Editorial Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Der delirante Patient auf der Intensivstation: Hände weg von Benzodiazepinen!

Übersicht Hans-Peter Lipp, Tübingen

Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA)

Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA) sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil in der Behandlung verschiedenster Anämieformen geworden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sich die verfügbaren Präparate einschließlich der Biosimilars nicht nur im Spektrum der jeweiligen zugelassenen Indikationen und Dosierungen, sondern auch in der Art der posttranslationalen Glykosylierung, der physiko-chemischen Zusammensetzung, der Potenz, dem pharmakokinetischen Verhalten und möglichen immunogenen Eigenschaften unterscheiden, die sogar von Charge zu Charge variieren können. Die Entstehung der PRCA (Pure red cell anaemia) als antikörpervermittelte Komplikation ist wahrscheinlich mit dem Herstellungsprozess in Verbindung zu bringen. Generell sollte ein leichtfertiger Austausch verschiedener Epoetin-haltiger Präparate innerhalb einer Verordnungskette desselben Patienten nicht unterstützt werden.
Arzneimitteltherapie 2012;30:143–9.

English abstract

Erythropoiesis-stimulating agents (ESA)

Erythropoiesis-stimulating agents play an essential role in the treatment of various forms of anemia. Available preparations including biosimilars may differ from each other in respect to their approved spectrum of indications and dosages as well as their physico-chemical property, their potency, clinical pharmacokinetic behaviour and potential immunogenicity based on their substance-specific posttranslational glycosylation pattern which may even vary from batch to batch. In the case of PRCA (pure red cell aplasia), the development of critical aggregate formations during production process appears to be causative. Based on preparation-related differences, a switch from one ESA preparation to another in the same patient should not be easily supported.

Key words: ESA, product profiles, posttranslational glycosylation pattern, PRCA, switch of drug formulations

Übersicht Gisa Ellrichmann und Ralf Gold, Bochum

Neue orale Immunmodulatoren zur Therapie der multiplen Sklerose

Die multiple Sklerose (MS) ist als chronische Erkrankung nach wie vor die häufigste neurologische Ursache körperlicher Behinderungen bei jungen Erwachsenen. Durch den routinemäßigen Einsatz von Interferonen kann die Erkrankung bereits seit Jahrzehnten positiv beeinflusst werden, doch einige Patienten stehen der subkutanen oder intramuskulären Anwendung der Arzneimittel skeptisch gegenüber. Mit Natalizumab wurde vor mehr als zehn Jahren eine Therapie entwickelt, die intravenös appliziert wird. Obwohl es nur im Abstand von vier Wochen verabreicht werden muss, wird auch dies von einzelnen MS-Erkrankten abgelehnt. In den letzten Jahren wurden bei der Entwicklung wirksamer oraler Immuntherapeutika zur Behandlung der multiplen Sklerose große Fortschritte erreicht. Fingolimod wurde als erstes orales MS-Therapeutikum für die Eskalationstherapie bei Patienten mit hochaktiver, schubförmig-remittierender MS zugelasssen. Dimethylfumarat, Teriflunomid und Laquinimod wurden bzw. werden in Phase-III-Studien untersucht, so dass weitere oral anwendbare therapeutische Optionen in greifbare Nähe zu rücken scheinen. Man kann davon ausgehen, dass das Repertoire der MS-Therapeuten im klinischen Alltag in den nächsten Jahren weiter vergrößert wird, so dass eine zunehmende Individualisierung der MS-Behandlung möglich wird.
Arzneimitteltherapie 2012;30:150–56.

English abstract

Immunotherapy in multiple sclerosis: new oral drugs

Multiple sclerosis (MS) is a chronic autoimmune disease of the central nervous system (CNS) representing the main cause for impairment in young adults. Early treatment with interferone since decades reduces the number of relapses, limits progression of disability and improves quality of life. However, existing therapies are only partially effective and require parenteral administration. Furthermore, subcutaneous or intramuscular injections might frighten some patients and might induce abortion of therapy. Natalizumab (Tysabri®) requires intravenous applications once a month and displays a leading role in new generation drugs for patients with relapsing MS. Nonetheless, MS-patients wish to have further effective therapies especially for orally treatment.

Different substances have broadened the therapeutic options and became an alternative to the current injectable first-line treatment for relapsing MS, which allows to increasingly individualize MS-treatment. In particular, there is an impetus for safe and effective oral options.

Key words: Multiple sclerosis, fingolimod, dimethylfumarate, laquinimod, teriflunomide

Consensus Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Update der GOLD-Empfehlungen

Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) hat Ende 2011 ein aktualisiertes Konsensuspapier zur Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) veröffentlicht. Neu ist unter anderem ein Kapitel mit evidenzbasierten Informationen zu medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen. Die gebräuchlichen COPD-Medikamente, ihre Stellung im Behandlungsmanagement und die medikamentösen Behandlungsstrategien bei stabiler COPD sowie bei Exazerbationen sind im Folgenden zusammengefasst.
Arzneimitteltherapie 2012;30:157–62.

Klinische Studie Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Alzheimer-Krankheit

Bei Progression Medikation stoppen, kombinieren oder wechseln?

Der Acetylcholinesterase-Inhibitor Donepezil (z. B. Aricept®) kann auch bei schwereren Formen der Alzheimer-Erkrankung die Progression verlangsamen. Die in den USA häufig angewandte Kombination mit dem NMDA-Rezeptorantagonisten Memantin (z. B. Ebixa®) hat keinen zusätzlichen Nutzen für die Patienten. Dies ergab die randomisierte, Plazebo-kontrollierte, vom britischen Medical Research Council finanzierte DOMINO(Donepezil and memantine in moderate-to-severe Alzheimer‘s disease)-Studie.

Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Akute symptomatische Lungenembolie

Rivaroxaban ist der Standardtherapie nicht unterlegen

Bei Patienten mit einer akuten symptomatischen Lungenembolie ist der direkte orale Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban einer Standardbehandlung aus Enoxaparin und Vitamin-K-Antagonist in Wirksamkeit und Sicherheit nicht unterlegen. In der randomisierten EINSTEIN-PE-Studie waren die Rate für erneute symptomatische venöse Thromboembolien und die Rate klinisch relevanter Blutungen unter beiden Therapieregimen vergleichbar.

Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

PCI bei Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt

Abciximab plus Heparin ist Bivalirudin nicht überlegen

Bei Patienten mit einem Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt, die sich einer perkutanen Koronarintervention (PCI) unterziehen müssen, ist eine antithrombotische Behandlung mit der Kombination aus Abciximab und unfraktioniertem Heparin einer Therapie mit Bivalirudin hinsichtlich des Risikos für Tod, großen erneuten Myokardinfarkt, dringliche Revaskularisation und schwerwiegende Blutung nicht überlegen.

Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Katja Noack, Schwieberdingen

Notfallmedizin

Tranexamsäure bei Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma

Etwa ein Drittel aller Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma entwickelt eine Trauma-induzierte Koagulopathie, die lebensgefährliche intrakranielle Blutungen begünstigt. Möglicherweise kann das Antifibrinolytikum Tranexamsäure (Cyklokapron®) bei diesen Patienten das Mortalitätsrisiko senken. Erste Anhaltspunkte liefert eine kürzlich veröffentlichte Subgruppenanalyse der CRASH-2-Studie.

Referiert & kommentiert: Therapiehinweise Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Protonenpumpenhemmer

Risiko für Oberschenkelhalsbruch erhöht

Die Dauereinnahme von Protonenpumpenhemmern erhöht das Risiko für einen Oberschenkelhalsbruch. Gefährdet sind vor allem Frauen, die rauchen oder geraucht haben. Dies ergab eine Analyse der Daten der Nurses’ Health Study.

Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Michael Koczorek, München

Antimykotische Prophylaxe

Posaconazol reduziert signifikant die Inzidenz invasiver Mykosen

Patienten mit hämatologischen Erkrankungen und anhaltender Neutropenie profitieren von einer antimykotischen Prophylaxe mit Posaconazol. Das perorale Breitspektrum-Triazol ist der einzige Arzneistoff mit A1-Empfehlung zur Prophylaxe invasiver Mykosen bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie, myelodysplastischem Syndrom sowie nach allogener Stammzelltransplantation mit Graft-versus-host-Erkrankung. Studien, die der Empfehlung zugrunde liegen, und Daten zur Kosteneffektivität stellten Experten auf einem Symposium von MSD im Rahmen der 45. Wissenschaftlichen Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft (DMYKG) in Kiel vor.

Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen Dr. Claudia Heß, Mainz

Neurologie

MS-Patienten profitieren von frühzeitigem Therapiebeginn mit Interferon beta-1b

In der Behandlung von multipler Sklerose (MS) hat sich die immunmodulierende Basistherapie mit Interferon beta-1b seit Längerem etabliert. Aktuelle 8-Jahresdaten der BENEFIT-Studie belegten jetzt erneut den Nutzen einer frühen und anhaltenden Interferon-Therapie. Eine Expertenrunde diskutierte anlässlich einer Pressekonferenz von Bayer HealthCare in Köln dazu [1].

Notizen Bettina Christine Martini, Legau

Aktuelle Meldungen von EMA, FDA, BfArM und AkdÄ