Therapie des Morbus Parkinson

Ist Levodopa neuroprotektiv?


Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie bei 455 Patienten mit beginnendem Parkinson-Syndrom zeigte ein früherer therapeutischer Einsatz von Levodopa keinen krankheitsmodulierenden Effekt.

Die Therapie des Morbus Parkinson erfolgte initial entweder mit Levodopa in Kombination mit Carbidopa oder mit Dopaminagonisten. Bisher ist nicht endgültig geklärt, ob Levodopa nur eine symptomatische Wirkung oder auch einen Einfluss auf die Krankheitsprogression hat. Tierexperimentelle Daten hatten widersprüchliche Ergebnisse gezeigt, da Levodopa im Tierversuch in manchen Aspekten neurotoxisch war und in anderen neuroprotektiv. Diese Fragestellung sollte daher jetzt bei Patienten mit beginnender Parkinson-Erkrankung in einer randomisierten Studie in Holland, Deutschland und Kanada untersucht werden.

Studiendesign

Es handelte sich um eine multizentrische, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie, die Patienten mit beginnender Parkinson-Erkrankung einschloss (Tab. 1). Die eine Hälfte der Patienten erhielt bereits initial Levodopa 100 mg 3-mal täglich in Kombination mit Carbidopa 25 mg 3-mal täglich über einen Zeitraum von 80 Wochen. Die zweite Behandlungsgruppe erhielt zunächst 40 Wochen lang Placebo und weitere 40 Wochen die Behandlung. Der primäre Endpunkt der Studie war der Gesamtscore auf der Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS), die von 0 bis 176 reicht und die Beeinträchtigung durch die Krankheit misst.

Tab. 1. Studiendesign

Erkrankung

Morbus Parkinson

Studienziel

Einfluss des Zeitpunkts beim Start einer Levodopa-Behandlung

Studientyp/Design

Doppelblind, verzögerter Start, Placebo-kontrolliert

Patienten

445

Intervention

  • Sofortige Behandlung mit Levodopa + Carbidopa
  • Verzögerte Behandlung mit Levodopa + Carbidopa

Primärer Endpunkt

Gesamtscore auf der Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS)

Studienregisternummer

ISRCTN30518857

Ergebnisse

Insgesamt wurden 445 Patienten in die Studie aufgenommen. 58 % der Patienten waren 65 Jahre alt oder älter und 70 % waren Männer. Der UPDRS-Score bei Beginn der Studie betrug 28,5 Punkte. Die Veränderung im UPDRS-Score zwischen Beginn der Studie und Woche 80 betrug –1 ± 13 Punkte, bei den Patienten, die früh behandelt wurden, und –2 ± 13 Punkte bei den Patienten, die später behandelt wurden. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Die Progression der Symptome der Parkinson-Erkrankung war zwischen den Wochen 4 und 40 ebenfalls nicht unterschiedlich. Weiterhin ergaben sich keine Unterschiede für das Auftreten von Dyskinesien oder motorischen Fluktuationen.

Kommentar

Diese sehr gut durchgeführte Studie zeigt, dass das Levodopa offenbar keinen krankheitsmodifizierenden Einfluss bei der Parkinson-Erkrankung hat. Dies gilt nicht nur für den primären Endpunkt der Studie, sondern auch für die sekundären Endpunkte. Es ergaben sich aber auch keine Hinweise für eine neurotoxische Wirkung, da Dyskinesien und motorische Fluktuationen nach 80 Wochen in beiden Behandlungsgruppen gleich häufig waren. Einschränkend muss angemerkt werden, dass 70 % der Patienten, die initial mit Placebo behandelt wurden, bereits vor der 40. Woche eine Levodopa-Therapie erhielten. Eine daraufhin durchgeführte Per-Protokoll-Analyse ergab aber kein unterschiedliches Ergebnis.

Zusammengefasst zeigt die Studie, dass Levodopa weder neurotoxisch noch neuroprotektiv ist und dass daher nichts dagegen spricht, wenn Patienten mit Einschränkung der körperlichen Funktion oder der Lebensqualität durch die Parkinson-Symptomatik mit einer Levodopa-Therapie beginnen.

Quelle

Verschuur CVM, et al. Randomized delayed-start trial of levodopa in Parkinson’s disease. N Engl J Med 2019;380:315–24.

Arzneimitteltherapie 2019; 37(05):171-187.