24. Jahrgang Heft 06, Juni 2006
EditorialDr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Rheumatoide Arthritis: Die Therapie ist janusköpfig

Diskussionsforum ArzneimitteltherapieAndreas Lang, Walter Verbeek und Ullrich Graeven, Mönchengladbach

Bevacizumab

Die Umsetzung des Antiangiogenese-Konzepts

Mit dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab kam der erste Vertreter einer antiangiogenetischen Therapiestrategie zur Behandlung von soliden Malignomen in den Handel. Bevacizumab wurde umfangreich bei Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom untersucht und erhielt im Januar 2005 die Zulassung zur First-Line-Therapie in Kombination mit Fluorouracil/Folinsäure oder Fluorouracil/Folinsäure/Irinotecan (IFL). Durch die Kombination von Bevacizumab mit IFL zeigte sich bei nur geringer Steigerung der Toxizität sowohl eine bessere Ansprechrate (45 % vs. 35 %) als auch eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (10,6 Monate vs. 6,2 Monate) und des Gesamtüberlebens (20,3 Monate vs. 15,6 Monate). Darüber hinaus lässt sich anhand der derzeitigen Studienlage auch ein Vorteil von Bevacizumab bei der Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms, des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms und des Nierenzellkarzinoms nachweisen. Besonders interessant ist die Kombination von Bevacizumab mit anderen „Biologicals“ und der Einsatz auch bei früheren, noch nicht fortgeschrittenen Tumorstadien.An Nebenwirkungen sind vor allem eine arterielle Hypertonie, eine Proteinurie, eine erhöhte Blutungsneigung, gastrointestinale Perforationen, thromboembolische Ereignisse und Wundheilungsstörungen zu beachten. Arzneimitteltherapie 2006;24:182–6.

ÜbersichtWerner Menz, Mannheim, im Auftrag der AABG-Arbeitsgruppe ADKA e. V.*

Insuline

AABG: Preisgünstige Therapiealternativen nach § 115c SGB V

Im Auftrag der AABG-Arbeitsgruppe des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker ADKA e. V. wurde eine Übersicht von den in Deutschland zugelassenen Insulinen erstellt. Sie kann unter anderem als Entscheidungshilfe für eine preisgünstige Therapiealternative im Sinne des § 115c SGB V verwendet werden.
Schlüsselwörter: AABG, Insulin, Diabetes mellitus, Aut-simile-Substitution, Arzneimittelinformation
Arzneimitteltherapie 2006;24:187–96.

Consensus

Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie

Gemeinsame Leitlinie der DGN und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft (DSG)*

Referiert & kommentiertDr. Barbara Kreutzkamp, München

Koronare Herzerkrankung

Weniger Restenosen unter Sirolimus-freisetzenden Stents

Patienten mit koronarer Herzerkrankung haben bei Einsatz Sirolimus-freisetzender Stents im Vergleich zu Paclitaxel-freisetzenden Stents ein signifikant reduziertes Risiko für Restenosen, so das Ergebnis einer Metaanalyse mit den Daten von 3 669 Patienten, die mindestens 6 Monate beobachtet wurden.

Referiert & kommentiertDr. Barbara Kreutzkamp, München

Ambulant erworbene Pneumonien

Patienten mit mittlerem Risiko können ambulant behandelt werden

Patienten mit einer ambulant erworbenen Pneumonie und einer Risikogruppe II oder III gemäß den Kriterien des Pneumonia-Severity-Index (PSI) ohne weitere destabilisierende Begleiterkrankungen oder soziale Probleme erzielen bei ambulanter Behandlung mit 500 mg Levofloxacin täglich vergleichbare medizinische Behandlungserfolge wie Patienten unter stationärer Behandlung.Die Zufriedenheit ist bei den ambulant behandelten Patienten höher.

Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Stuttgart

SIDESTEP-Studie

Ertapenem bei diabetischem Fuß

Das Carbapenem Ertapenem erwies sich bei Patienten mit Infektionen aufgrund eines diabetischen Fußes als ebenso gut wirksam wie Piperacillin/Tazobactam. Aufgrund der Studienergebnisse wurde das Carbapenem Mitte November 2005 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für die Behandlung von Diabetikern mit mäßig schweren bis schweren komplizierten Fußinfektionen ohne Osteomyelitis zugelassen.

Referiert & kommentiert

Arzneimittel in der klinischen Entwicklung

Prävention und Therapie von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Stuttgart

Histon-Desacetylase-Hemmer

Neue Zielstruktur zur Krebsbehandlung

Histon-Desacetylase-Hemmer können den programmierten Zelltod (Apoptose) aktivieren und so möglicherweise Tumorwachstum stoppen. Verschiedene Substanzen beispielsweise Vorinostat (SAHA) befinden sich in klinischer Entwicklung.

Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Stuttgart

Daptomycin

Zyklisches Lipopeptid mit Wirkung gegen mehrfachresistente grampositive Erreger

Daptomycin ist der erste Vertreter der zyklischen Lipopeptide. Das Antibiotikum ist seit dem 21. April 2006 zur Behandlung komplizierter Haut- und Weichgewebeinfektionen durch grampositive Erreger als Cubicin® (Novartis/Chiron Pharmaceuticals) im Handel. Bei einmal täglicher Applikation als Kurzinfusion ist Daptomycin gut wirksam auch gegen mehrfach resistente grampositive Erreger. Die Verträglichkeit ist gut. Bei Risikopatienten ist eine regelmäßige Überwachung der Creatinkinase angezeigt.

Referiert & kommentiertDr. Annemarie Musch, Stuttgart

HIV/AIDS

Neuer Proteasehemmer wirksam bei bislang resistenten Viren

Der nichtpeptidische Proteasehemmer Tipranavir (Aptivus®) führte bei HIV-Infizierten, die bislang nicht erfolgreich therapiert werden konnten, zu einer langfristigen Unterdrückung der Virusvermehrung. Tipranavir ist seit dem Herbst 2005 zur antiretroviralen Kombinationstherapie zugelassen. Aktuelle Daten wurden auf einer von Boehringer Ingelheim veranstalteten Pressekonferenz bei den 11. Münchner AIDS-Tagen im Februar 2006 vorgestellt.

Referiert & kommentiertDr. Annemarie Musch, Stuttgart

Pulmonal-arterielle Hypertonie

Sildenafil zur Therapie zugelassen

Der Phosphodiesterase(PDE)-5-Hemmer Sildenafil (Revatio®) führt bei Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie zu signifikant gesteigerter körperlicher Belastbarkeit. Sildenafil wurde in Europa Ende Oktober 2005 zur Therapie der pulmonal-arteriellen Hypertonie im funktionellen Schweregrad NYHA III zugelassen. Aktuelle Daten wurden auf der Einführungspressekonferenz von Pfizer Pharma in Frankfurt im November 2005 vorgestellt.