Morbus Bechterew

Ixekizumab als Option bei erfolgloser TNF-Inhibitor-Behandlung


Dr. Larissa Tetsch, Maisach

Standardtherapie bei Morbus Bechterew ist die Gabe von nichtsteroidalen antientzündlichen Wirkstoffen sowie TNF-α-Inhibitoren. Spricht diese Therapie nicht an oder weisen Patienten eine Unverträglichkeit gegen die Wirkstoffe auf, können Interleukin-17(IL-17)-Hemmstoffe zum Einsatz kommen. Die vorliegende Studie zeigt erstmals, dass der gegen IL-17 gerichtete Antikörper Ixekizumab bei dieser Patientengruppe wirksam und sicher ist.

Morbus Bechterew ist eine Form der axialen Spondyloarthritis, einem Sammelbegriff für chronische Autoimmunerkrankungen, die hauptsächlich das axiale Skelett, also die Lenden- und Brustwirbelsäule sowie die Kreuz-Darmbeingelenke betreffen. Je nachdem, ob im Röntgenbild bereits Veränderungen an Wirbelsäule und Kreuz-Darmbeingelenken sichtbar sind, unterscheidet man nicht-radiologische und radiologische Krankheitsformen. Morbus Bechterew, auch Spondylitis ankylosans, ist die bekannteste Form der radiologischen axialen Spondyloarthritis. Der Name verweist auf ein entzündliches Geschehen, das sich bei manchen Patienten auf Hand- und Fußgelenke, die Augenhaut und den Darm ausbreiten kann. Die typischen pathologischen Veränderungen an der Wirbelsäule gehen mit starken Rückenschmerzen einher.

Als Standardtherapie kommen nichtsteroidale antientzündliche Wirkstoffe (NSAID) und bei Bedarf TNF-α-Inhibitoren zum Einsatz (z. B. Infliximab). Patienten, bei denen diese Arzneistoffe nicht wirken oder eine Unverträglichkeit vorliegt, sind schwer behandelbar. Eine weitere Behandlungsoption stellen Interleukin-17-Hemmstoffe wie Secukinumab dar. Zum ersten Mal wurde nun in der COAST-W-Studie die Wirksamkeit des hoch-affinen, selektiv gegen IL-17 gerichteten Antikörpers Ixekizumab gezielt in einer mit TNF-Inhibitoren nicht behandelbaren Patientengruppe mit M. Bechterew untersucht.

COAST-W-Studie

COAST-W ist eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte, klinische Phase-III-Studie, an der an 106 Orten in 15 Ländern 316 Patienten teilnahmen (Tab. 1). Die Laufzeit der Studie betrug ein Jahr, mit einer Verlängerungsmöglichkeit für ein weiteres Jahr. Voraussetzungen für die Studienteilnahme waren unter anderem eine hohe Krankheitsaktivität (Ankylosing spondylitis disease activity score > 4) sowie ein erfolgloser Therapieversuch mit mindestens einem und maximal zwei TNF-Inhibitoren (10 % der Patienten wiesen eine Unverträglichkeit gegen die Wirkstoffklasse auf). Die Patienten wurden 1 : 1 : 1 randomisiert auf Placebo, alle zwei Wochen 80 mg Ixekizumab (IXEQ2W) oder alle vier Wochen 80 mg Ixekizumab (IXEQ4W). In beiden Wirkstoffgruppen betrug die Startdosis für jeweils die Hälfte der Patienten 80 mg bzw. 160 mg Ixekizumab. Um die Zugehörigkeit zu den Gruppen zu verschleiern, erhielten alle Patienten alle zwei Wochen eine Injektion. Nach 16 Wochen wechselten die Patienten aus der Placebo-Gruppe bis zum Studienende in die beiden Wirkstoffgruppen. Der primäre Studienendpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 16 Wochen eine 40%ige Verbesserung der Krankheitsaktivität (ASAS40, gemessen anhand des Assessment of SpondyloArthritis international Society) aufwiesen. Zu den sekundären Endpunkten gehörten der ASAS20 sowie eine niedrige Krankheitsaktivität (Ankylosing spondylitis disease activity score < 2,1).

Tab. 1. Studiendesign COAST-W [nach Deodhar et al. 2019]

Erkrankung

Radiologische axiale Spondyloarthritis (M. Bechterew)

Studienziel

Wirksamkeit und Sicherheit von Ixekizumab bei Patienten mit vorhergehender erfolgloser Behandlung mit TNF-Inhibitoren

Studientyp/
-design

Multizentrisch, randomisiert, doppel-verblindet, Placebo-kontrolliert, Interventionsstudie, Phase III

Eingeschlossene Patienten

316

Davon 282 mit Ergebnissen nach 16 Wochen

Intervention

  • 80 mg Ixekizumab alle 2 Wochen (n = 98), davon je eine Hälfte mit Anfangsdosis 80 mg (n = 48) bzw. 160 mg (n = 50)
  • 80 mg Ixekizumab alle 4 Wochen (n = 114) , davon je eine Hälfte mit Anfangsdosis 80 mg (n = 60) bzw. 160 mg (n = 54)
  • Placebo (n = 104)

Primärer Endpunkt

Anteil der Patienten mit 40%iger Verbesserung der Krankheitsaktivität (ASAS40)

Sponsor

Eli Lilly & Co.

Studienregister-Nr.

NCT 02696798 (ClinicalTrials.gov)

Ergebnisse

Bereits nach einer Behandlungswoche zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen der Placebo- und den Wirkstoffgruppen. Nach 16 Wochen war Ixekizumab Placebo sowohl in Bezug auf den primären als auch auf die sekundären Endpunkte deutlich überlegen. So lag der Anteil der Patienten mit ASAS40 in den Gruppen IXEQ2W und IXEQ4W bei 30,6 % (p = 0,003) und 25,4 % (p = 0,017) im Vergleich zu 12,5 % in der Placebo-Gruppe. Die Startdosis hatte dagegen keinen Einfluss auf den primären Studienendpunkt. Ob eine höhere Startdosis zu einem früheren Einsetzen der Wirkung führt, muss noch mit weiteren Studien geklärt werden. Leichte bis mittelschwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen, insbesondere Infektionen der oberen Atemwege und Reaktionen an der Einstichstelle, waren in den Wirkstoffgruppen häufiger als in der Placebo-Gruppe. Schwere Nebenwirkungen waren sehr selten und traten in der Placebo-Gruppe etwas häufiger auf als in den beiden Wirkstoffgruppen.

Fazit der Autoren

Eine Besonderheit der Studie ist, dass die behandelten Patienten zu einer Untergruppe gehören, die eine hohe Krankheitsaktivität aufwies und bereits erfolglos mit mindestens einem TNF-Inhibitor behandelt worden war. Zudem wurden im Verlauf der Studie erstmals MRT-Daten speziell aus diesem Patientenkollektiv gewonnen und mit dem Therapieansprechen korreliert. Der Entzündungsstatus der Wirbelsäule wurde zusätzlich anhand des Spiegels an C-reaktivem Protein überwacht. Die Langzeit-Wirksamkeit und -Verträglichkeit von Ixekizumab wird nun in der zweijährigen Fortsetzungsstudie COAST-Y analysiert.

Quelle

Deodhar A, et al. Efficacy and safety of ixekizumab in the treatment of radiographic axial spondyloarthritis: sixteen-week results from a phase III randomized, double-blind, placebo-controlled trial in patients with prior inadequate response to or intolerance of tumor necrosis factor inhibitors. Arthritis Rheumatol 2019;71:599–611.

Arzneimitteltherapie 2019; 37(07):281-292.