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Editorial Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Prävention und Therapie des Schlaganfalls

Eine Erfolgsgeschichte in der Medizin

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Übersicht Hans-Christoph Diener, Essen, und Christian Gerloff, Hamburg

Neues in der Prophylaxe und Therapie des Schlaganfalls

In der Primärprävention des Schlaganfalls sind Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D nicht wirksam. Das gilt auch für den Einsatz von Acetylsalicylsäure (ASS) in der Primärprävention. ASS führt auch zu einer höheren Zahl an Blutungskomplikationen als Placebo. Die rasche Senkung erhöher Blutdruckwerte ist beim akuten ischämischen Schlaganfall nicht notwendig. Die systemische Thrombolyse kann bei ausgewählten Patienten und funktioneller Bildgebung des Gehirns in einem Zeitfenster von bis zu neun Stunden eingesetzt werden. Bei Patienten mit Verschlüssen der distalen Arteria carotis interna oder der proximalen Arteria cerebri media ist die mechanische Thrombektomie in einem Zeitfenster von 24 Stunden hoch wirksam. Bei Patienten mit symptomatischen Stenosen der Arteria vertebralis ist eine optimale konservative Therapie dem Stenting überlegen. Bei Patienten unter 60 Jahren mit offenem Foramen ovale (PFO) und kryptogenem Schlaganfall ist der interventionelle Verschluss des PFO wirksamer als eine antithrombotische Therapie. Bei Patienten mit Hochrisiko-TIA (transitorische ischämische Attacke) oder leichtem Schlaganfall ist eine duale Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel für 12 bis 21 Tage einer Monotherapie mit ASS überlegen. Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) sind in der Sekundärpärvention von embolischen Schlaganfällen ungeklärter Ätiologie („embolic stroke of unknown source“, ESUS) nicht wirksamer als ASS. Zerebrale Mikroblutungen in der Kernspintomographie sind Prädiktoren für ischämische Insulte und zerebrale Blutungen. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Levodopa sind in der neurologischen Rehablitation nicht besser wirksam als Placebo.
Arzneimitteltherapie 2019;37:439–47.

English abstract

Prevention and treatment of stroke – new studies

Omega-3 fatty acids and vitamin D are not effective in the primary prevention of stroke. This also applies to the use of acetylsalicylic acid (ASA) in primary prevention. Furthermore, ASA leads to a higher number of bleeding complications than placebo. Rapid reduction of elevated blood pressure is not necessary in acute ischemic stroke. The time window for systemic thrombolysis can be extended in selected patients and with functional imaging of the brain to a time window of up to 9 hours. In patients with occlusions of the distal carotid artery or the proximal middle cerebral artery, mechanical thrombectomy is highly effective in a 24-hour time window. In patients with symptomatic stenosis of the vertebral artery, best medical treatment is superior to stenting. In patients with patent open foramen ovale (PFO) and cryptogenic stroke aged below 60 years, interventional occlusion of the PFO is more effective than antithrombotic therapy. In patients with high risk TIA (transient ischemic attack) or mild stroke, dual antiplatelet therapy with ASA plus clopidogrel for 12 to 21 days is superior to monotherapy with ASA. Direct oral anticoagulants (DOACs) are not more effective than ASA in the secondary prevention of embolic strokes of undetermined source (ESUS). Cerebral microbleeds in magnetic resonance imaging are predictors of ischemic stroke and cerebral bleeding. Selective serotonin reuptake inhibitors and L-Dopa are not more effective than placebo in neurological rehabilitation.

Key words: anticoagulation, aspirin, cryptogenic stroke, hypertension, microbleeds, patent foramen ovale, platelet inhibition, primary prevention, secondary prevention, stroke, thrombolysis, vitamin D

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Klinische Studie Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Prävention der Migräne

Fremanezumab bei dokumentiertem Therapieversagen von zwei bis vier verschiedenen Klassen von Migräneprophylaktika

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Parallelgruppenstudie war Fremanezumab bei Patienten mit episodischer und chronischer Migräne mit Versagen der vorausgegangenen medikamentösen Migräneprophylaxe bezüglich der mittleren Zahl der Migränetage pro Monat über 12 Wochen signifikant wirksamer als Placebo.

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Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Zerebrale Sinus- und Venenthrombosen

Sicherheit und Wirksamkeit von Dabigatran im Vergleich zu Warfarin

Mit einem Kommentar des Autors
In einer kleinen Sicherheitsstudie war Dabigatran 2-mal 150 mg täglich bei der Behandlung der zerebralen Sinus- und Venenthrombose genau so sicher wie eine Therapie mit dosisadjustiertem Warfarin.

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Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Muskelkrankheiten

Therapie der Einschlusskörperchenmyositis mit dem Myostatinhemmer Bimagrumab

Mit einem Kommentar des Autors
Bimagrumab ist in der Therapie der Einschlusskörperchenmyositis nicht wirksam.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Depressionen bei Patienten mit Epilepsie

Behandlung mit Sertralin oder kognitiver Verhaltenstherapie?

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten Studie an 140 erwachsenen Patienten mit Epilepsie und einer komorbiden Depression wurde entweder der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Sertralin oder eine kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt. Nach 16 Wochen war es unter beiden Therapien bei der Hälfte der Patienten zu einer signifikanten Besserung der Depression gekommen. Sertralin erhöhte nicht die Anfallsfrequenz.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Psoriasis-Arthritis

Lebensqualität verbessern

Patienten mit aktiver Psoriasis leiden unter einer deutlichen Einschränkung ihrer Lebensqualität. Die Datenlage zur Therapie ist an vielen Stellen dünn und Empfehlungen basieren auch auf Ergebnissen aus der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Insbesondere direkte Vergleichsstudien sind selten. Eine aktuelle klinische Studie und eine Metanalyse geben Hinweise, welche Arzneimittel den Patienten zu einem normaleren Leben verhelfen könnten.

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Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Epilepsie

Kongenitales Missbildungsrisiko bei pränataler Exposition von zehn Antiepileptika

Mit einem Kommentar des Autors
Eine umfangreiche Kohortenstudie auf der Basis französischer Krankenversicherungsdaten belegt, bezogen auf 23 spezifische Fehlbildungen, erneut das hohe Missbildungsrisiko von Valproinsäure bei Einnahme in der Frühschwangerschaft. Für die anderen betrachteten Antiepileptika gab es nur wenige Sicherheitssignale.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Simone Reisdorf, Erfurt

Periodische Fiebersyndrome

Rasche und anhaltende Besserung mit Canakinumab

Um seltene Erkrankungen – die periodischen Fiebersyndrome – ging es bei einem Symposium auf dem Rheumatologenkongress in Dresden. Dabei wurde deutlich, dass Interleukin-1-Inhibitoren wie Canakinumab bei den oft sehr jungen Patienten eine deutliche Linderung und sogar eine Remission bewirken können.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. rer. nat. Stefan Fischer, Stuttgart

Hepatische Enzephalopathie bei Leberzirrhose

Management anhand der aktuellen Leitlinie

Die S2k-Leitlinie Komplikationen der Leberzirrhose behandelt auch die Diagnose und Therapie der hepatischen Enzephalopathie. Diese Inhalte wurden auf einem von der Firma Norgine veranstaltetem Symposium vorgestellt. Die Vorträge waren Teil der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) im Oktober 2019.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. rer. nat. Stefan Fischer, Stuttgart

Sekundär progrediente multiple Sklerose

Gehfähigkeit bleibt mit Siponimod länger erhalten

Der Übertritt einer schubförmigen in eine sekundär progrediente multiple Sklerose lässt sich nur schwer festmachen. Wahrscheinlich kommt es bereits unter Schüben zu einer schubunabhängigen Progression. Daher stellt sich die Frage, wann Wirkstoffe wie das in Deutschland noch nicht zugelassene Siponimod eingesetzt werden sollten. Darüber diskutierten die Vortragenden eines Symposiums auf der Jahrestagung 2019 der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Die Firma Novartis organisierte die Veranstaltung.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Morbus Parkinson im fortgeschrittenen Stadium

Was leisten ergänzende Therapien?

Morbus Parkinson wird initial mit Dopaminagonisten oder Levodopa in Kombination mit Carbidopa behandelt. Im weiteren Verlauf der Erkrankung lässt die Levodopa-Wirkung trotz Dosissteigerungen nach, Nebenwirkungen nehmen zu. Ein mögliches Add-on für Patienten, die täglich mehr als 400 mg Levodopa benötigen und über erste motorische Komplikationen klagen, ist Safinamid. Die klinischen Ergebnisse wurden am 26. September 2019 auf einem von der Firma Zambon veranstalteten Satelliten-Symposium im Rahmen des 92. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vorgestellt.

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Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Schwere neurodegenerative Erkrankungen

Neue Wege in der Therapie

Neurodegenerative Erkrankungen zu behandeln, ist herausfordernd. Während es für die multiple Sklerose (MS) bereits zahlreiche Therapieoptionen gibt, ist der „unmet medical need“ z. B. für Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) oder spinale Muskelatrophie (SMA) weiterhin hoch. Einige Entwicklungen stellten Experten am 27. September 2019 auf einem von der Firma Roche veranstalteten Pressegespräch im Rahmen des 92. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vor.

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Notizen Solvejg Langer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Nintedanib bei idiopathischer Lungenfibrose

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Pressekonferenz Monika Walter, München

Präzisionsonkologie

Statt Lokalisation ist molekulargenetisches Tumorprofil für Therapie entscheidend

Larotrectinib wurde als erster Wirkstoff für die Therapie solider Tumoren zugelassen, die eine neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase(NTRK)-Genfusion aufweisen – unabhängig davon, wo der Tumor lokalisiert ist und unabhängig vom Alter des Patienten. Larotrectinib zeigte hohe Ansprechraten, eine langanhaltende Wirkung und eine gute Verträglichkeit bei Erwachsenen und Kindern mit Tropomyosin-Rezeptor-Kinase(TRK)-Fusionstumoren. Die Daten wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Bayer im September 2019 vorgestellt.