Seite 339 -340
Editorial Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Neues zu COVID-19

Seite 341 -354
Übersicht Tim Schmeiser, Wuppertal

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung.
Geprägt wird das klinische Bild dieser autoimmunen Erkrankung von einer schmerzhaften symmetrischen Polyarthritis. Neben dem körperlichen Untersuchungsbefund stellen die Labordiagnostik (u. a. Bestimmung von Rheumafaktor und CCP-Autoantikörper) und die Bildgebung (Röntgen und Power-Doppler-Arthrosonographie) entscheidende Untersuchungsmethoden für die Diagnosefindung der RA dar. Bei verzögerter Diagnosestellung und inadäquater Therapie droht eine Gelenkzerstörung mit nachhaltiger Funktionseinschränkung. Ein frühes und gezieltes Therapieren führt im Idealfall zu einer nachhaltigen Remission der Erkrankung.
In den letzten 20 Jahren hat sich die Versorgungssituation für Patienten mit rheumatoider Arthritis deutlich verbessert. Eine wesentliche Rolle hierfür kommt dem verbesserten Krankheitsverständnis und der hieraus resultierenden Entwicklung von neuen medikamentösen Therapiestrategien zu. So konnte durch die Entwicklung von biologischen und zielgerichteten synthetischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika in einer Vielzahl von Studien eine signifikante Reduktion der Krankheitslast, Krankheitsaktivität und Reduktion der radiologischen Progression und somit Erhalt an der alltäglichen sozialen Teilhabe aufgezeigt werden. Die 2018 veröffentliche S2e-Leitlinie berücksichtigt die oben genannte Entwicklung bei ihren Behandlungsempfehlungen.
Arzneimitteltherapie 2020;38:341–54.

English abstract

Rheumatoid arthritis

Rheumatoid arthritis (RA) is the most common inflammatory rheumatic disease.

The clinical picture of this autoimmune disease is characterized by painful symmetrical polyarthritis. In addition to the physical examination findings, laboratory diagnostics (including determination of rheumatoid factor and CCP autoantibodies) and imaging (X-ray and Power-Doppler arthrosonography) are decisive examination methods for the diagnosis of RA. Delayed diagnosis and inadequate therapy can lead to joint destruction with permanent functional impairment of joints. Ideally, early and targeted therapy leads to lasting remission of the disease.

Within the last 20 years, the care situation for patients with rheumatoid arthritis has improved significantly. The improved understanding of disease and development of new therapy strategies play an important role in this. In a large number of studies bDMARDs and tsDMARDs have shown a significant reduction in disease burden, disease activity and a reduction in radiological progression and thus preservation of everyday social participation. The S2e guideline published in 2018 takes this development in its treatment recommendations into account.

Key words: Rheumatoid arthritis, therapy, disease modyfing antirheumatic drugs, S2e guideline

Seite 357 -367
Übersicht Christoph Sarrazin und Elena Durmashkina, Wiesbaden

Chronische Virushepatitiden

Aktuelle Therapiestrategien

Chronische Hepatitiden B und C sind sowohl weltweit als auch in Deutschland ein wichtiger Morbiditäts- und Mortalitätsfaktor. Die Identifikation der erkrankten, häufig asymptomatischen Patienten stellt eine große Herausforderung dar. Aktuell stehen für alle Patienten mit chronischer Hepatitis B bzw. C wirksame pharmakologische Therapiestrategien zur Verfügung. Bei der chronischen Hepatitis B handelt es sich um virustatisch wirksame Nukleos(t)id-Analoga. Bei der chronischen Hepatitis C stehen seit einigen Jahren hochwirksame, nebenwirkungsarme kurative Therapien mit direkten antiviralen Agenzien (DAA) zur Verfügung.
Arzneimitteltherapie 2020;38:357–67.

English abstract

Contemporary therapeutic strategies of chronical virus-hepatitis

Chronical hepatitis B and C are associated with significant morbidity and mortality globally as well as in in Germany. Identification of infected patients, who are typically asymptomatic, represents the main challenge. At present, effective pharmacological treatment options are available. In chronic hepatitis B, longterm application of nucleos(t)ide analogues are the backbone of antiviral therapy. In chronical hepatitis C, highly effective direct antiviral agents (DAA) which are well tolerated are available since a couple of years for viral elimination of the virus.

Key words: Cronic hepatitis B, cronic hepatitis C, nucleos(t)ide analogues, direct antiviral agents (DAA)

Seite 368 -372
Arzneimittel in der Diskussion Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

Bempedoinsäure

Hemmstoff der ATP-Citrat-Lyase bei primärer Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie

Mit Bempedoinsäure steht bald ein weiterer Wirkstoff zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut zur Verfügung. Durch Hemmung der ATP-Citrat-Lyase wird die Cholesterinsynthese unterdrückt. Bempedoinsäure kann als Monopräparat oder in Kombination mit Ezetimib für Patienten mit primärer Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie eingesetzt werden, bei denen eine Therapie mit Statinen nicht ausreichend erfolgreich ist oder nicht durchgeführt werden kann.
Arzneimitteltherapie 2020;38:368–72.

English abstract

Bempedoic acid: inhibitor of ATP-citrate-lyase for patients with primary hypercholesterolemia or mixed dyslipidemia

Bempedoic acid is an inhibitor of ATP-citrate-lyase. The approval includes patients with primary hypercholesterolemia or mixed dyslipidemia, for whom adequate relief could not be achieved with statins even at maximum dosage or who must not take statins. The effectiveness and safety of bempedoic acid in combination with statins or as monotherapy was demonstrated in several phase III studies. Bempedoic acid is therefore an effective new therapy option for patients who have not had sufficient success with conventional therapies.

Key words: Bempedoic acid, LDL cholesterol, hypercholsterolemia, hyperlipidemia, dylipidemia, statine intolerance.

Seite 373 -374
Arzneimittel in der Diskussion Frank Lammert, Homburg

Bempedoinsäure

Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2020;38:373–4.

Seite 375 -376
Klinische Studie Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Therapie gastrointestinaler Blutungen

Tranexamsäure zur Behandlung oberer und unterer gastrointestinaler Blutungen

Mit einem Kommentar des Autors
In einer großen randomisierten internationalen Studie an Patienten mit unteren oder oberen gastrointestinalen Blutungen war Tranexamsäure im Vergleich zu Placebo nicht in der Lage, die Sterblichkeit zu reduzieren.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Schwere bis mittelschwere Myasthenia gravis

Klinische Wirkungen des Komplementinhibitors Zilucoplan

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten Placebo-kontrollierten Phase-II-Studie an Patienten mit Myasthenia gravis zeigte eine 12-wöchige Therapie mit Zilucoplan eine rasche und nachhaltige Verbesserung der klinischen Symptome. Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil war günstig.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Schmerztherapie

Ketamin und Magnesium für die Behandlung therapierefraktärer neuropathischer Schmerzen

Mit einem Kommentar des Autors
In einer kleinen Cross-over-Studie bei Patienten mit chronisch neuropathischen Schmerzen waren weder Ketamin allein noch die Kombination von Ketamin und Magnesium therapeutisch wirksam.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Diabetes mellitus

Einfluss von Dulaglutid auf die kognitiven Funktionen

Mit einem Kommentar des Autors
In einer großen randomisierten Studie bei Patienten mit Diabetes mellitus zeigte eine Post-hoc-Analyse, dass eine Behandlung mit Dulaglutid das Risiko der Entwicklung kognitiver Einschränkungen im Vergleich zu Placebo reduzieren kann.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Ischämischer Insult

Statine in der Primär- und Sekundärprävention: Eine Metaanalyse

Mit einem Kommentar des Autors
Eine Reduktion der LDL-Cholesterin-Spiegel mit Statinen ist sowohl zur Primär- als auch zur Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalls wirksam.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Frühe Sekundärprävention nach akutem ischämischen Insult oder TIA

Ticagrelor plus ASS oder ASS-Monotherapie: Die THALES-Studie

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Patienten mit einem leichten bis mittelschweren akuten nichtkardioembolischen ischämischen Schlaganfall (NIHSS-Score ≤ 5) oder einer Hochrisiko-TIA, die sich keiner intravenösen Thrombolyse oder endovaskulären Thrombektomie unterziehen mussten, war das Risiko der Kombination aus Schlaganfall oder Tod innerhalb von 30 Tagen mit der Kombination aus Ticagrelor-Acetylsalicylsäure (ASS) geringer als mit ASS allein. Die Kombinationstherapie hatte keinen Einfluss auf die funktionelle Einschränkung. Schwerwiegende Blutungen traten bei Ticagrelor plus ASS häufiger auf als bei ASS allein.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Demenz

Besteht eine Assoziation zwischen Blutdrucksenkung und Demenz oder kognitiven Störungen?

Mit einem Kommentar des Autors
In einer Metaanalyse mit 96 158 Teilnehmen zeigte sich, dass eine antihypertensive Therapie bei Patienten mit arterieller Hypertonie sowohl das Risiko einer Demenz als auch das Risiko kognitiver Einschränkungen reduziert.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Niereninsuffizienz und Harnsäure

Reduktion der Harnsäurekonzentration durch Allopurinol bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz

Mit einem Kommentar des Autors
In einer kleinen randomisierten Studie bei Patienten mit Niereninsuffizienz Stadium 3 oder 4 führte eine Therapie mit Allopurinol zur Senkung der Serumharnsäure im Vergleich zu Placebo nicht zu einer Verbesserung der Progression der Nierenfunktionsstörung.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion

Krankheitsmodifizierende medikamentöse Therapien

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion (heart failure with reduced ejection fraction , HFrEF) sind die Behandlungseffekte einer frühen umfassenden krankheitsmodifizierenden pharmakologischen Therapie erheblich und unterstützen die kombinierte Anwendung eines Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin Inhibitors (ARNI), eines Betablockers, eines Mineralocorticoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) und Natrium/Glucose-Cotransporter-2 [SGLT2]-Inhibitoren als neuen therapeutischen Standard.

Seite 377 -389
Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Therapie des multiplen Myeloms

Neues Target BCMA: Zulassung von Belantamab Mafodotin empfohlen

Für Patienten mit rezidivierendem oder therapierefraktärem multiplen Myelom könnte in Kürze eine neue Behandlungsoption zur Verfügung stehen. Es handelt sich um das Antikörper-Toxin-Konjugat Belantamab Mafodotin, das gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) gerichtet ist. Die Studiendaten wurden im Rahmen des Deutschen Krebskongresses 2020 auf einem Symposium der Firma GSK vorgestellt.

Seite 390
Notizen Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Upadacitinib (Rinvoq®) bei rheumatoider Arthritis

Seite 391
Notizen Solvejg Langer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Ivacaftor bei Kindern mit zystischer Fibrose im Alter von 6 bis < 12 Monaten

Seite 392 -398
Seite 399 -405
Pressekonferenz Michael Koczorek, Bremen

Systemischer Lupus erythematodes

BLyS-Inhibitor reduziert Krankheitsaktivität und schützt vor Organschäden

Belimumab hat in randomisierten kontrollierten Studien und im Real-Life-Setting seine Wirksamkeit und Sicherheit in der Therapie des aktiven systemischen Lupus erythematodes (SLE) gezeigt. Auch das Therapieziel der Vermeidung von Organschäden kann mit dem BLyS-Inhibitor erreicht werden. Im Rahmen eines von GSK unterstützten Symposiums während des virtuellen EULAR 2020 plädierten Experten für einen frühen Einsatz des Biologikums, der die Effektivität der Therapie weiter steigern könnte.

Seite 399 -405
Pressekonferenz Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Episodische Migräne

Fremanezumab als Alternative bei schwer zu behandelnden Patienten

Für die Migränebehandlung stehen mehrere Medikamente zur Therapie und Prophylaxe zur Verfügung. Allerdings sind damit nicht alle Patienten ausreichend versorgt. Auf einem Industriesymposium im Rahmen des 14. European-Headache-Federation-Kongresses stellten die Referenten vor, für welche Patienten der Antikörper Fremanezumab eine Alternative sein könnte. Die Firma Teva veranstaltete das Symposium im Juni 2020.

Seite 399 -405
Pressekonferenz Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Akute myeloische Leukämie

Glasdegib plus Cytarabin bei unfitten Patienten

Mit einem Kommentar des Autors
Glasdegib wurde im Juni 2020 zur Therapie der akuten myeloischen Leukämie bei Patienten zugelassen, die für eine intensive Chemotherapie nicht geeignet sind. In einer Phase-II-Studie führte die Gabe von Glasdegib zusätzlich zu niedrig dosiertem Cytarabin zu einem längeren Gesamtüberleben. Dabei traten mehr unerwünschte Ereignisse auf als unter der Cytarabin-Monotherapie. Die Ergebnisse der Studie wurden auf einer virtuellen Pressekonferenz von Pfizer im Juli 2020 vorgestellt.

Seite 399 -405
Pressekonferenz Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Multiples Myelom

Isatuximab erweitert Therapieoptionen

Zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom ist seit Kurzem eine neue Therapieoption zugelassen. Der gegen das Oberflächenprotein CD38 gerichtete monoklonale Antikörper Isatuximab ist für erwachsene Patienten mit multiplem Myelom zugelassen, wenn mehrere vorangegangene Therapien versagt haben. Auf einem von der Firma Sanofi veranstalteten virtuellen „Meet-the-Expert“ zum Kongress der European Hematology Association (EHA) 2020 wurden die Studienergebnisse vorgestellt.