Adipositas

Therapieadhärenz verbessern


Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Auch wenn Adipositas in Deutschland nicht als Krankheit anerkannt ist, benötigen Patienten Unterstützung bei der Umsetzung der medikamentösen und der nichtmedikamentösen Therapie. Auf einer Presseveranstaltung von Novo Nordisk wurde das Patienten-Unterstützungsprogramm Meine Gewichtsreise vorgestellt, das Patienten mit Liraglutid beim Abnehmen helfen soll. Die Veranstaltung fand im Mai 2019 im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin (DGIM) statt.

Das GLP-1-Analogon Liraglutid (Saxenda®) reduziert laut tierexperimentellen Studien das Hungergefühl und verlangsamt die Magenentleerung.

In der Studie SCALE Obesity and Pre-Diabetes erhielten daher adipöse und übergewichtige Personen mit Prädiabetes, Hypertonie oder Dyslipidämie das Antidiabetikum im Rahmen einer Gewichtsreduktion. Die Patienten ernährten sich kalorienreduziert und verstärkten ihre körperliche Aktivität.

SCALE™ Obesity and Pre-Diabetes

Die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie (n = 3731) bestand aus einem Liraglutid- (3 mg/Tag) und einem Placebo-Arm.

Nach 56 Wochen betrug der Gewichtsverlust (= primärer Endpunkt) in der Verum-Gruppe 8 % versus 2,6 % in der Placebo-Gruppe. Nach 160 Wochen konnten Patienten mit Liraglutid einen Gewichtsverlust von 6,2 % verglichen mit 1,8 % unter Placebo erreichen. Patienten, die frühzeitig auf Liraglutid ansprachen, zeigten später die höheren Gewichtsverluste. Außerdem besserte sich der Prädiabetes: nach 56 Wochen bei 69,2 % der Patienten der Liraglutid-Gruppe im Vergleich zu 32 % unter Placebo.

„Meine Gewichtsreise“

Die WHO sowie die amerikanischen und die europäischen Zulassungsbehörden bezeichnen Adipositas als Krankheitsprozess beziehungsweise Gesundheitsrisiko. In Deutschland ist Adipositas gesundheitsrechtlich jedoch nicht als Krankheit anerkannt. Folglich sind medikamentöse Maßnahmen nicht erstattungsfähig und die ambulanten Versorgungsstrukturen in vielen Gegenden unzureichend.

In der ACTION-IO-Studie zeigte sich, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patient beim Thema Übergewicht unzureichend ist. Die Autoren fragten unter anderem nach den Top-5-Gründen, warum man das Thema Übergewicht in einem Arzt-Patienten-Gespräch nicht aufbringt. 71 % der Ärzte gaben an: „weil der Patient nicht an einer Gewichtsreduktion interessiert ist“. Umgekehrt nannten aber nur 7 % der Patienten fehlendes Interesse als Grund.

Eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation wäre sehr wichtig für den Erfolg einer Gewichtsreduktion. Patienten benötigen nicht nur Hinweise zur Ernährung und zum Lebensstil, sondern gegebenenfalls auch über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln zur Gewichtsreduktion.

Inkretin-basierte Therapien haben oft niedrige Adhärenzraten, die man durch intensive Beratung verbessern könnte. Novo Nordisk hat daher ein Patienten-Unterstützungsprogramm entwickelt. Im Rahmen einer Adipositas-Behandlung mit Liraglutid können Patienten Zugang zu www.meinegewichtsreise.de erhalten. Dort bekommen sie Informationen zur Therapie und zu Fragen des Lebensstils Ein SMS-Benachrichtigungsdienst regt an, gesunde Lebensgewohnheiten umzusetzen. Ziel ist es, die Patienten langfristig zu motivieren. Der Patient benötigt bei der Registrierung lediglich die Pharmazentralnummer von seiner Saxenda®-Packung.

Quelle

Marion Rung-Friebe, Prof. Dr. med. Matthias Blüher; Presseveranstaltung „Adipositas-Therapie: Adhärenz im Alltag verbessern“, veranstaltet von Novo Nordisk im Rahmen der Jahrestagung der DGIM 2019, Wiesbaden, 6. Mail 2019.

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Arzneimitteltherapie 2019; 37(07):298-303.