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Editorial Priv.-Dov. Dr. med. Petra Lynen Jansen, Berlin und Prof. Dr med. Frank Lammert, Hannover

Spannende Therapieentwicklungen in der Gastroenterologie

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Übersicht Bálint Kovács, Sascha Ständer, Handan Yasak und Diamant Thaçi, Lübeck

Pharmakotherapie der Psoriasis-Arthritis aus dermatologischer Sicht

Die Psoriasis-Arthritis ist diagnostisch und therapeutisch eine häufige interdisziplinäre, dermatologisch-rheumatologische Herausforderung. Sie wird gemäß den CASPAR-Kriterien und je nach Ausprägung durch die Kategorien von Moll & Wright klassifiziert. Neben typischen Laborbefunden (negativer Rheumafaktor und negativer Antikörper gegen zyklische citrullinierte Peptide [anti-zyklisches citrulliniertes Peptid, anti-CCP]) zeigen sich auf der betroffenen Haut erythemato-squamöse Plaques, häufig begleitet von Nagelmatrix- und/oder Nagelbettbefall sowie Gelenkmanifestationen in Form einer asymmetrischen Oligoarthritis, einem axialen Befall, Daktylitis oder Enthesitis. Dies lässt sich durch eine apparative Diagnostik mittels Arthrosonographie, konventionellem Röntgen oder Magnetresonanztomographie objektivieren.
Pathophysiologisch dominiert eine komplexe systemische Entzündungsreaktion mit Tumornekrosefaktor-α, Interleukin-17 und -23. Auch der Januskinase-Entzündungsweg, Sphingosin-1-Phosphat sowie die Phosphodiesterase 4 als intrazelluläre Mechanismen spielen eine wichtige Rolle bei der Entzündungsvermittlung und können therapeutisch inhibiert werden.
In den letzten fünf Jahren kam es in Rahmen der angebrochenen Biologika-Ära zu einer deutlichen Verbesserung der Therapieoptionen bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis. Durch diese neuen zielgerichteten Therapiestrategien ist man den Zielen einer Optimierung der Symptomkontrolle, Verbesserung der Lebensqualität und dem Vorbeugen von strukturellen Schäden merklich nähergekommen. In den aktuellen dermatologischen europäischen Leitlinien wird eine Vielzahl neuer Therapeutika berücksichtigt, und weitere stehen unmittelbar vor einer Zulassung. Aus diesem Grund fassen wir hier den aktuellen Stand der Pharmakotherapie der PsA aus dermatologischem Blickwinkel zusammen.
Arzneimitteltherapie 2021;39:274–87.

English abstract

Pharmacotherapy of psoriatic arthritis from a dermatological perspective

Psoriatic arthritis (PsA) is a common interdisciplinary challenge as well in dermatology and in rheumatology setting from both a diagnostic and therapeutic perspective. It is classified according to the CASPAR criteria and the categories of Moll & Wright. In addition to typical laboratory findings (negative rheumatoid factor and negative anti-CCP), erythemato-squamous plaques often accompanied by nail matrix and/or nail bed involvement as well as joint manifestations in the form of asymmetric oligoarthritis, dactylitis, enthesitis or axial involvement can be found. The apparative diagnostics by means of ultrasound, conventional X-ray or MRI can objectify this.

Pathophysiologically, a complex systemic inflammatory response with TNF-α and interleukin 17 and 23 dominates. The Janus kinase inflammatory pathway as well as phosphodiesterase 4 as intracellular mechanisms also play an important role in inflammation and can thus be inhibited therapeutically.

In the last 5 years, due to the dawn of the biologics era effective treatment options for psoriasis and psoriatic arthritis have increased rapidly. These new targeted therapy strategies have brought us much closer to the goals of optimizing symptom control, improving quality of life, and preventing structural damage. A large number of new therapeutic agents are considered in the current European guidelines and others are about to be approved. For this reason, we summarize here the current status of pharmacotherapy of PsA from a dermatological perspective.

Key words: psoriatic arthritis, biologics, interleukin 17, interleukin 23, tumor necrosis factor alpha, Janus kinase inhibitors, PDE4, DMARD,

Seite 289 -292
Arzneimittel in der Diskussion Larissa Tetsch, Maisach

Risdiplam

Erster oraler Wirkstoff gegen spinale Muskelatrophie

Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine vererbbare, fortschreitende Muskelschwäche. Sie tritt meist in den ersten Lebensmonaten auf und stellt eine der häufigsten genetisch bedingten Todesursachen bei Kleinkindern dar. Ursächlich für die Muskelschwäche ist eine Degeneration der Motoproteine aufgrund eines Mangels an funktionalem SMN-Protein. Seit Mai 2017 ist in Europa mit dem Antisense-Oligonukleotid Nusinersen ein erster Wirkstoff zur Behandlung der SMA zugelassen. Nusinersen wirkt als Spleißmodifikator der SMN2-Prä-mRNA und erhöht dadurch die Menge an intaktem SMN2-Protein, muss aber intrathekal verabreicht werden. Seit dem 25. Februar 2021 ist nun mit Risdiplam ein oraler Wirkstoff mit dem gleichen Wirkungsmechanismus zugelassen. In den Zulassungsstudien für die infantile und die spät einsetzende SMA – FIREFISH und SUNFISH – hatte Risdiplam einen signifikant positiven Einfluss auf die motorischen Fähigkeiten und das erscheinungsfreie Überleben der Probanden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall, Ausschlag, Fieber und Kopfschmerzen, die im Allgemeinen trotz fortgesetzter Behandlung wieder abklangen.
Arzneimitteltherapie 2021;39:289–93.

English abstract

Risdiplam

Spinal muscular atrophy (SMA) is a heritable, progressive disease. Most often, it shows first symptoms within the first months of life. SMA is one of the main causes of infant death. Causative for the muscular atrophy is a degeneration of motor neurons due to a lack of functional SMN protein. Since May 2017, the antisense oligonucleotide Nusinersen is approved in the European Union as the first treatment for SMA. Nusinersen is injected into the liquor, acts by changing splicing of the SMN2 pre-messenger RNA and thereby increases the amount of functional SMN protein. Since 25th of February 2021 Risdiplam is approved in the European Union. It acts in the same way as Nusinersen but is applied orally. In the clinical studies which led to approval for the therapy of patients with infantile and later onset SMA, FIREFISH and SUNFISH, risdiplam had a positive influence on motorical functions and time of event-free survival of the participants. The most frequent adverse reactions were diarrhoea, rash, fever and headache, which generally resolved despite ongoing treatment.

Key words: Risdiplam; spinal muscular atrophy; SMA

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Arzneimittel in der Diskussion Juan Muñoz Rosales, Heike Kölbel, Tim Hagenacker, Ulrike Schara-Schmidt, Essen

Risdiplam

Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2021;39:293–4.

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Klinische Studie Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

Ankylosierende Spondylitis

Wirksamkeit und Sicherheit von Tofacitinib

Die Behandlung der ankylosierenden Spondylitis beruht derzeit auf der pharmakologischen Therapie mit nichtsteroidalen Antiphlogistika und biologischen krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Arzneimitteln sowie Physiotherapie. Auf der Suche nach neuen oralen Arzneimitteln untersuchten die Studienautoren die Wirksamkeit und Sicherheit des Janus-Kinase-Inhibitors Tofacitinib.

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Referiert & kommentiert Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Lupus-Nephritis

Neuer Calcineurin-Inhibitor im Test

Patienten mit Lupus-Nephritis profitieren scheinbar von dem Calcineurin-Inhibitor Voclosporin. In einer Phase-III-Studie erreichten damit mehr Erkrankte ein komplettes renales Ansprechen als mit Placebo.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Dr. Matthias Desch, Kogl, Österreich

Chronische Nierenerkrankung

Vadadustat bei dialysepflichtiger chronischer Nierenerkrankung

Eine durch chronische Nierenerkrankung verursachte Anämie wird standardmäßig mittels parenteraler Applikation von Erythropoietin-Analoga therapiert. Der perorale HIF-Prolylhydroxylase-Inhibitor Vadadustat kann eine Alternative zu Darbepoetin alfa bei dialysepflichtigen Patienten mit chronischer Nierenerkrankung sein.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Dr. Larissa Tetsch, Maisach

Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung

Wirksamkeit von GLP1-Rezeptoragonisten

Die metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung ist eine häufige Begleiterscheinung von Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes und steht in engem Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom. Im schlimmsten Fall kann sie zu einem Leberversagen führen, das eine Transplantation notwendig macht. Eine Metaanalyse zeigt jetzt, dass GLP1-Rezeptoragonisten, die zur Behandlung von Diabetes mellitus zum Einsatz kommen, verschiedene Parameter der Fettlebererkrankung positiv beeinflussen können.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Arzneimittelsicherheit

Akute Leberschädigung bei Einnahme von Paracetamol in therapeutischer Dosis

Mit einem Kommentar des Autors
Eine akute Leberschädigung kann unter therapeutischen Dosen von Paracetamol und unter Überdosierung auftreten. Die Leberschädigung bei Patienten unter therapeutischer Dosierung ist schwerer. Sie tritt aber nur bei übermäßigem Alkoholkonsum und/oder beim Fasten auf. Ärzte sollten Patienten mit diesen Risikofaktoren entsprechend aufklären.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

Helicobacter-pylori-Infektion

Vergleichende Wirksamkeit verschiedener First-Line-Behandlungsschemata – eine Metaanalyse

Zur Behandlung der Helicobacter-pylori-Infektion stehen eine Vielzahl an Doppel-, Dreifach- oder Vierfach-Therapien als empirische Erstlinientherapien zur Verfügung. Es fehlen jedoch vergleichende Daten zur weltweiten und regionalen Wirksamkeit. In der vorliegenden Metaanalyse untersuchten die Autoren die Wirksamkeit aller empirisch angewendeten Erstlinientherapien im Vergleich zur Standard-Dreifach-Therapie.

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Referiert & kommentiert Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Colitis ulcerosa

Sind Biologika bei chronischer, antibiotikarefraktärer Pouchitis wirksam?

Eine Pouchitis ist die häufigste Langzeitkomplikation nach einer ilealen Pouch-Anal-Anastomose bei Patienten mit Colitis ulcerosa und kann eine therapeutische Herausforderung darstellen. Ob Biologika bei chronischer, antibiotikarefraktärer Pouchitis wirksam und sicher sind, versuchten kürzlich Mediziner aus den USA anhand einer Metaanalyse zu bewerten.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Dr. Matthias Desch, Kogl, Österreich

Chronische Autoimmunerkrankungen

Therapeutisches Drug Monitoring unter Infliximab

Daten aus Beobachtungen lassen vermuten, dass niedrige Serumkonzentrationen von Infliximab während der Induktionsphase mit einer geringeren Remissionsrate assoziiert sind. The Norwegian Drug Monitoring Trial (NOR-DRUM) Part A untersuchte, ob durch therapeutisches Drug Monitoring während der Induktionsphase eine höhere Remissionsrate bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen erzielt werden kann.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Migräneprophylaxe

Konsequenzen einer Unterbrechung der Migräneprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern nach einem Jahr

Mit einem Kommentar des Autors
In einer Beobachtungsstudie in der Schweiz nahm bei den meisten Patienten mit häufiger episodischer Migräne oder chronischer Migräne bei Unterbrechung einer erfolgreichen Migräneprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern die Migränehäufigkeit wieder zu. Allerdings erreichte die Migräne nicht mehr die ursprüngliche Häufigkeit.

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Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Small-Fiber-Neuropathie

Intravenöse Immunglobuline bei Patienten mit schmerzhafter idiopathischer Small-Fiber-Neuropathie

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten Studie bei 60 Patienten mit idiopathischer Small-Fiber-Polyneuropathie war eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen nicht wirksam.

Seite 297 -310
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Die randomisierte Phase-III-Studie OPTIMUM

Ponesimod im Vergleich zu Teriflunomid bei Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 1133 Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose (MS) war Ponesimod gegenüber Teriflunomid bei Reduktion der jährlichen Schubrate, Müdigkeit, Krankheitsaktivität in der Magnetresonanztomographie, Hirnvolumen und Hirnvolumenverlust sowie dem Status der Krankheitsaktivität überlegen. Es bestand allerdings kein Unterschied im Behinderungsgrad nach zwei Jahren.

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Notizen Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Olaparib (neues Anwendungsgebiet: Prostatakarzinom, BRCA1/2-Mutationen, Progredienz nach hormoneller Behandlung)

Seit November 2020 ist der PARP-Inhibitor Olaparib auch für Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) zugelassen, wenn eine BRCA1/2-Mutation vorliegt. Nach erneuter Nutzenbewertung ist der Zusatznutzen für diese Patienten beträchtlich.

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Notizen Dipl. oec.-troph. Saskia Fechte, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Upadacitinib bei Psoriasis-Arthritis

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Seite 319 -325
Pressekonferenz Michael Koczorek, Bremen

Systemischer Lupus erythematodes

Belimumab jetzt auch für die Behandlung der Lupusnephritis angezeigt

Belimumab ist seit 2011 für die Zusatztherapie des systemischen Lupus erythematodes (SLE) zugelassen. Der humane monoklonale Antikörper, der sich gegen den B-Lymphozyten-Stimulator (BLyS) richtet, hat seitdem in klinischen Studien und in der Praxis seine Wirksamkeit und Sicherheit zunächst bei Erwachsenen und später auch bei Kindern nachweisen können, wie es im Juni 2021 auf einer von GSK unterstützten Pressekonferenz hieß. Jetzt wurde die Zulassung erweitert: Seit Mai 2021 ist Belimumab in Kombination mit immunsuppressiver Basistherapie auch für die erweiterte Behandlung der aktiven Lupusnephritis (LN) indiziert.

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Pressekonferenz Dr. Maja M. Christ

Atopische Dermatitis

Tralokinumab erweitert das Therapiespektrum als erster spezifischer IL-13-Inhibitor

Im Juni 2021 wurde in Europa der monoklonale Anti-Interleukin-13-Antikörper Tralokinumab für die Behandlung Erwachsener mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis zugelassen. Auf einem von der Firma Leo Pharma veranstalteten Launch-Pressegespräch stellten Experten Studiendaten und Patientenerfahrungen vor.

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Pressekonferenz Dipl. oec.-troph. Saskia Fechte, Stuttgart

Chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion

Erweiterte Zulassung für Empagliflozin

Chronische Herzinsuffizienz trifft weltweit 60 Millionen Menschen und gilt als eine der Haupttodesursachen. Aufgrund der alternden Bevölkerung nimmt die Zahl der Betroffenen in den Industrieländern immer weiter zu. Dabei sind kardiovaskuläre und renale metabolische Erkrankungen häufig miteinander verknüpft. Der SGLT2-Hemmer Empagliflozin, als orales Antidiabetikum etabliert, wurde nun in Europa zur Behandlung von Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) zugelassen. Entsprechende Studienergebnisse stellte die Boehringer Ingelheim und Lilly Allianz in einer Pressekonferenz vor.

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Pressekonferenz Michael Koczorek, Bremen

Schwere Hypoglykämie als Notfall bei Diabetes mellitus

Nasales Glukagon hilft einfach, schnell und effektiv

Schwere Hypoglykämien sind ein gefährliches Problem bei Menschen mit Diabetes, das auch bei guter glykämischer Einstellung und neuester Technologie nicht vollständig verhindert werden kann. Betroffene Patienten und Angehörige sind erheblich beeinträchtigt. Das Risiko für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität ist gesteigert. Auf einer virtuellen Fachpressekonferenz stellten Experten ein im vergangenen Jahr zugelassenes nasales Glukagon für die Behandlung schwerer Hypoglykämien vor, das intramuskulären Formulierungen in der Wirksamkeit ebenbürtig ist – dabei aber die Anwendung erheblich erleichtert.