Neue Arzneimittel in der DiskussionJürgen Rockstroh, Bonn, und Annemarie Musch, Stuttgart

Darunavir

Proteasehemmer für mehrfach vorbehandelte Patienten mit HIV-Infektion

Mit Darunavir (Prezista®) steht ein neuer Proteasehemmer zur Behandlung von antiretroviral therapieerfahrenen HIV-Patienten zur Verfügung, der in Zulassungsstudien eine beachtliche antivirale Aktivität aufgewiesen hat. Bei gut der Hälfte der Patienten, die mit Proteasehemmern, nucleosidischen und nicht nucleosidischen Reverse-Transcriptase-Hemmern (NRTI/NNRTI) vorbehandelt waren, konnte unter der Kombination von Darunavir mit weiteren aktiven antiretroviralen Substanzen dauerhaft eine Reduktion der Virusmenge im Blut unter die Nachweisgrenze erreicht werden. Dies hat im Bereich der Behandlung von vorbehandelten HIV-Patienten große Hoffnung erweckt, dass auch nach verschiedensten Vortherapien eine erneute komplette Virussuppression möglich ist und auch unbedingt das Ziel jeder Therapie werden sollte.
Darunavir wurde im Februar 2007 von der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA zur Therapie von Patienten mit HIV-Infektion, die auf die antiretrovirale Behandlung zuvor mehrfach nicht angesprochen hatten, zugelassen. Die bislang vorliegenden Studienergebnisse und die Bedeutung neuer Therapiealternativen werden in dieser Übersicht zusammengefasst.
Arzneimitteltherapie 2007;25:322–7.

ÜbersichtAxel Schlitt, Sebastian Schubert, Ursula Müller-Werdan, Karl Werdan und Michael Buerke, Halle/Saale

Gerinnungshemmung bei akutem Koronarsyndrom

Moderne und etablierte Konzepte

Die aktuellen Leitlinien empfehlen bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom ein frühes interventionelles Vorgehen flankiert von einer antithrombotischen Therapie, die Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, Heparine sowie Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten beinhaltet. Der vorliegende Beitrag diskutiert die Möglichkeiten einer medikamentösen Therapie mit modernen (Fondaparinux, Bivalirudin) und klassischen (unfraktioniertes Heparin, niedermolekulares Heparin) Antikoagulanzien beim akuten Koronarsyndrom.
Arzneimitteltherapie 2007;25:330–7.

FlaggeEnglish abstract

Antithrombotic therapy in acute coronary syndrome

Current guidelines for patients with acute coronary syndromes recommend an early invasive approach with concomitant antithrombotic therapy, including aspirin, clopidogrel, unfractionated or low-molecular-weight heparin, and glycoprotein IIb/IIIa inhibitors. This review article summarizes the concepts of anti-thrombotic treatment by new (fondaparinux, bivalirudin, etc.) and established (unfractionated heparin, low molecular weight heparin, etc.) anticoagulants in the setting of acute coronary syndrome.

Keywords: Acute coronary syndrome, antithrombotic therapy

PharmakovigilanzMarcus Rall, Silke Reddersen, Eric Stricker, Jörg Zieger und Peter Dieckmann, Tübingen

Unzureichend beschriftete NaCl-0,9%-Infusionsflasche mit hochpotentem Wirkstoff

Nicht bemerkte Weiterverwendung als NaCl 0,9 % zur Verdünnung zahlreicher Notfall- und Routinemedikamente

Fragen aus der PraxisBirgit Schindler, Freiburg, Dr. Birgit Schindler, Freiburg

Erfahren Patienten von Behandlungsfehlern?

In einer repräsentativen Befragung von Ärzten in den USA und Kanada wurde untersucht, wie Ärzte ihre Patienten über offensichtliche und weniger offensichtliche Behandlungsfehler informieren und welchen Einfluss Faktoren wie mögliche Schadensersatzforderungen und das medizinische Fachgebiet der Ärzte haben.
Wie viel wird den Patienten mitgeteilt?

Klinische StudieBettina Martini, Memmingen

Langzeitergebnisse mit beschichteten Stents

Fünf neue Studien

In jüngster Zeit führten Studiendaten zu der Sorge, dass die ImplantationArzneimittel-beschichteter Stents im Vergleich zu gewöhnlichen Metall-Stents mit einem erhöhten Risiko für späte Stentthrombosen und möglicherweise sogar mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert ist. Dies war Anlass für das New England Journal of Medicine, im März dieses Jahres gleich fünf Studien zu dem Thema zu veröffentlichen, die nachfolgend zusammengefasst sind.

Referiert & kommentiertDr. Birgit Schindler, Freiburg

ST-Hebungsinfarkt

Kein Überlebensvorteil durch Gabe von Pexelizumab zusätzlich zu PCI

Pexelizumab, ein humanisiertes, monoklonales Antikörperfragment, das die Aktivierung des körpereigenen Komplementsystems hemmt, weckte in ersten Studien Hoffnungen auf eine wirksame Ergänzung der Therapie bei Herzinfarkt. Diese Hoffnungen wurden nun in einer großen Studie enttäuscht. Allerdings war die Sterblichkeit in dieser Studie auch bei Gabe von Plazebo gering, wodurch die statistische Trennschärfe der Studie verringert wurde.

Referiert & kommentiertsh

Doripenem

Carbapenem mit breitem Wirkungsspektrum

Doripenem ist ein parenteral applizierbares Carbapenem-Antibiotikum, das ein breites Wirkungsspektrum hat und das zur Behandlung komplizierter Harnwegsinfektionen, komplizierter intraabdominaler Infektionen und der nosokomialen Pneumonie geeignet sein könnte. Bei der Behandlung nosokomial erworbener Atemwegsinfektionen wird die Wirksamkeit einer 4-h-Infusion getestet.

Referiert & kommentiertDr. Birgit Schindler, Freiburg

HER2-positiver Brustkrebs

Standardchemotherapie kombiniert mit zielgerichteter Therapie

Bei Patientinnen mit HER2-positivem, Trastuzumab-resistentem Mammakarzinom ist eine zielgerichtete Therapie mit dem oral verabreichten Tyrosinkinase-Inhibitor Lapatinib (geplanter Handelsname Tykerb®) in Kombination mit Capecitabin (Xeloda®) einer Capecitabin-Monotherapie überlegen. Eine randomisierte Phase-III-Studie wurde nach der Zwischenanalyse abgebrochen, weil die Kombination Lapatinib/Capecitabin das Tumorwachstum signifikant besser verzögerte als die Capecitabin-Monotherapie.

Referiert & kommentiertBettina Martini, Memmingen

Schwere Depressionen

Erhöhtes Suizidrisiko bei Venlafaxin-Therapie?

Eine retrospektive Kohortenstudie ergab signifikant mehr Suizide und Suizidversuche bei der Therapie mit Venlafaxin im Vergleich zu Citalopram, Fluoxetin oder Dosulepin. Allerdings wurden die schwerer depressiven Patienten mit Venlafaxin behandelt, so dass die Daten schwierig zu beurteilen sind.

Referiert & kommentiertsh

Antithrombotika

Blutungsrisiko bei perkutaner Koronarintervention

Blutungen sind bei perkutanen Koronarinterventionen eine der bedeutsamsten Komplikationen. Die Inzidenz ist unter anderem direkt vom gewählten antikoagulatorischen Therapieregime abhängig. Der Thrombininhibitor Bivalirudin (Angiox®) führte im Vergleich zu bisherigen Standardregimen zu einer Reduktion von Blutungen nach Koronarinterventionen. Daten hierzu wurden bei einem von der Firma Nycomed veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im April 2007 in Mannheim vorgestellt.

Referiert & kommentiertsh

Liposomales Amphotericin B

Behandlung schwerer Pilzinfektionen

Die Epidemiologie invasiver Pilzinfektionen ist derzeit deutlichen Änderungen unterworfen. Neue Spezies treten als Krankheitserreger in den Vordergrund und Resistenzen gegen verfügbare Antimykotika können besser erkannt werden. Bei den invasiven Aspergillosen ist nach Untersuchungen von Pfaller ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Möglicherweise hängt dies mit der Verfügbarkeit neuer Antimykotika zusammen, die besser gegen Aspergillen wirken. Die klinisch wichtigsten opportunistischen Mykosen in Europa werden durch Aspergillen und Candida ausgelöst. Therapeutische Möglichkeiten wurden im Rahmen eines von der Firma Gilead veranstalteten Satellitensymposiums beim 17. ECCMID/25. ICC Anfang April 2007 in München diskutiert.

Referiert & kommentiertDr. Annemarie Musch, Stuttgart

HIV/AIDS

Integrasehemmer Raltegravir – Sprunginnovation in greifbarer Nähe?

Die Gabe des Integrasehemmers Raltegravir zusätzlich zu einer optimierten antiretroviralen Hintergrundtherapie führte zu einem deutlich besseren Therapieergebnis als die optimierte Hintergrundtherapie plus Plazebo: Mehr als 70 % der intensiv vorbehandelten HIV-Infizierten, die Resistenzen akkumuliert hatten, verglichen mit etwa 40 % erreichten nach 16 Wochen eine Reduktion der Virusmenge unter die Nachweisgrenze von < 400 Kopien/ml. Weiterhin stieg die CD4-Zellzahl deutlicher. Diese Ergebnisse einer ersten Zwischenanalyse von zwei Phase-III-Studien wurden auf einem von MSD veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 3. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses am 28. Juni 2007 in Frankfurt präsentiert.

Referiert & kommentiertsh

Haifischknorpel-Extrakt

Kein Effekt bei Bronchialkarzinom

Haifischknorpel-Extrakt bessert bei Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom, die mit Chemotherapie und Bestrahlung behandelt wurden, die Überlebensrate nicht. Dies ergab eine große, multizentrische Phase-III-Studie.