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Editorial Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Moderne Wegelagerei durch Wissenschaftsverlage

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Übersicht Michael Schultheis, Mainz

Interdisziplinäres Management der Akne inversa

Pharmakologische Therapieoptionen und innovative Behandlungskonzepte

Die Akne inversa ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut, die sich bevorzugt an den intertriginösen Arealen manifestiert und sich in entzündlichen Knoten, Abszessen und Fisteln äußert. Sie betrifft etwa 1 % der Bevölkerung und tritt hauptsächlich bei jungen Menschen auf. Die Krankheit verläuft häufig progressiv und kann zu dauerhaften körperlichen Einschränkungen, Arbeitsunfähigkeit und sozialer Isolation führen [56]. Die aktuelle Versorgung von Akne-inversa-Patienten ist optimierungsbedürftig. Aufgrund der Verwechslungsgefahr mit dem akuten Abszess und der ungeschickten Namensgebung „Akne“ erhalten Patienten im Schnitt erst nach sieben bis neun Jahren eine korrekte Diagnose. In dieser Zeit kann die Progression der Erkrankung bereits irreversible Schäden hinterlassen haben. Komorbidität wie Depression, metabolisches Syndrom oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind nicht selten [3, 11]. Wichtig ist es zu erkennen, dass die adäquate Behandlung dieser komplexen, multifaktoriellen Systemerkrankung eine besondere klinische Expertise, oft von mehreren Fachrichtungen, fordert. Der kurzwegige Transfer des Wissens von Experten/Spezial-Sprechstunden – oft in Kliniken – in den ambulanten Bereich findet derzeit bei diesem Krankheitsbild nur unzureichend und/oder verzögert statt. Die Konsequenz sind Fehldiagnosen, Komorbidität, unnötige Untersuchungen und ineffektive Therapien, die die Progression der Krankheit nicht aufhalten können. Dies führt insbesondere bei Patienten, aber auch bei medizinischem Fachpersonal zu Frustration und Hilflosigkeit [3, 11, 26]. Obwohl die Erkrankung bereits 1839 vom französischen Chirurgen Velpeau beschrieben wurde [49], wurde mehr als die Hälfte der wissenschaftlichen Arbeiten zu Akne inversa in den letzten fünf Jahren publiziert [21]. Noch immer ist die Akne inversa nicht heilbar, doch Weiterentwicklungen in den Therapieoptionen ermöglichen mittlerweile ein Krankheitsmanagement, das die Krankheitslast positiv beeinflusst. Krankheitsaktivität und Lebensqualität der Betroffenen werden dadurch deutlich verbessert [1, 37, 42, 54, 56].
Arzneimitteltherapie 2021;39:60–7.

English abstract

Interdisciplinary care of acne inversa: pharmacotherapy and novel treatment approaches

Acne inversa is a chronic inflammatory disease of the skin that occurs mainly in the intertriginous areas and results in inflammatory nodules, abscesses and fistulas. It affects about 1 % of the population and is found mainly in young people. The disease is often progressive and can lead to permanent physical limitations, inability to work and social isolation [56]. The current treatment of acne inversa patients has to be improved. Acne inversa is often mistaken with an acute abscess and due to the naming “acne”, patients often have a diagnostive delay of 7 to 9 years. During this time the progression of the disease may have already left irreversible damage. Common comorbidity is depression, metabolic syndrome or inflammatory bowel disease [3, 11]. It is important to recognize that the adequate treatment of this complex, multifactorial, systemic disease requires special clinical expertise, often of several disciplines. The transfer of knowledge from experts/specialist – often in clinics – to the outpatient setting is regularly inadequately or delayed. The consequences are misdiagnoses, comorbidity, unnecessary examinations and ineffective therapies that cannot stop the progression of the disease. This leads to frustration, especially among patients but also among medical professionals [3, 11, 26]. While the disease was described as early as 1839 by the French surgeon Velpeau [49], more than half of the scientific papers on acne inversa have been published in the last 5 years [21]. There is still no cure for acne inversa, but advances in treatment options now allow for disease management that has a positive impact on disease burden. Disease activity and quality of life of those affected can be significantly improved [1, 37, 42, 54, 56].

Key words: acne inversa, treatment, pharmacotherapy.

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Rezension Claudia Bruhn, Berlin

Gynäkologie umfassend dargestellt

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Übersicht Balint Bauko, Malte Anders, Holger Neb, Kai Zacharowski und Sebastian Zinn, Frankfurt am Main

COVID-19: Intensivpflichtige Patienten

Aktuelle medikamentöse Strategien

Seit 2020 stellt COVID-19 Pflegekräfte und Ärzte vor eine neue Situation – eine unbekannte, potenziell tödliche Erkrankung ohne klinischen Erfahrungsschatz bezüglich Pathogenese, Krankheitsstadien und Verlauf. Sie betrifft die Menschen weltweit und verlangt nach einer Therapie – und das in kürzester Zeit. Natürlich sollen Wirksamkeit und Verträglichkeit gegeben sein. Das stellt eine Herausforderung für Kliniker und Wissenschaftler dar. Zahlreiche Ansätze werden verfolgt und teils wieder verworfen. Innerhalb eines Jahres wurde zwischen Klinikern und Forschern weltweit eine unglaubliche Menge an Informationen ausgetauscht. Bis dato fehlt es allerdings noch an kausalen Therapieansätzen. Im intensivmedizinischen Bereich stehen nach wie vor die Optimierung der Pharmakotherapie und Symptomkontrolle im Vordergrund. Die wichtigsten pharmakologischen Optionen der intensivmedizinischen Therapie stellen vor allem das Gerinnungsmanagement und die Inflammationskontrolle dar.
Seit dem Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie im Jahr 2019 wurden weltweit mehr als 84 043 276 (Stand 01.01.2021) Infizierte registriert, davon endeten mehr als 1 828 893 Fälle tödlich [17]. 8 % der aufgrund von COVID-19 hospitalisierten Patienten waren in Deutschland am Anfang des Jahres 2021 intensivbehandlungspflichtig. Unter den intensivbehandlungspflichtigen Patienten betrug die Sterblichkeit im Mittel 26 % [28]. In Deutschland wird im Frühjahr eine Sterblichkeit bei beatmeten Patienten mit 53 % und bei zusätzlicher Dialysepflichtigkeit bis 72 % berichtet [40].
Zu den von der zweiten Welle am schwersten getroffenen Regionen der Welt zählt auch Europa. Parallel mit den steigenden Fallzahlen nimmt vor allem die Erfahrung der behandelnden Pflegekräfte und Ärzte zu, die Zahl der zur Verfügung stehenden Therapieoptionen ist aber nach wie vor limitiert. In diesem Artikel möchten wir ein umfassendes Bild über die aktuellen medikamentösen Strategien geben, die im Rahmen der Intensivbehandlung von COVID-19-Patienten eingesetzt werden können.
Zunächst geben wir einen allgemeinen Überblick über die Eigenschaften des SARS-CoV-2 und die Pathophysiologie der von SARS-CoV-2 ausgelösten COVID-19. Danach werden wir die Strukturen sowie die pathophysiologischen Mechanismen beleuchten, die als Ziel verschiedener Therapieoptionen dienen können.
Arzneimitteltherapie 2021;39:70–80.

English abstract

COVID-19: Intensive care patients – current pharmacological strategies

A causal pharmacotherapeutic approach for COVID-19 is still lacking. Numerous repurposing approaches have so far failed to provide satisfactory results in larger prospective randomized trials.

At its core, symptom control is the only pharmacological option, in addition to numerous nonpharmacological interventions ranging from abdominal positioning to extracorporeal membrane oxygenation. The main pharmacological pillars here are anticoagulation and anti-(hyper)inflammatory therapy with dexamethasone.

What becomes clear in this situation is how much clinical therapy benefits from current, qualitative scientific basis, but also how much scientific answers to open questions depend on the experience of clinicians. Many findings for treatment optimization will only be established over time. All the more impressive is the rapid progress in some areas, but also the need to regularly question treatment concepts and answer open questions through high-quality clinical studies.

Key words: COVID-19, SARS-CoV-2, anticoagulation, dexamethasone, Remdesivir

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Klinische Studie Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

SELECT PsA 2

Upadacitinib bei Biologika-resistenter Psoriasis- Arthritis

Trotz Biologika erreichen viele Patienten mit Psoriasis-Arthritis keine ausreichende Reduktion ihrer Krankheitsaktivität. In der vorliegenden Studie untersuchten die Studienautoren, ob Upadacitinib in dieser Situation eine wirksame und sichere Option darstellt.

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Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Vergiftung mit Phosphorsäureester

Eine Zusammenfassung der Kasuistik im Fall Nawalny

Die russischen Ärzte hatten eine Vergiftung ausgeschlossen. Später wiesen Labore der Bundeswehr einen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe in Nawalnys Blut nach. Nun haben die deutschen Ärzte und Labormediziner, die an der Behandlung Nawalnys beteiligt waren, eine ausführliche Kasuistik im Journal The Lancet veröffentlicht.

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Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Die Dex-CSDH-Studie

Dexamethason beim chronisch subduralen Hämatom

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Erwachsenen mit symptomatischen, chronischen, subduralen Hämatomen, von denen die meisten operativ entfernt wurden, verbesserte die Behandlung mit Dexamethason in einer Placebo-kontrollierten Studie nicht die Prognose.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Epilepsie

Verlauf der Epilepsie während der Schwangerschaft

Mit einem Kommentar des Autors
In einer Registerstudie war bei einem Viertel der Patientinnen mit Epilepsie während der Schwangerschaft die Anfallsfrequenz höher als im Zeitraum nach der Schwangerschaft. Das gleiche ergab sich für nichtschwangere Kontrollpatientinnen bei Betrachtung entsprechender Zeiträume. Bei Dreiviertel der Patientinnen wurde während der Schwangerschaft die antikonvulsive Therapie angepasst. Unter den Kontrollen war dies bei 31 % der Fall.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Erhöhen Biologika während der Schwangerschaft das kindliche Infektionsrisiko?

Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) haben unter Biologika-Therapie ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Ob dieses Risiko während einer Schwangerschaft auch für das ungeborene Kind besteht, wurde kürzlich anhand einer Metaanalyse untersucht.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

Rheumatoide Arthritis im Anfangsstadium

Aktive konventionelle Behandlung versus drei verschiedene Biologicals

In der frühen Phase der rheumatoiden Arthritis kommen im Allgemeinen konventionelle, synthetische Wirkstoffe zum Einsatz. In der vorliegenden Phase-IV-Studie untersuchten die Studienautoren, ob der Einsatz von Biologika in dieser frühen Phase sinnvoll sein kann.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Rheumatoide Arthritis

Gleichzeitige Einnahme oraler Glucocorticoide und Protonenpumpenhemmer kann Risiko für Osteoporose-bedingte Frakturen erhöhen

Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und einem Osteoporose-bedingten Frakturrisiko sollte eine gleichzeitige Anwendung von oralen Glucocorticoiden und Protonenpumpenhemmern kritisch überdacht werden. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer kürzlich publizierten Kohortenstudie.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Onkologie

Vergleich zweier Therapieprotokolle beim Endometriumkarzinom

Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Clemens Unger, Freiburg
Beim fortgeschrittenen oder rezidivierten Endometriumkarzinom ist eine Kombination aus Paclitaxel und Carboplatin der Gabe von Paclitaxel, Doxorubicin und Cisplatin nicht unterlegen. Unter der Zweierkombination wurden weniger Toxizitäten und eine höhere Lebensqualität verzeichnet. So das Ergebnis einer aktuellen Phase-III-Studie.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Erwachsene mit schwerer und mittelschwerer Hämophilie B

Wirksamkeit und Sicherheit der Gentherapie mit Etranacogen Dezaparvovec bestätigt

Eine Gentherapie mit Etranacogen Dezaparvovec erhöht erheblich die Produktion des gerinnungsfördernden Proteins Faktor IX. Bei den meisten Patienten konnten intensive Infusionstherapien eingestellt werden. Das zeigte die erste Phase-III-Studie (HOPE-B) bei Patienten mit Hämophilie B. Die ersten Ergebnisse nach 26 Wochen wurden während des amerikanischen Hämatologiekongresses (ASH) als Late-Breaking-Abstract vorgestellt.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Chronische Graft-versus-Host-Erkrankung (cGVHD)

Überlegene Wirksamkeit von Ruxolitinib

Bei Patienten mit Glucocorticoid-refraktärer chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung (cGVHD) zeigt der orale JAK1/2-Hemmer Ruxolitinib im Vergleich zur besten verfügbaren Therapie nach Wahl des Arztes eine überlegene Wirksamkeit, gemessen durch eine höhere Gesamtansprechrate, ein längeres rückfallfreies Überleben und eine stärkere Symptomverbesserung. Das zeigte sich in der REACH-3-Studie, deren initiale Ergebnisse während des amerikanischen Hämatologie-Kongresses vorgestellt wurden.

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Pressekonferenz Dr. Miriam Neuenfeldt, Stralsund

FIDELIO-DKD-Studie

Neuer Therapieansatz bei chronischer Nierenerkrankung und Typ-2-Diabetes

Der erste nichtsteroidale, selektive Mineralocorticoid-Rezeptorantagonist Finerenon kann gezielt Entzündung und Fibrose in den Nieren verlangsamen. Die kürzlich veröffentlichte Phase-III-Studie FIDELIO-DKD zu Finerenon wurde im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt. Die Studienergebnisse zeigen signifikante klinische Verbesserungen hinsichtlich nierenspezifischer und kardiovaskulärer Endpunkte bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) und Typ-2-Diabetes (T2D).

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Pressekonferenz Sabine M. Rüdesheim, Frechen

Antiepileptische Zusatztherapie bei Kindern ab vier Jahren

Reduktion der Anfallfrequenz unter Perampanel

Perampanel weist als Zusatztherapie auch bei Kindern im Alter von vier bis < 12 Jahren hohe Responderraten bei breiter Wirksamkeit unter Erhaltung der kognitiven Fähigkeiten auf. Die hohe Effektivität und gute Verträglichkeit hat sich im klinischen Alltag bestätigt, so das Resümee eines Ende 2020 von der Firma Eisai veranstalteten Online-Symposiums.