) und CAT gewertet.

Für schwerere COPD-Stufen gilt der Zusatznutzen als nicht belegt.

Fazit

Die Studienlage ist nicht ausreichend, um die Überlegenheit von Kombinationen gegenüber den einzeln verabreichten Substanzen sicher darzulegen. Ebenso gibt es keine überzeugenden Daten, dass eine bestimmte Kombinationstherapie einer anderen vorzuziehen wäre, sofern sich die Klassen der Wirkstoffe nicht unterscheiden.

Die Studien belegen in vielen Fällen nur die Überlegenheit gegenüber einer Monotherapie. Entsprechend durchwachsen fallen auch die Bewertungen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus: Oft fehlen die Daten, um in der jeweiligen Indikation einen aussagekräftigen Vergleich anstellen zu können. Bei weniger schweren Erkrankungsgraden wird auch eine Monotherapie als Vergleichstherapie anerkannt. In diesen Fällen überrascht es wiederum kaum, dass die Kombinationstherapie potenter ist.

Auch die neuen Dreifachpräparate wurden primär gegen eine Kombination aus Beta-2-Mimetikum und Glucocorticoid getestet statt gegen das wirksamere Duo aus Beta-2-Mimetikum und Muscarin-Antagonist.

Trotzdem ist die Kombination mehrerer Wirkstoffe sicher eine Erleichterung für den Patienten und trägt zur Besserung der Compliance bei. Ein Effekt, der außerhalb der strikten Kontrolle von klinischen Studien sicher relevanter ist.

Auf welcher Basis in der Praxis trotzdem die Auswahl des richtigen inhalativen Präparats erfolgen kann, erläutert Prof. Kroegel im nachfolgenden Beitrag.

Abkürzungsverzeichnis

CAT

COPD-Assessment-Test

COPD

chronic obstructive pulmonary disease

FEV

forciertes exspiratorisches Volumen

G-BA

Gemeinsamer Bundesausschuss

ICS

inhalatives Glucocorticoid

LABA

lang wirkendes Beta-2-Mimetikum

LAMA

lang wirkender Muscarin-Antagonist

TDI

transition dyspnea index

Interessenkonflikterklärung

sf ist Mitarbeiter der Mediengruppe Deutscher Apotheker Verlag.

Literatur

1. Boehringer Ingelheim. Fachinformation Spiolto Respimat. (Stand: Februar 2017).

2. Buhl R, Gessner C, Schuermann W, et al. Efficacy and safety of once-daily QVA149 compared with the free combination of once-daily tiotropium plus twice-daily formoterol in patients with moderate-to-severe COPD (QUANTIFY): a randomised, non-inferiority study. Thorax. 2015;70:311–9.

3. Buhl R, Maltais F, Abrahams R, et al. Tiotropium and olodaterol fixed-dose combination versus mono-components in COPD (GOLD 2–4). Eur Respir J 2015;45:969–79.

4. D’Urzo AD, Rennard SI, Kerwin EM, et al. Efficacy and safety of fixed-dose combinations of aclidinium bromide/formoterol fumarate: the 24-week, randomized, placebo-controlled AUGMENT COPD study Respir Res 2014; doi: 10.1186/s12931–014–0123–0.

5. Elpen. Fachinformation Pulmelia (Stand: Januar 2016).

6. European Medicines Agengy (EMA). Anoro: EPAR – Product Information. www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002751/WC500168424.pdf (Zugriff am 28.12.2017).

7. European Medicines Agengy (EMA). Brimica Genuair: EPAR – Product Information. www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/003969/WC500178254.pdf (Zugriff am 28.12.2017).

8. European Medicines Agengy (EMA). Trelegy Ellipta: EPAR – Product Information. www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/004363/WC500241428.pdf (Zugriff am 02.02.2018).

9. European Medicines Agengy (EMA). Ultibro Breezhaler: EPAR – Product Information. www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002679/WC500151255.pdf (Zugriff am 28.12.2017).

10. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Nutzenbewertung Aclidinium/Formoterol. www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/156/ (Zugriff am 28.12.2017).

11. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Nutzenbewertung Indacaterol/Glycopyrronium. www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/86/ (Zugriff am 28.12.2017).

12. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Nutzenbewertung Tiotropium/Olodaterol. www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/183/ (Zugriff am 28.12.2017).

13. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Nutzenbewertung Umeclidinium/Vilanterol. www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/124/ (Zugriff am 28.12.2017).

14. Glaxo Group Limited. Fachinformation Relvar Ellipta (Stand: September 2017).

15. Global Initiative for Asthma (GINA). http://ginasthma.org/wp-content/uploads/2016/09/WMS-German-Pocket-Guide-GINA-2016–1.pdf (Zugriff am 28.12.2017).

16. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of chronic obstructive pulmonary disease (2017 report). goldcopd.org/gold-2017-global-strategy-diagnosis-management-prevention-copd/ (Zugriff am 28.12.2017).

17. Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG). Pressemeldung vom 04.11.2008 „Asthma-Therapie: Keine Belege für Zusatznutzen der Fixkombinationen“. www.iqwig.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen/asthma-therapie-keine-belege-fur-zusatznutzen-der-fixkombinationen.2349.html (Zugriff am 28.12.2017)

18. Lipson DA, Barnacle H, Birk R, et al. FULFIL Trial: Once-daily triple therapy for patients with chronic obstructive pulmonary disease. Am J Respir Crit Care Med 2017;196:438–46.

19. Singh D, Jones PW, Bateman ED, et al. Efficacy and safety of aclidinium bromide/formoterol fumarate fixed-dose combinations compared with individual components and placebo in patients with COPD (ACLIFORM-COPD): a multicentre, randomised study. BMC Pulm Med 2014; doi: 10.1186/1471–2466–14–178.

20. Singh D, Papi A, Corradi M, et al. Single inhaler triple therapy versus inhaled corticosteroid plus long-acting β2-agonist therapy for chronic obstructive pulmonary disease (TRILOGY): a double-blind, parallel group, randomised controlled trial. Lancet 2016;388:963–73.

21. Teva. Fachinformation Aerivio Spiromax (Stand: Mai 2017).

22. Vestbo J, Anderson JA, Brook RD, et al. Fluticasone furoate and vilanterol and survival in chronic obstructive pulmonary disease with heightened cardiovascular risk (SUMMIT): a double-blind randomised controlled trial. Lancet 2016;387:1817–26.

23. Vestbo J, Papi A, Corradi M, et al. Single inhaler extrafine triple therapy versus long-acting muscarinic antagonist therapy for chronic obstructive pulmonary disease (TRINITY): a double-blind, parallel group, randomised controlled trial. Lancet. 2017;389:1919–29.

24. Wedzicha JA, Banerji D, Chapman KR, et al. Indacaterol-glycopyrronium versus salmeterol-fluticasone for COPD. N Engl J Med. 2016;374:2222–34.

Dr. rer. nat. Stefan Fischer, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, Birkenwaldstraße 44, 70191 Stuttgart, E-Mail: sfischer@dav-medien.de

Inhalation therapy in asthma and COPD: fixed-dose combinations

There is very low evidence that the use of devices combining two or three drugs has an advantage over the application of separate devices. Combinations consisting of the same therapeutic classes seem to have the same therapeutic effect. Or at least no analysis says otherwise. Nevertheless combination therapy might have some benefits for adherence which is not obvious in clinical studies.

Key words: Asthma, COPD, fixed-dose combinations

Arzneimitteltherapie 2018; 36(03):68-74.