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Editorial Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg

Paradigmenwechsel bei der Therapie der Herzinsuffizienz

Seite 416 -425
Übersicht Geert Mayer, Schwalmstadt

Grundlagen der Schlafmedizin

Bedeutung für die Pharmakologie

Rund ein Drittel der Bevölkerung leidet zumindest vorübergehend unter Schlafstörungen. Ursachen können organisch, genetisch und idiopathisch sein. Bei einigen Schlafstörungen können Arzneimittel symptomatisch hilfreich sein. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über zugrundeliegende Mechanismen und führt gängige Arzneimittel auf.
Arzneimitteltherapie 2021;39:416–25.

English abstract

Basics of sleep medicine

Sleep disorders temporarily affect a third of the German population. Differential diagnostics are the prerequisites for initiating therapies. The causes of sleep disorders can be organic, genetic, and idiopathic. Medicines can help symptomatically but will not cure sleep disorders. The indication for the therapy of a sleep disorder should always take into account individual sleep-wake processes and needs. When prescribing non-sleep-specific drugs, it should be remembered that they can generally influence the circadian rhythm.

Key words: circadian rhythm, sleep disorders, pitolisant

Seite 427 -432
Übersicht Lena Böhm, Patrick Meybohm, Würzburg

Präoperativer Eisenmangel

Ein immer noch unterschätzter Risikofaktor des PBM

Eisenmangel ist in Industrieländern die häufigste Mangelerkrankung des Menschen [34]. Man schätzt, dass in Europa etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung an Eisenmangel leiden [26]. In den meisten Fällen verursacht ein Eisenmangel zunächst keine spezifischen Symptome. Auf längere Sicht kann er jedoch eine Eisenmangelanämie zur Folge haben. Anämien stellen besonders vor chirurgischen Eingriffen ein Problem dar. Im Mittel sind etwa 50 % der präoperativen Anämien auf Eisenmangel zurückzuführen [6, 27]. Ein unbehandelter Eisenmangel mit oder ohne assoziierte Anämie erhöhen das Risiko für Komplikationen während und nach Operationen [37]. So wurden in diesen Fällen mehrfach längere Krankenhausaufenthalte, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Bluttransfusionen, chirurgische Komplikationen und eine erhöhte Mortalität beobachtet [3, 10, 30]. Viele Studien belegen mittlerweile, dass die Diagnose und Behandlung eines Eisenmangels und einer Eisenmangelanämie vor einer Operation Komplikationen, die während oder nach der Operation auftreten können, signifikant reduzieren. Ein präoperatives Anämie-Management im Zuge des Patient Blood Management (PBM) ist in den meisten deutschen Kliniken jedoch bislang nicht etabliert.
Arzneimitteltherapie 2021;39:427–32.

English abstract

Preoperative iron deficiency – a risk factor that is still underestimated

An untreated preoperative iron deficiency is associated with a higher risk for blood transfusions, perioperative complications, and an increased length of hospital stay. However, several studies show that patients having a high probability of bleeding and blood transfusion are still neither tested nor treated for iron deficiency or iron deficiency anemia. Iron supplementation is a simple strategy to reduce unnecessary blood transfusions. Since several medical societies recommend to treat anemia before surgery, diagnostics and treatment of preoperative iron deficiency should get more attention in our hospitals to maximize the safety of each patient and to minimize the use of blood transfusions.

Key words: iron deficiency, anemia, iron supplementation

Seite 433
Rezension Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Hilfe bei hormonellen Entgleisungen

Seite 434 -438
Arzneimittel in der Diskussion Larissa Tetsch, Maisach

Tralokinumab bei atopischer Dermatitis

Erster Hemmstoff des Typ-2-Zytokins Interleukin 13

Die atopische Dermatitis ist eine chronisch-entzündliche Hautkrankheit, bei der eine überschießende Reaktion von T-Helferzellen vom Typ 2 eine besondere Rolle spielt. Ein Treiber der Entzündungen ist das Typ-2-Zytokin Interleukin (IL) 13. Tralokinumab ist ein vollständig humaner Antikörper, der an IL13 bindet und verhindert, dass dieser mit seinem Rezeptor interagiert. Auf diese Weise werden die nachgeschalteten proinflammatorischen Signalwege unterbrochen. Tralokinumab wurde im Sommer 2021 in Europa für die systemische Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis zugelassen. In den Zulassungsstudien ECZTRA 1 und 2 (Tralokinumab-Monotherapie) sowie ECZTRA 3 (Tralokinumab + topische Begleittherapie) verbesserte der subkutan injizierte Wirkstoff die messbaren Symptome der atopischen Dermatitis im Vergleich zu einem Placebo signifikant. Die positiven Effekte der Therapie ließen sich aufrechterhalten, wenn das Dosisintervall von zwei auf vier Wochen verlängert wurde. Die begleitende Anwendung von topischen Glucocorticoiden bei aktiven Läsionen wirkte sich positiv auf den Erfolg der Tralokinumab-Therapie aus. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Infektionen der oberen Atemwege, Reaktionen an der Einstichstelle und Konjunktivitis.
Arzneimitteltherapie 2021;39:434–8.

English abstract

Tralokinumab for atopic dermatitis

Atopic dermatitis is a chronic inflammatory skin disorder which is characterized by overactive type 2 T helper cells. A key driver of type 2 inflammation is interleukin 13 (IL13). Tralokinumab is a fully human monoclonal antibody that binds IL13 and thereby impedes its binding to the IL13 receptor. As a consequence, proinflammatory downstream signaling is prevented. Since June 2021, Tralokinumab is approved in the European Union as systemic treatment for adult patients with moderate to severe atopic dermatitis. In the approval studies ECZTRA 1 and 2 (tralokinumab monotherapy) as well as ECZTRA 3 (tralokinumab in combination with topical corticosteroids) subcutaneously injected tralokinumab improved all measurable symptoms of atopic dermatitis significantly in comparison to placebo. Positive effects of tralokinumab therapy could be maintained when the dosing frequency was prolonged from two to four weeks. The use of topical glucocorticoids on active skin lesions improved the success of tralokinumab therapy. The most common adverse reactions were infections of the upper respiratory tract, reactions at the injection site and conjunctivitis.

Key words: atopic dermatitis; interleukin 13; tralokinumab

Seite 439 -440
Arzneimittel in der Diskussion Petra Staubach-Renz, Mainz

Tralokinumab

Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2021;39:439–40.

Seite 441 -442
Klinische Studie Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Colitis ulcerosa

Ozanimod auf dem Prüfstand

Der Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulator Ozanimod eignet sich womöglich zur Induktion- und Erhaltungstherapie von Patienten mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa. In der True-North-Studie verbesserten sich durch die Behandlung mehrere Endpunkte im Vergleich zu Placebo.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Saskia Fechte, Stuttgart

Antikoagulation

Erhöhtes Blutungsrisiko mit Kombination aus DOAK und Glucocorticoiden

Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Als Antikoagulanzien sind Arzneimittel aus diversen Substanzgruppen zugelassen, die gelegentlich auch kombiniert verabreicht werden. Assoziationen mit gastrointestinalen Blutungen (GIB) unter oralen Glucocorticoiden sind im Zusammenspiel mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) sowie mit Vitamin-K-Antagonisten bekannt. Analysen zur gleichzeitigen Einnahme von Gerinnungshemmern aus der Gruppe der DOAK (direkt wirkende orale Antikoagulanzien) gibt es nur wenige. In dieser Studie wurde das Blutungsrisiko im Magen-Darm-Trakt bei einer solchen Kombination untersucht. Sowohl Hazard-Ratio als auch absolutes Risiko waren dabei erhöht.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Saskia Fechte, Stuttgart

Hypertonie

Vierfach-Kombination senkt effektiver als Monotherapie

Eine antihypertensive Medikation erfolgt häufig mit nur einem Blutdrucksenker, dabei könnte die Kombination mehrerer Wirkstoffe in vielen Fällen bessere Effekte erzielen. Kann eine einzelne Tablette mit vierfacher Wirkstoffkombination in jeweils niedriger Dosierung das Hypertonie-Management erleichtern und den Behandlungserfolg erhöhen? Das waren die zentralen Fragen der QUARTET-Studie.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Blutdrucksenker zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod in Abhängigkeit vom Alter

Mit einem Kommentar des Autors
Eine pharmakologische Blutdrucksenkung ist bis ins hohe Alter wirksam – ohne dass die relative Risikoreduktion für die Prävention schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse von den systolischen oder diastolischen Blutdruckwerten zum Zeitpunkt der Randomisierung abhängt. Das ergab eine Metaanalyse zum Einfluss des Alters auf den Erfolg einer antihypertensiven Therapie mit Daten von fast 360 000 Teilnehmern. Die pharmakologische Blutdrucksenkung sollte daher unabhängig vom Alter durchgeführt werden.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Atherosklerotisch kardiovaskuläre Erkrankungen

Aggressive lipidsenkende Therapie verringert Risiko für akute arterielle Ereignisse

Patienten mit atherosklerotisch kardiovaskulären Erkrankungen scheinen von einer aggressiven lipidsenkenden Therapie zu profitieren. In einer Post-hoc-Analyse der FOURIER-Studie verringerte die Behandlung mit dem PCSK9-Inhibitor Evolocumab zusätzlich zu einer Therapie mit HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren (Statinen) die Gefahr, ein akutes arterielles Ereignis zu erleiden.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Sonja Zikeli, Stuttgart

Diabetes mellitus

Erhöhtes Progressionsrisiko von Diabetes mellitus unter Statinen

Der Nutzen von HMG-CoA-Reductase-Inhibitoren (Statinen) in der Bekämpfung kardiovaskulärer Erkrankungen ist unbestritten. In einer groß angelegten retrospektiven Kohortenstudie aus den USA wurde der Zusammenhang zwischen der Progression eines Diabetes mellitus und initialer Statin-Therapie untersucht. Das Ergebnis lässt diese hochwirksame Arzneistoffgruppe in einem etwas anderen Licht erscheinen.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Sepsis

Kombination aus Thiamin, Ascorbinsäure und Hydrocortison als „metabolischer Wiederbelebungscocktail“?

Mit einem Kommentar des Autors
Eine Metaanalyse von acht randomisierten Studien zeigt, dass die Verabreichung eines „Cocktails“ zur metabolischen Therapie bei Patienten mit Sepsis auf der Intensivstation den Sequential Organ Failure Assessment Score innerhalb 72 Stunden verbessert. Diese Verbesserung ist jedoch gering und von fraglicher klinischer Relevanz. Der therapeutische Effekt auf Nierenversagen und Sterblichkeit bleibt ungeklärt.

Seite 443 -453
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Primär progressive multiple Sklerose (PPMS)

Hydroxychloroquin zur Therapie der PPMS

Mit einem Kommentar des Autors
In einer offenen Studie mit 35 Patienten mit primär progressiver multipler Sklerose hatte eine Therapie mit Hydroxychloroquin möglicherweise einen positiven Effekt auf die Zunahme der Behinderung. Hydroxychloroquin sollte daher in randomisierten Placebo-kontrollierten klinischen Studien weiter untersucht werden.

Seite 454
Rezension Prof. Dr. Erhard Hiller, München

Für den Internisten von morgen

Seite 455
Notizen Solvejg Langer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Erenumab (Neubewertung)

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