Eisenmangel und Anämie

Welche Patienten können oral behandelt werden?


Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Auf einem Pressegespräch von Norgine wurden die Einsatzmöglichkeiten von Eisen(III)-Maltol vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung fand im Mai 2019 im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin (DGIM) statt.

1,27 Milliarden Menschen der Weltbevölkerung leiden an einer Eisenmangelanämie. Die Erkrankung schränkt nicht nur die Leistungsfähigkeit der Betroffenen ein, sondern kann auch die Sterblichkeit erhöhen. Häufigste Ursache ist ein Blutverlust im Verdauungstrakt, aber auch Erkrankungen mit einer verstärkten Entzündungsreaktion oder Resorptionsstörungen infolge von Magen-Darm-Erkrankungen können zu einer Eisenmangelanämie führen.

Da die ohnehin geringe Resorptionskapazität von Eisen bei vielen Erkrankungen, die mit einer Eisenmangelanämie einhergehen, zusätzlich erniedrigt ist, lässt sich der Mangel durch diätetische Maßnahmen nur selten beheben. Daher ist in vielen Fällen eine Substitutionstherapie angezeigt (Tab. 1).

Tab. 1. Schema zur Ermittlung des Eisenbedarfs

Hb-Wert [g/dl]

Körpergewicht 35 bis < 70 kg

Körpergewicht ≥ 70 kg

Keine Anämie

500 mg

1000 mg

10–12 Frauen

10–13 Männer

1000 mg

1500 mg

7–10

1500 mg

2000 mg

< 7

2000 mg

2500 mg

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Bei vielen chronischen Erkrankungen verbessern sich Prognose und Lebensqualität, wenn Hämoglobin und Eisenspeicher normalisiert werden. Dementsprechend empfehlen dies auch die ECCO-Leitlinien als Ziel einer Eisensubstitution bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) [1].

Durch die schlechte Resorptionsleistung ihres Magen-Darm-Trakts oder Blutungen tritt ein Eisenmangel bei Patienten mit CED häufig auf. Allerdings ist deswegen eine orale Substitutionstherapie mit zweiwertigem Eisen auch wenig effektiv und das nicht resorbierte Eisen kann zu weiteren Krankheitsschüben führen. Eine intravenöse Eisentherapie ist in der Regel gut verträglich, aber aufwendig. Im AEGIS-Studienprogramm untersuchten die Autoren daher, ob orales Eisen(III)-Maltol (Feraccru®) besser wirksam und verträglich ist. Der Komplex beschränkt die Freisetzung von freiem Eisen im Darm und verbessert die Resorption des Eisens.

AEGIS-Studienprogramm bei CED

In zwei identisch angelegten doppelblinden, randomisierten Studien wurden insgesamt 64 Patienten mit CED nach Versagen einer konventionellen oralen Eisentherapie mit Eisen(III)-Maltol (30 mg 2-mal/Tag) behandelt. Weitere 64 Patienten erhielten Placebo. Die Probanden hatten einen leichten oder moderaten Eisenmangel.

Nach 12 Wochen verbesserte sich die Hb-Konzentration um 2,25 g/dl (vs. 0,1 g/dl unter Placebo) [2]. In der offenen Verlängerungsphase erhielt die Placebo-Gruppe ebenfalls Verum und erfuhr eine ähnliche Besserung.

Im Vergleich zu Placebo litten etwas mehr Patienten unter Verstopfung (8,3 vs. 1,7 %) und Blähungen (6,7 vs. 0 %).

Herzinsuffizienz

Selbst ohne manifeste Anämie verdoppelt ein Eisenmangel bei chronischer Herzinsuffizienz (HF) das Mortalitätsrisiko. Eine Anämie erhöht das Risiko weiter [5].

Die ESC-Leitlinien empfehlen bei einer HF mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) eine i. v. Eisentherapie bei einem Serumferritin < 100 µg/l (oder < 300 µg/l bei Transferrinsättigung < 20 %) [6]. Die orale Eisentherapie hat nach den bisherigen Ergebnissen keine ausreichende Wirkung bei Herzinsuffizienz. In der IRONOUT-HF-Studie [4] zeigte eine Substitutionstherapie mit oralem Eisenpolysaccharid zum Beispiel nur eine minimale Wirkung auf die Eisenspeicher.

Niereninsuffizienz

Eine Eisensupplementierung kann bei Patienten mit Hämodialyse die notwendige Erythropoetin-Dosis reduzieren. Das AEGIS-Studienprogramm schloss auch Patienten mit Nierenerkrankung ein.

In einer randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie [3] wurden 167 Probanden mit chronischer Nierenerkrankung im Stadium 3 oder 4 mit Eisen(III)-Maltol behandelt. Nach 16 Wochen besserte sich der Hb-Wert in der Verum-Gruppe im Vergleich zum Studienbeginn um 0,50 g/dl; in der Placebo-Gruppe blieb er gleich (–0,02 g/dl). Eine mögliche Erklärung für den geringen Effekt unter Verum ist, dass Patienten mit relativ hohen Ferritin-Werten zugelassen waren.

Unerwünschte Ereignisse im Gastrointestinaltrakt waren die häufigsten Nebenwirkungen (18 % unter Verum, 7 % unter Placebo). Schwerwiegende Ereignisse waren in beiden Gruppen gleich häufig.

Fazit

Die Zulassung von Feraccru® ist mittlerweile nicht mehr an eine bestimmte Erkrankung gebunden. Die Evidenz ist aber im Bereich der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen am höchsten. Eine Studie, die den Einsatz von Feraccru® mit der intravenösen Eisengabe vergleicht, befindet sich momentan in der Endauswertung.

Quelle

Prof. Joachim Labenz, Siegen, Prof. Dursun Gündüz, Siegen, Prof. Roland Schaefer, Frankfurt am Main; Fachpressegespräch „Niere, Herz und Darm: Ein orales Eisen für alle“, veranstaltet von Norgine im Rahmen der Jahrestagung der DGIM 2019, Wiesbaden, 6. Mail 2019.

Literatur

1. Dignass AU, et al. European consensus on the diagnosis and management of iron deficiency and anaemia in inflammatory bowel diseases. J Crohns Colitis 2015;9:211–22.

2. Gasche C, et al. Ferric maltol is effective in correcting iron deficiency anemia in patients with inflammatory bowel disease: results from a phase-3 clinical trial program. Inflamm Bowel Dis 2015;21:579–88.

3. Kopyt NP, et al. Efficacy and safety of oral ferric maltol (FM) in treating iron-deficiency anemia (IDA) in patients with CKD: randomized controlled trial. American Society of Nephrology (ASN), Kidney Week, 2018, Abstract: FR-OR120.

4. Lewis GD, et al. Effect of oral iron repletion on exercise capacity in patients with heart failure with reduced ejection fraction and iron deficiency: The IRONOUT HF Randomized Clinical Trial. JAMA 2017;317:1958–66.

5. Okonko DO, et al. Disordered iron homeostasis in chronic heart failure: prevalence, predictors, and relation to anemia, exercise capacity, and survival. J Am Coll Cardiol 2011;58:1241–51.

6. Ponikowski P, et al. 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure: The Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC)Developed with the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur Heart J 2016;37:2129–2200.

7. Schmidt C, et al. Ferric maltol therapy for iron deficiency anaemia in patients with inflammatory bowel disease: long-term extension data from a Phase 3 study. Aliment Pharmacol Ther 2016;44:259–70.

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Arzneimitteltherapie 2019; 37(07):298-303.