Editorial Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Tops und Flops in der Kardiologie

Neue Arzneimittel in der Diskussion Annemarie Musch, Stuttgart

Nucleos(t)idanaloga

Telbivudin und Tenofovir in der Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virus-Infektion

Für die Therapie chronischer Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektionen sind in Deutschland seit Mitte 2008 die Nucleosidanaloga Lamivudin, Entecavir und Telbivudin sowie die Nucleotidanaloga Adevofir und Tenofovir zugelassen. Unter Berücksichtigung der antiviralen Potenz und der „genetischen Barriere“ der Wirkstoffe wurde in nationalen Behandlungsempfehlungen herausgearbeitet, mit welchen Wirkstoffen unter bestimmten Voraussetzungen das Therapieziel, die maximale und anhaltende Unterdrückung der Virusvermehrung, erreicht werden kann. Telbivudin und Tenofovir zeichnen sich nach bislang vorliegenden Daten durch hohe antivirale Potenz aus, Tenofovir weist zudem eine hohe genetische Barriere auf.
Arzneimitteltherapie 2008;26:439–48.

English abstract

Nucleos(t)ide analogs – telbivudine and tenofovir in the treatment of chronic hepatitis B virus infection

In Germany, there are now three nucleoside analogs (lamivuine, entecavir and telbivudine) and two nucleotide analogs (adefovir and tenofovir) approved for the treatment of chronic hepatitis B virus infection. Based on the antiviral potency and resistance profile of these antiviral drugs national guidelines worked out their best use in order to achieve complete viral suppression in the majority of patients. Telbivudine and tenofovir are highly potent, tenofovir has a favorable resistance profile.

Keywords: Telbivudine, tenofovir, chronic hepatitis b virus infection, nucleosid analogs, nucleotid analogs

Übersicht Andreas Rembert Koczulla, Robert Bals und Claus Vogelmeier, Marburg

Therapie der COPD – Fortschritte und Perspektiven

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist durch eine Atemwegsobstruktion charakterisiert, die nicht vollständig reversibel und typischerweise progredient ist. Morphologisch kennzeichnend ist eine Entzündungsreaktion im Bereich der kleinen Atemwege, die durch inhalierte Partikel oder Gase mit dem Hauptverursacher Zigarettenrauch ausgelöst wird. Die Entzündungsantwort wird durch angeborene Immunmechanismen und adaptive Immunreaktionen vermittelt. Neben der lokalen Entzündung kommt es im Rahmen der COPD auch zu einer systemischen Inflammation, die im ursächlichen Zusammenhang mit den vielfältigen Komorbiditäten gesehen wird, die bei COPD-Patienten beobachtet werden. Der Verlauf der COPD ist mit den aktuell verfügbaren Medikamenten nach gegenwärtigem Kenntnisstand nur partiell zu beeinflussen. Die medikamentöse Therapie basiert auf einem Stufenkonzept, das sich vor allem am Ausmaß der Lungenfunktionseinschränkung orientiert. Auf pathophysiologischen Erkenntnissen aufbauende innovative Therapiekonzepte sind dringend notwendig, um die Prognose der Patienten zu verbessern.
Arzneimitteltherapie 2008;26:451–60.

English abstract

COPD therapy – approach and perspective

COPD is a chronic disease of the lungs that is characterised by a decreased air flow and an abnormal inflammatory response. Inflammation of the small airways is mainly caused by inhaled particles and gases. Adaptive and innate immune reactions are believed to be major pathogenetic factors. This inflammation is not limited to the lung – systemic inflammation seems to be a characteristic feature of the disease that may be casually related to the comorbidities of COPD. The impact of available therapies on the course of the disease seems to be limited. Current therapeutic concepts are based on a step by step approach that is defined by the lung function impairment. In order to improve the prognosis of COPD patients, there is a great need for innovative therapeutic concepts based on novel pathophysiologic findings.

Keywords: COPD, pathophysiology, therapy, inflammation

Pharmakovigilanz Jörg Zieger, Nicole Siegert, Silke Reddersen, Patty Hirsch, Eric Stricker, Bertram Schädle und Marcus Rall, Tübingen

Kammerflimmern nach i. v. Gabe von Toluidinblau

Fragen aus der Praxis Gerta Rücker, Freiburg

Der Bayesianische Ansatz – was ist das?

Klinische Studie Bettina Martini, Legau

Koronarinterventionen

Everolimus- versus Paclitaxel-freisetzender Stent

Im direkten Vergleich war der Everolimus-freisetzende Stent dem Paclitaxel-freisetzenden Stent beim primären Studienendpunkt „late loss“ überlegen. Schwerwiegende kardiale Ereignisse waren im ersten Jahr nach der Intervention in der Everolimus-Gruppe ebenfalls signifikant seltener. So die Ergebnisse der Studie SPIRIT III.

Referiert & kommentiert Dr. Corinna Schraut, Ulm

Nierentransplantation

Bessere Verträglichkeit durch Dosisreduktion von Immuntherapeutika?

Eine immunsuppressive Therapie soll sowohl wirksam als auch langfristig verträglich sein. Um die Nebenwirkungen bei der Immuntherapie mit Calcineurin-Inhibitoren und Sirolimus zu verringern, wurden die Auswirkungen einer Dosisreduktion dieser Therapeutika zugunsten eines besseren Verhältnisses von Wirksamkeit und Verträglichkeit untersucht. Eine Therapiekombination aus niedrig dosiertem Tacrolimus, Mycophenolatmofetil und Daclizumab erzielte dabei das beste Ergebnis.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen

Subkortikale vaskuläre Enzephalopathie

Donepezil nicht wirksam

Die zerebrale autosomale dominante Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukenzephalopathie (CADASIL) ist eine Modellkrankheit für die vaskuläre Mikroangiopathie. Leitsymptom ist die vaskuläre Demenz. In einer großen, randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie waren 10 mg Donepezil nicht besser wirksam als Plazebo.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen

Intrazerebrale Blutungen

Bessere Prognose durch aggressive Blutdrucksenkung?

Eine aggressive initiale Blutdrucksenkung bei Patienten mit intrazerebralen Blutungen ist möglich, durchführbar und offenbar ohne wesentliche Nebenwirkungen. Diese Behandlung reduziert die Größenzunahme von intrakraniellen Blutungen. Um zu zeigen, dass dieser Ansatz zu verbesserten Therapieergebnissen führt, müssen große randomisierte Studien durchgeführt werden.

Referiert & kommentiert Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern

Akutes Atemnotsyndrom

Behandlungserfolg mit Glucocorticoiden bei ARDS nicht überzeugend

Die präventive Anwendung von Glucocorticoiden führte bei stark ARDS-gefährdeten Patienten zu einem schlechteren Krankheitsverlauf mit häufigerer ARDS-Inzidenz und Mortalität, so die Erkenntnisse einer Metaanalyse. Bei therapeutischer Behandlung des bereits manifestierten Krankheitsbilds waren Mortalität und die Notwendigkeit zur künstlichen Beatmung im Vergleich zu Plazebo geringfügig reduziert. Der Stellenwert einer Glucocorticoid-Therapie bei ARDS konnte jedoch nicht festgelegt werden.

Referiert & kommentiert Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart

Antidementiva

Galantamin bei schwerer Alzheimer-Demenz

Bei Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz verhinderte die sechsmonatige Behandlung mit Galantamin den kognitiven Abbau. Der Funktionsverlust in Bezug auf Alltagsaktivitäten wurde nicht beeinflusst. Diese Ergebnisse einer randomisierten Doppelblindstudie wurden von der Firma Janssen-Cilag im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg im September 2008 vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl

Melatonin

Verbesserung der Schlafqualität bei älteren Menschen

Mit retardiertem Melatonin (Circadin®) kann die Schlafqualität und die Funktionalität am nächsten Tag bei Menschen über 55 Jahre mit primären Schlafstörungen verbessert werden. Melatonin ist kein Schlafmittel im klassischen Sinne, deshalb wurden auch keine Absetzsymptome, Rebound-Effekte oder Beeinträchtigungen der Vigilanz gesehen. Physiologische und pharmakologische Wirkungen von Melatonin wurden bei einem von Lundbeck veranstalteten Satellitensymposium während des 21. ECNP-Kongresses in Barcelona im August 2008 diskutiert.