SARS-CoV-2 und Diabetes


Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Foto: Ferdinando Iannone

Diese Ausgabe der Arzneimitteltherapie hätte auf dem Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ausliegen sollen. Dieser ist jedoch wie alle anderen Kongresse mittlerweile abgesagt. Die Lektüre von Fachliteratur ist kein Ersatz für den Austausch mit Kollegen, doch aktuell eines der wenigen verbleibenden Mittel zur Fortbildung. Ich empfehle Ihnen besonders den Beitrag „Herzinsuffizienz: Antidiabetikum Dapagliflozin verbessert Lebensqualität“ von Frau Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn (Seite 198). Aus meiner Sicht sind die SGLT-2-Inhibitoren eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Insbesondere nachdem sich gezeigt hat, dass das kardiovaskuläre Risiko auch bei Nicht-Diabetikern gesenkt wird.

Die Corona-Krise betrifft aber natürlich nicht nur die Diabetologen, sondern auch ihre Patienten.

Gute Blutzuckereinstellung

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät Patienten mit Diabetes, die allgemein gültigen Empfehlungen zu Hygienemaßnahmen einzuhalten. Dazu gehören die Husten-Nies-Etikette, gründliches Händewaschen und Abstand zu anderen Menschen. Die Hände sollten das Gesicht so wenig wie möglich berühren. Das reicht bereits aus, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren. Eine gute Blutzuckereinstellung müsste das Risiko für Komplikationen einer SARS-CoV-2-Infektion verringern. Diese Aussage der Fachgesellschaft basiert auf Erfahrungen bei Infektionen mit Influenza. Daher sollten Patienten mit Diabetes aktuell noch mehr auf die Einstellung des Blutzuckers achten.

Haben Diabetespatienten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, gehören sie zur Risikogruppe mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe. Sie sollten sich von Menschenansammlungen oder stark frequentierten öffentlichen Verkehrsmitteln fernhalten.

Zu einer Bevorratung mit Antidiabetika über ein Quartal hinaus rät die DDG in ihrer Pressemeldung [1] nicht: Diabetesmedikamente wie Insulin werden vorwiegend in Deutschland, USA, Dänemark, Frankreich, Großbritannien – nicht jedoch China – hergestellt.

Lieferengpässe

In der Vergangenheit gab es immer wieder kritische Stimmen zur ausgelagerten Wirkstoff- und Arzneimittelherstellung. Damit macht sich Europa nicht nur abhängig von China und Indien. Es kann auch leicht zu Versorgungsengpässen kommen, wenn diese Länder in eine Krisensituation geraten. Mittlerweile läuft die Wirtschaft in China wahrscheinlich wieder an, aber Indien fehlen Wirkstoffe für die Arzneimittelproduktion, die zuvor aus China importiert wurden. Außerdem gelten nun Ausgangssperren in Indien selbst.

Wenngleich die Herstellung von Antidiabetika laut Aussage der DDG nicht in diese Länder ausgelagert wurde, muss man sich fragen, wie es weiter geht, nachdem die Pandemie nun Europa und die USA erreicht hat. Trotzdem sollte man sehr zurückhaltend sein und Patienten nicht zu übermäßiger Bevorratung raten. Gerade dadurch könnten Engpässe überhaupt erst entstehen.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Mit Inkrafttreten des „Gesetzes für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung“ am 1. April hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun den gesetzlichen Auftrag und Möglichkeiten erhalten, um gegen Versorgungsengpässe vorzugehen. Mehr zu den Aufgaben des BfArM bei Liefer- und Versorgungsengpässen lesen Sie im Beitrag von Horn & Eibenstein auf Seite 176ff.

Literatur

1. DDG. Pressemeldung „Neues Coronavirus SARS-CoV-2: Kein erhöhtes Infektionsrisiko für gesunde Diabetespatienten – DDG rät zu einer guten Blutzuckereinstellung und empfohlenen Hygienemaßnahmen“ (02.03.20).

Arzneimitteltherapie 2020; 38(05):175-175.