Seite 445 -446
Editorial Dr. Peter Stiefelhagen, Starnberg

Neues aus der Kardiologie

Seite 447 -452
Übersicht Matthias Maschke, Trier

Herpes zoster

Impfung, Akuttherapie, Schmerztherapie bei postzosterischer Neuralgie

Der Herpes zoster ist mit etwa 400 000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Viruserkrankungen in Deutschland. Die Inzidenz nimmt mit steigendem Lebensalter deutlich zu, sodass in den kommenden Jahren mit einem weiteren Anstieg der Häufigkeit der Fälle zu rechnen ist. Insofern sind präventive Maßnahmen notwendig. Hierzu gibt es einen seit 2018 neu zugelassenen Totimpfstoff, der mittlerweile als Standardimpfung ab dem 60. Lebensjahr seitens der ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wird. In die Akuttherapie sind aufgrund der unterschiedlichen Lokalisationen zahlreiche Fachrichtungen involviert. In der kürzlich publizierten, interdisziplinären S2k-Leitlinie werden die Therapieempfehlungen zusammengefasst. Neben der Akuttherapie spielt die Schmerztherapie in Bezug auf den Akutschmerz, aber auch in Bezug auf postzosterische Neuralgien (PZN) eine wichtige Rolle. Gerade bei den PZN ist ein interdisziplinärer und interprofessioneller Ansatz sinnvoll.
Arzneimitteltherapie 2020;38:447–452.

English abstract

Herpes zoster: vaccination, antiviral treatment and pain management of postherpetic neuralgias

Herpes zoster belongs to the most frequent viral diseases with a frequency of 400,000 cases per year in Germany. Against the background of an increasing incidence of zoster with age, it is expected that the frequency will be higher during the next years and decades. Thus, preventive treatments such as vaccinations are necessary. Since 2018 an inactivated, dead vaccine is available and recommended as standard vaccination in people above 60 years by German authorities (Vaccination comittee, STIKO). Treatment recommendations were summarized in a recently published S2k guideline. Pain management of acute zoster pain as well as of postzosteric neuralgias plays an important role and needs a multi-professional and interdisciplinary team approach.

Key words: Zoster, postherpetic neuralgias, zoster vaccination, antiviral zoster treatment

Seite 454 -455
Prof. Dr. Erhard Hiller, München

Bücherforum

Harrisons Innere Medizin

Seite 456 -461
Arzneimittel in der Diskussion Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Orales Semaglutid

Erster oraler GLP-1-Agonist bei Typ-2-Diabetes

Der Glucagon-like-Peptid-1(GLP-1)-Rezeptoragonist Semaglutid ist bereits seit Februar 2018 zur subkutanen Injektion zugelassen. Die Europäische Kommission hat im April 2020 nun auch die orale Zubereitung des Wirkstoffes zugelassen. Semaglutid ist indiziert zur Therapie von Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes. Die Zulassung ist auf der Basis der Ergebnisse des PIONEER-Studienprogramms erfolgt.
Arzneimitteltherapie 2020;38:456–61.

English abstract

Oral semaglutide: first oral GLP-1-receptor agonist for patients with type 2 diabetes

Glucagon-like-peptide-1-receptor agonists (GLP-1-RA) are potent antihyperglycemic drugs with a low risk of hypoglycemia for patients with type 2 diabetes. Additionally, it reduces the body weight. Oral semaglutide is the first oral formulation of a GLP-1-RA. The efficacy and safety of oral semaglutide was assessed in the PIONEER 1–8 clinical trial program, which included nearly 10 000 patients. Oral semaglutide has shown superiority in reducing glycosylated hemoglobin and body weight in comparison with placebo and active comparators (sitagliptin, liraglutide, and empagliflozin). It does not increase the risk of cardiovascular events and it is generally well tolerated.

Key Words: Oral semaglutide, type 2 diabetes, glucagon-like-peptide-1, GLP-1- analogue

Seite 462 -465
Arzneimittel in der Diskussion Claudia Bruhn, Berlin

Siponimod

Neuer Wirkstoff gegen sekundär progrediente multiple Sklerose

Die multiple Sklerose (MS) ist eine unheilbare Krankheit, bei der ein hoher Bedarf an neuen medikamentösen Optionen besteht. Für die sekundär progrediente Form der Erkrankung stehen nur sehr wenige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zur Behandlung dieser Patienten ist seit Januar 2020 der Sphingosin-1-Phosphat(S1P)-Rezeptor-Modulator Siponimod (Mayzent®) zugelassen, sofern die Krankheitsaktivität durch Schübe oder Bildgebung nachgewiesen wurde. In der Zulassungsstudie EXPAND konnte Siponimod das Risiko für das Fortschreiten der Krankheitsprogression im Vergleich mit Placebo signifikant verzögern. Zu den Nebenwirkungen, die eine besondere Beobachtung erfordern, zählen Infektionen, Bradyarrhythmien und Makulaödeme.
Arzneimitteltherapie 2020;38:462–5.

English abstract

Siponimod

Multiple sclerosis is a disease with an unmet medical need, especially for patients with the secondary progressive form, SPMS. Since January 2020, the orale sphingosin-1-phosphat-receptor-modulator siponimod has been approved for patients with SPMS, evidenced by relapses or imaging features of inflammatory activity. In the phase 3, randomised, placebo-controlled study EXPAND siponimod reduced the risk of disability progression sigificant more than placebo. For the mitigation of cardiac side effects an initial dose titration is necessary.

Key Words: siponimod, multiple sclerosis, secondary progressive multiple sclerosis, sphingosin-1-phosphat-receptor-modulator

Seite 466 -467
Arzneimittel in der Diskussion Volker Limmroth, Köln

Siponimod in der Therapie der sekundär chronisch progredienten MS

Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2020;38:466–7.

English abstract

Siponimod in the therapy of secondary chronic progressive MS

Thanks to advances in understanding pathoimmunology and in the development of innovative immunotherapies, patients with multiple sclerosis can hope for a relatively normal life nowadays. An extension of the therapeutic possibilities in the treatment of secondary progressive multiple sclerosis (SPMS) is Siponimod, a selective sphingosine-1-phosphate receptor modulator. It was approved in the EU for the treatment of adults with SPMS with active disease.

Key Words: siponimod, multiple sclerosis, secondary progressive multiple sclerosis, sphingosin-1-phosphat-receptor-modulator

Seite 468 -469
Klinische Studie Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Vorhofflimmern

Schlaganfallprävention bei sehr alten Patienten mit Vorhofflimmern mit niedrigdosiertem Edoxaban

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie in Japan an 984 Patienten ab 80 Jahren mit Vorhofflimmern waren 15 mg Edoxaban einmal täglich besser wirksam als Placebo für die Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien. Die Antikoagulation erhöhte nicht das Risiko schwerwiegender Blutungskomplikationen.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Multiple Sklerose

Ofatumumab versus Teriflunomid bei der Prophylaxe der schubförmigen multiplen Sklerose

Mit einem Kommentar des Autors
In zwei randomisierten Studien an Patienten mit multipler Sklerose (MS) führte eine Therapie mit Ofatumumab zu niedrigeren jährlichen Schubraten als Teriflunomid. Bezüglich der Behinderung war Ofatumumab wirksamer als Teriflunomid.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Homozygote familiäre Hypercholesterinämie

Therapie mit Evinacumab

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Patienten mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie, bei denen unter einer maximalen lipidsenkenden Therapie keine ausreichende Reduktion des LDL-Cholesterin-Spiegels erreicht werden konnte, führte in einer Placebo-kontrollierten Studie der monoklonale Antikörper Evinacumab nach 24 Wochen zu einer 49%igen Reduktion des LDL-Cholesterin-Spiegels.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Migräneprophylaxe

Erenumab in der Langzeittherapie der episodischen Migräne: Die STRIVE-Studie

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Patienten mit episodischer Migräne zeigte Erenumab über einen Zeitraum von 52 Wochen eine anhaltende Wirksamkeit. Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen entsprachen denen, die in der doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase der Studie beobachtet wurden.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Myopathie

Risikofaktoren für eine Simvastatin-induzierte Myopathie

Mit einem Kommentar des Autors
In einer gepoolten Analyse von 58 390 Individuen, die an randomisierten Placebo-kontrollierten Studien zum Einsatz von Simvastatin bei arteriosklerotischen Erkrankungen teilnahmen, kam es bei 171 Patienten zu einer klinisch und laborchemisch belegten Myopathie. Wichtige Prädiktoren sind die Simvastatin-Dosis, weibliches Geschlecht, höheres Alter, Übergewicht, ein medikamentös behandelter Diabetes mellitus und bestimmte Medikamente in der Komedikation.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Herzinsuffizienz

Therapie der Herzinsuffizienz mit SGLT2-Inhibitoren: Metaanalyse

Mit einem Kommentar des Autors
Eine Metaanalyse von zwei Placebo-kontrollierten Studien zur Wirksamkeit von Empagliflozin und Dapagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit und ohne Diabetes mellitus zeigte übereinstimmende Ergebnisse bezüglich der Reduktion von Krankenhausaufenthalten wegen Herzinsuffizienz. Es zeigte sich, dass diese beiden Wirkstoffe positive Effekte auf die Nierenfunktion haben und kardiovaskuläre Ereignisse sowie kardiovaskulär bedingte Todesfälle bei Patienten mit Herzinsuffizienz reduzieren.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

POPULAR-TAVI-Studie

Antithrombotische Therapie mit ASS allein bei Älteren ausreichend

Acetylsalicylsäure (ASS) allein reicht für eine antithrombotische Therapie bei älteren Patienten nach Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) aus. Im Vergleich zur in den Leitlinien empfohlenen dualen Plättchenhemmung mit ASS plus Clopidogrel treten mit ASS allein weniger Blutungen bei ähnlicher antithrombotischer Wirkung auf. Dies ergab die POPULAR-TAVI-Studie, die beim virtuellen ESC-Kongress Ende August 2020 vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurde.

Seite 470 -481
Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

EXPLORER-HCM-Studie

Mavacamten – neues Therapieprinzip bei hypertropher Kardiomyopathie

Erstmals scheint ein spezifisch bei der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) wirksamer Arzneistoff gefunden zu sein. Der Myosin-Modulator Mavacamten verbesserte in der Phase-III-Studie EXPLORER-HCM signifikant die Belastbarkeit, den linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT), die NYHA-Klasse und den Zustand der Patienten im Vergleich zu Placebo bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Die Ergebnisse wurden beim virtuellen ESC-Kongress Ende August 2020 vorgestellt und parallel im Lancet publiziert.

Seite 482
Notizen Solvejg Langer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Fidaxomicin für Kinder und Jugendliche bei Clostridioides-difficile-Infektion

Mit einem Kommentar von Dr. Matthias Fellhauer, Villingen-Schwenningen

Seite 483 -486
Seite 487 -489
Pressekonferenz Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Herzinsuffizienz

Sacubitril/Valsartan verbessert „reverse Remodeling“ am Herzen

Das kardiale Remodeling kann durch medikamentöse Therapien wie die Gabe von Betablockern oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) gebremst werden. Für Sacubitril/Valsartan konnte in der PROVE-HF-Studie gezeigt werden, dass es NT-proBNP-Werte rasch und anhaltend senkt. Dies korreliert signifikant mit einer Verbesserung der kardialen Funktion, wie bei einem von Novartis Pharma unterstützten Symposium beim virtuellen ESC-Kongress Ende August 2020 berichtet wurde.

Seite 487 -489
Pressekonferenz Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Hepatozelluläres Karzinom

Neue Erstlinientherapie in Aussicht

Die Kombination aus Atezolizumab und Bevacizumab wurde in einer Phase-III-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem hepatozellulärem Karzinom untersucht. Die zugehörigen Ergebnisse stellte Prof. Wörns auf einem digitalen Symposion im Rahmen des DGVS-Kongresses vor, das im September 2020 von der Firma Roche veranstaltet wurde.