Cluster-Kopfschmerz

Prophylaxe des chronischen Cluster-Kopfschmerzes mit Galcanezumab


Veröffentlicht am: 29.05.2020

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie bei Patienten mit chronischem Cluster-Kopfschmerz war Galcanezumab s. c. einmal pro Monat über drei Monate einer Placebo-Therapie nicht überlegen.

Calcitonin gene related peptide (CGRP) spielt nicht nur in der Pathophysiologie der Migräne eine wichtige Rolle, sondern auch in der Pathophysiologie des Cluster-Kopfschmerzes [2, 3]. Daher werden monoklonale Antikörper gegen CGRP nicht nur zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne, sondern auch zur Prophylaxe des episodischen und des chronischen Cluster-Kopfschmerzes untersucht. Eine erste Studie mit Galcanezumab bei Patienten mit episodischem Cluster-Kopfschmerz zeigte eine signifikante Überlegenheit von Galcanezumab gegenüber Placebo [1] (Kasten).

Studiendesign

Es handelte sich um eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie an Patienten mit chronischem Cluster-Kopfschmerz (Tab. 1). Der chronische Cluster-Kopfschmerz ist definiert als das Auftreten von Clusterattacken über ein Zeitintervall von mehr als einem Jahr ohne kopfschmerzfreie Zeiten oder mit einem nur kurzfristigen kopfschmerzfreien Intervall von weniger als 14 Tagen. Verglichen wurden 300 mg Galcanezumab subkutan einmal monatlich über 12 Wochen mit Placebo-Injektionen. Anschließend erfolgte eine 52-wöchige offene Behandlungsphase. Im Rahmen der Studie durften die Patienten eine vorbestehende präventive medikamentöse Therapie fortführen. Der primäre Endpunkt der Studie war die mittlere Änderung der wöchentlichen Clusterattacken im Vergleich zur Baseline-Periode. Sekundärer Endpunkt war die 50%ige Responderrate.

Tab. 1. Studiendesign [Dodick et al. 2020]

Erkrankung

Chronischer Cluster-Kopfschmerz

Studienziel

Wirksamkeit von Galcanezumab bei chronischem Cluster-Kopfschmerz

Studientyp/Design

Randomisiert, Placebo-kontrolliert, doppelblind, interventionell, Phase III

Patienten

237

Intervention

  • Galcanezumab 300 mg s. c. (n = 117)
  • Placebo (n = 120)

Primärer Endpunkt

Mittlere Änderung der wöchentlichen Clusterattacken im Vergleich zur Baseline-Periode

Sponsor

Eli Lilly

Studienregister-Nr.

NCT 02438826
(ClinicalTrials.gov)

Studienergebnisse

In die Studie wurden 237 Patienten aufgenommen, 120 in die Placebo-Gruppe und 117 in die Galcanezumab-Gruppe. Die Patienten waren im Mittel 45 Jahre alt und 73 % waren Männer. Der chronische Cluster-Kopfschmerz bestand im Mittel seit acht Jahren. Die mittlere Zahl der Clusterattacken pro Woche in der Baseline-Periode betrug 18,5 in der Placebo-Gruppe und 19,2 in der Galcanezumab-Gruppe. Die Schmerzintensität wurde auf einer Skala von 0 bis 3 im Mittel mit 2,7 angegeben.

Die Studie erreichte nicht ihren primären Endpunkt. Die Reduktion der wöchentlichen Attackenfrequenz betrug –5,4 Attacken unter Galcanezumab und –4,6 Attacken unter Placebo. Dieser Unterschied war mit einem p-Wert von 0,334 nicht signifikant. Die 50%-Responderrate betrug 32,6 % unter Galcanezumab und 27,1 % unter Placebo. Als gelegentliche unerwünschte Arzneimittelwirkung wurde ein Erythem an der Injektionsstelle angegeben.

Kommentar

Die hier referierte Studie zeigt ein typisches Problem bei der Durchführung von Studien beim Cluster-Kopfschmerz. In der Studie hatte Placebo einen ganz erheblichen und unerwarteten therapeutischen Effekt. Dieser war so ausgeprägt, dass es nicht mehr möglich war, einen therapeutischen Unterschied zu Galcanezumab zu zeigen. Betrachtet man die Pathophysiologie des Cluster-Kopfschmerzes, würde man erwarten, dass Galcanezumab nicht nur beim episodischen Cluster-Kopfschmerz [1], sondern auch beim chronischen Cluster-Kopfschmerz wirkt. Die Frage ist im Moment aber irrelevant, da die europäische Arzneimittelagentur EMA Galcanezumab die Zulassung zur Prophylaxe des episodischen Cluster-Kopfschmerzes versagt hat. Begründet wurde dies damit, dass die Firma Lilly nur eine und nicht wie gefordert zwei Placebo-kontrollierte Studien eingereicht hatte.

Quelle

Dodick DW, et al. Phase 3 randomized, placebo-controlled study of galcanezumab in patients with chronic cluster headache: Results from 3-month double-blind treatment. Cephalalgia 2020:333102420905321.

Literatur

1. Goadsby PJ, et al. Trial of galcanezumab in prevention of episodic cluster headache. N Engl J Med 2019;381:132–41.

2. Goadsby PJ. Evidence of the involvement of CGRP in migraine and cluster headache: a physiological perspective. In: Poyner D, Marshall I, Brain S (editors). The CGRP Family: Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), Amylin, and Adrenomedullin. Georgetown, Texas: Landes Bioscience, 2000: 159–65.

3. Yuan H, et al. Targeting CGRP for the prevention of migraine and cluster headache: A narrative review. Headache 2019;59(Suppl 2):20–32.

Es stand in der AMT

Galcanezumab zur Therapie des episodischen Cluster-Kopfschmerzes. Arzneimitteltherapie 2019;37:365–6.

Arzneimitteltherapie 2020; 38(06):247-248