Seite 301 - 302
EditorialDr. Peter Stiefelhagen, Starnberg

Best of ASCO 2022

Seite 303 - 312
ÜbersichtMartin Moser und Dirk Westermann, Freiburg/Bad Krozingen

Duale antithrombotische Therapie in der Kardiologie

Die duale antithrombotische Therapie, also die gleichzeitige Hemmung der Plättchenaggregation und der Gerinnungskaskade, erlebt seit der Einführung der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) eine Renaissance. Seither ist diese Therapie besser steuerbar als zuvor mit Vitamin-K-Antagonisten und nun nicht mehr mit inakzeptablen Blutungskomplikationen vergesellschaftet. Bei Patienten mit zwei Indikationen – jeweils zur Plättchenhemmung und Antikoagulation wie koronare Stentimplantation und Vorhofflimmern – kann nun eine sicherere Therapie durchgeführt werden. Hier ist ein Plättchenhemmer, in der Regel Clopidogrel, in Kombination mit einem DOAK ausreichend. Auf die zusätzliche Gabe von Acetylsalicylsäure kann zugunsten der Blutungsreduktion verzichtet werden. Durch die präzisere Dosierung der DOAK konnten inzwischen auch neue Indikationen wie die stabile atherosklerotische Gefäßerkrankung des Herzens oder der peripheren Gefäße mit erhöhtem Begleitrisiko, die bisher nicht mit einer Gerinnungshemmung behandelt wurden, für die duale antithrombotische Therapie erschlossen werden.
Arzneimitteltherapie 2022;40:303–10.

FlaggeEnglish abstract

Dual antithrombotic therapy in cardiology

Dual antithrombotic therapy (DAT) by concomitant inhibition of platelet aggregation and the coagulation cascade has experienced a revival since DOACs have been introduced into clinical practice. Since then, DAT is no longer accompanied by unacceptably high bleeding rates. For patients who combine the indications for platelet inhibition and plasmatic anticoagulation, e.g. when coronary stent implantation is necessary in the presence of atrial fibrillation, antithrombotic therapy has now become safer. A single platelet inhibitor, usually clopidogrel, in combination with a DOAC is the preferred therapy. Additional aspirin can be omitted in favour of reduced bleeding rates. Meanwhile the more specific and more precise dosing of DOACs allows for the allocation of new indications such as stable high-risk atherosclerosis for reduced dose DAT.

Key words: antithrombotic therapy, platelet inhibition, anticoagulation, coronary heart disease, atrial fibrillation, coronary stent implantation

Seite 313 - 316
Arzneimittel in der DiskussionDr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Enfortumab Vedotin

Antikörper-Wirkstoff-Konjugat zur Therapie des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms

Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom erhalten standardmäßig eine Chemo- oder eine Immuntherapie. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab Vedotin wurde kürzlich zugelassen für erwachsene Pateinten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine Platin-haltige Chemotherapie und einen PD1- oder PD-L1-Inhibitor erhalten haben. In der Zulassungsstudie EV-301 war das Risiko, zu sterben, unter Enfortumab Vedotin gegenüber Chemotherapie um 30 % verringert. Die häufigsten therapiebedingten Nebenwirkungen (≥ 5 %) vom Grad ≥ 3 unter Enfortumab Vedotin waren unter anderem makulopapulöser Hautausschlag, Fatigue und eine verringerte Anzahl an Neutrophilen.
Arzneimitteltherapie 2022;40:313–6.

FlaggeEnglish abstract

Enfortumab Vedotin

Patients with advanced urothelial cancer are routinely treated with chemotherapy or immunotherapy. Enfortumab vedotin, an antibody drug conjugate, was recently approved in the EU for adult patients with locally advanced or metastatic urothelial cancer that were previously treated with a platinum-based chemotherapy and a PD1- or PD-L1-inhibitor. The antibody drug conjugate is composed of a fully human monoclonal antibody specific for nectin-4 and monomethyl auristatin E. The approval is based on the study EV-301. In this study, the risk of death was reduced by 30 % with enfortumab vedotin compared with chemotherapy. Common ≥ grade 3 treatment-related adverse events are maculopapular rash, fatigue and decreased neutrophil count.

Key words: Enfortumab vedotin, urothelial cancer, EV-301, nectin-4, ADC, MMAE

Seite 317
Arzneimittel in der DiskussionClemens Unger, Freiburg

Enfortumab Vedotin

Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2022;40:317.

Seite 318
Klinische StudieMag. pharm. Irene Senn, PhD, Wien

Hydroxychloroquin versus Methotrexat

Kardiovaskuläre Risiken unter antirheumatischer Basistherapie

Eine aktuelle Kohortenstudie aus den USA konnte in Hinblick auf die Kardiotoxizität bei älteren Patienten mit rheumatoider Arthritis keine Unterschiede zwischen den beiden konventionellen, synthetischen DMARDs (Disease-modifying anti-rheumatic drugs) Hydroxychloroquin (HCQ) und Methotrexat (MTX) finden. Ein anderes Ergebnis zeigte sich in der Subgruppe der Patienten mit gleichzeitig vorbestehender Herzinsuffizienz: Hier schnitt HCQ in mehreren Endpunkten schlechter ab als MTX.

Seite 319 - 320
Referiert & kommentiertDr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg

Psoriasis-Arthritis und Axiale Spondyloarthritis

Nicht-Unterlegenheit einer Treat-to-Target-Strategie mit Dosisreduktion von TNF-Inhibitoren

TNF-Inhibitoren zur langfristigen Krankheitskontrolle sind teuer und können Nebenwirkungen haben. Deshalb ist bei stabiler Krankheitsaktivität eine Dosisreduktion sinnvoll. Mit der vorliegenden Studie wurde die Nicht-Unterlegenheit zu einer Therapie ohne Dosisreduktion untersucht.

Seite 320 - 321
Referiert & kommentiertProf. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Sepsis

Hochdosiertes intravenöses Vitamin C bei Erwachsenen auf der Intensivpflegestation

Mit einem Kommentar des Autors
Erwachsenen mit Sepsis, die auf der Intensivstation eine vasopressorische Therapie erhielten, hatten bei Gabe von intravenösem Vitamin C ein höheres Risiko für Tod oder anhaltende Organfunktionsstörungen nach 28 Tagen als Patienten, die Placebo erhielten.

Seite 322 - 323
Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Reutlingen

HER2-niedriges Mammakarzinom

Trastuzumab Deruxtecan als neuer Therapiestandard

Die Therapie mit Trastuzumab Deruxtecan verlängerte bei stark vorbehandelten Frauen mit HER2-niedrigem metastasiertem Mammakarzinom im Vergleich zu einer Chemotherapie nach Wahl des Behandlers das progressionsfreie Überleben (PFS) im Median um 4,8 Monate und das Gesamtüberleben (OS) um 6,6 Monate. Diese Ergebnisse der Phase-III-Studie DESTINY-Breast-04 wurden in der Plenarsitzung beim ASCO Annual Meeting Anfang Juni 2022 in Chicago vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert. Damit steht für diese Patientinnen ein neuer Therapiestandard zur Verfügung.

Seite 324 - 325
Referiert & kommentiertDr. Maja M. Christ, Stuttgart

HER2-positives Mammakarzinom

Welche Therapie für Patientinnen mit Hirnmetastasen?

Entwickeln Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom Hirnmetastasen, stehen – abhängig von den vorangegangenen Therapien – neben einer Bestrahlung verschiedene systemische Behandlungsoptionen zur Verfügung. Doch welche Therapie ist für welche Patientin geeignet? Diese Frage diskutierten Experten auf einem von der Firma Seagen organisierten Symposium im Rahmen des 41. Senologiekongresses am 1. Juli 2022 in Stuttgart.

Seite 325 - 326
Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Rezidiviertes/refraktäres Ewing-Sarkom

Hochdosiertes Ifosfamid als neuer Therapiestandard?

Hoch dosiertes Ifosfamid verlängerte bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Ewing-Sarkom das mediane ereignisfreie Überleben im Vergleich zu Topotecan plus Cyclophosphamid signifikant von 3,7 auf 5,7 Monate. Patienten unter Ifosfamid überlebten insgesamt 16,8 Monate im Median im Vergleich zu 10,4 Monaten unter Topotecan plus Cyclophosphamid. Diese Ergebnisse der Phase-III-Studie rEECur wurden in der Plenarsitzung beim 2022 ASCO Annual Meeting Anfang Juni 2022 in Chicago vorgestellt.

Seite 326 - 327
Referiert & kommentiertDr. Annette Junker, Wermelskirchen

Mantelzelllymphom (MCL) bei älteren Patienten

Mit Ibrutinib länger progressionsfrei leben

In der Phase-III-Studie SHINE konnte durch das Hinzufügen von Ibrutinib zur Chemo-/Immuntherapie aus Bendamustin und Rituximab das mediane progressionsfreie Überleben bei älteren Patienten mit Mantelzelllymphom signifikant verlängert werden. Die Ergebnisse dieser Studie wurden während des amerikanischen Krebskongresses 2022 in Chicago vorgestellt. Gleichzeitig wurden sie im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Seite 328 - 329
Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Neu diagnostiziertes multiples Myelom

DETERMINATION-Studie unterstützt personalisierten Therapieansatz

Jüngere Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom profitieren im progressionsfreien Überleben von einer autologen Stammzelltransplantation (ASCT) zusätzlich zu einer Dreifachtherapie mit Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason gefolgt von einer Lenalidomid-Erhaltungstherapie. Das Gesamtüberleben ist mit oder ohne ASCT ähnlich. Werden die Patienten erst zu einem späteren Zeitpunkt transplantiert, verkürzt das ihre Überlebenschancen nicht im Vergleich zu früher ASCT. Diese Ergebnisse der Phase-III-Studie DETERMINATION wurden in der Plenarsitzung beim 2022 ASCO Annual Meeting Anfang Juni 2022 in Chicago vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert.

Seite 330 - 331
Referiert & kommentiertDr. Annette Junker, Wermelskirchen

Metastasiertes oder inoperables Melanom

Vorteil der Immunkombination in Subgruppenanalysen bestätigt

Während des letzten ASCO-Kongresses 2021 wurden die ersten Ergebnisse der Phase-II/III-Studie RELATIVITY-047 vorgestellt. Es wurde gezeigt, dass die Kombination aus Nivolumab (NIVO) plus Relatlimab (RELA) mit fester Dosis signifikant den primären Endpunkt, nämlich das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu NIVO bei Patienten mit zuvor unbehandeltem metastasierendem oder inoperablem Melanom, verbesserte. Während des ASCO 2022 wurden nun aus dieser Studie die Gesamtansprechraten und außerdem die medianen Gesamtüberlebensdaten von vorgeplanten Subgruppen vorgestellt.

Seite 331 - 332
Referiert & kommentiertDr. Annette Junker, Wermelskirchen

Metastasiertes kolorektales Karzinom (mCRC)

Mit Panitumumab-Kombination länger leben als mit Bevacizumab-Kombination

PARADIGM ist die erste prospektive Studie, in der Überlegenheit von Panitumumab (PAN) gegenüber Bevacizumab (BEV) in Kombination mit einer Standard-Doublet-First-Line-Chemotherapie für Patienten mit RAS WT mCRC und linksseitigen Primärtumoren festgestellt wurde. Ihre Ergebnisse wurden während der Jahrestagung der amerikanischen Onkologen (ASCO) im Sommer 2022 als erstes Abstract in der Plenarsitzung vorgestellt.

Seite 333 - 334
Referiert & kommentiertDr. Annette Junker, Wermelskirchen

Niedrigmalignes Gliom bei Kindern (pLGG)

Dabrafenib plus Trametinib bei BRAF-V600-Mutation hoch effektiv

Die Kombination aus Dabrafenib + Trametinib erwies sich bei pädiatrischen Low-grade-Gliomen mit BRAF-V600-Mutation als deutlich effektiver als eine Chemotherapie aus Carboplatin + Vincristin. Das zeigte sich in der Primäranalyse einer Phase-II-Studie, die als Late Breaking Abstract während der Jahrestagung der amerikanischen Onkologen (ASCO) vorgestellt wurde.

Seite 337 - 338
Seite 339 - 340
PressekonferenzSonja Zikeli, Stuttgart

Sichelzellkrankheit

Voxelotor als weitere Therapieoption

Anlässlich der Markteinführung von Voxelotor stellten Prof. Dr. Holger Cario, Ulm, und Priv.-Doz. Dr. med. Ferras Alashkar, Essen, auf der virtuellen Pressekonferenz von Global Blood Therapeutics (GBT) zulassungsrelevante Daten aus der HOPE-Studie vor und gaben Einblicke in die Hintergründe des hierzulande seltenen Krankheitsbildes.

Seite 341 - 342
PressekonferenzDr. Maja M Christ, Stuttgart

Radioiod-refraktäres differenziertes Schilddrüsenkarzinom (DTC)

Cabozantinib zur Zweitlinientherapie zugelassen

Nach der erfolgten Zulassungserweiterung von Cabozantinib im Frühjahr 2022 steht für Patienten mit Radioiod-refraktärem differenziertem Schilddrüsenkarzinom eine neue Therapieoption zur Verfügung. Auf einer Onlinepressekonferenz stellten Experten im Juni 2022 die Daten der Zulassungsstudie COSMIC-311 vor.

Seite 342 - 343
PressekonferenzUte Ayazpoor, Mainz

Granulomatose-Polyangiitis (GPA) und mikroskopische Polyangiitis (MPA)

GPA und MPA jetzt gezielt behandelbar mit selektivem C5aR-Agonisten

Anfang 2022 wurde in der EU der erste selektive C5aR-Antagonist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schwerer aktiver GPA oder MPA zugelassen. Die Therapie richtet sich gezielt gegen den Krankheitsprozess dieser seltenen inflammatorischen Autoimmunerkrankung, ohne andere Immunreaktionen zu beeinflussen. In Studien führte die C5aR-Antagonisten-kombinierte Therapie zu anhaltenden Remissionen unter Einsparung von Glucocorticoiden.